Oh du tolles Benin

Am 06.03, nach einer von Pannen durchzogenen, Nerven strapazierenden und langatmigen Busfahrt, begann schließlich zu später Stund unsere Zeit bei ESI. Nahezu aller Kräfte beraubt, dem Schlaf und Bett entgegenfiebernd, bezogen wir unsere Zimmer. Der erste Lichtblick an diesem Tag war die Nachricht, dass es zum Abendessen Spaghetti mit Tomaten Sauce geben wird. Maurice, der eigens für uns drei Mahlzeiten am Tag zubereitete, hat uns die gesamte Zeit delikat und meisterhaft versorgt. Mit einer kontinuierlich steigenden, gut wahrnehmbaren verbesserten Gemütslage eines jeden, gesellte sich auch noch Gitta, die auch unter ihrem Nickname „Giddi“ bekannt ist, zu uns. Während unseres weiteren Aufenthaltes sollte sie uns etappenweise begleiten.

Am nächsten Morgen, ausgeruht und für den Tag gewappnet, führte uns Basile über das ESI Gelände. Als erstes besuchten wir die Bibliothek, lernten den Bibliothekar kennen und stöberten eine Weile behutsam in seinem Heiligtum herum.
Danach gingen wir zu Auto & Metallwerkstatt, in denen wir jeweils eine Gruppe von Auszubildenden antrafen. Nach zwei kurzen Vorstellungsrunden setzten wir unseren Weg zum Verwaltungsgebäude fort. Hier lernten wir alle weiteren Mitarbeiter von ESI kennen, welche uns herzlichst empfingen.

Nach dieser Einführung machten wir uns auf den Weg, um den König von Dogbo zu besuchen. Freilich, einen König kannten wohl von uns bis dato nur die Wenigsten, erwartungsvoll ließen wir also das Treffen und die Konversation auf uns zukommen. Nach einem freudigem Empfang der spielenden Kinder des Dorfes, betraten wir den, ich nenne es hier mal, Aufenthaltsraum des Königs. Ein kleiner, in die Jahre gekommener Mann, empfing uns mit seinem, so hatte es zumindest den Anschein, Assistenten. Im Gespräch beantwortete er uns einige Fragen zu seinem Amt und der Region.
Abschließend kamen wir noch in den Genuss, einen self-made Schnaps verkosten zu dürfen. Wahrlich nicht begeistert, aber der Höflichkeit willens, nahmen wir alle einen, oder zumindest halben Schluck.

Nach diesem Treffen fuhren wir weiter zum Markt, welcher in einem 5 Tages Rhythmus stattfindet. Auf diesem suchten wir uns alle Stoffe aus, die wir bei einem Schneider zu Anfertigung unsere Wünsche in Auftrag gaben.
In den sich verlaufenen Abendstunden holten wir schlussendlich noch die extra für uns angefertigten, einheitlich und fröhlich bunten Outfits ab, welche wir bei allen kommenden Schul- und Grundsteinlegungen tragen würden.

 

 

Am kommendem Morgen begaben wir uns gleich nach dem Frühstück zu der ersten Grundschul-Eröffnung in Godohou. Am Nachmittag folgte darauf die erste Grundsteinlegung in Gbanave. Die Eröffnungen und Grundsteinlegungen hatten durchaus kleinere Unterschiede, doch im Grunde liefen all diese sehr ähnlich ab. Wir wurden durchweg freudig und herzlichst empfangen. Das Begrüßungsprogramm gestaltete sich aus traditionellen Tänzen, sowie einer musikalischen Einlage der Schüler und teilweise sogar Eltern. Ich spreche hier einstimmig für die Reisegruppe, wir waren jedes mal auf `s Neue tief beeindruckt, wie die Beniner die Musik und den Rhythmus verkörpern. Der darauf folgende Teil war mit Danksagungen und Ankündigungen von allerlei Anwesenden gefüllt. So stellten auch wir, besser gesagt zwei mutige Weitblickerinnen, uns vor der versammelten Menge vor. Nach den Reden folgte der erwartete Höhepunkt der Feierlichkeit, die Einweihung der Grundschule. Von Musik untermalt, betraten die Anwesenden hintereinander, nach dem symbolischem durchschneiden einer bunten Schleife, die neuen Klassenräume. Ein weiterer sehr schöner, wenn nicht sogar der schönster Teil, war der abschließende inoffizielle. Natürlich reichen unsere Tanzkünste nicht an die der beninischen Kinder heran, doch abhalten konnte uns das bei weitem nicht. So blieb die Zeit, zumindest empfand ich es so, für eine Halbstunde bei dem Tanz mit den Kindern nahezu stehen. Nass geschwitzt, und ein breites Lächeln auf dem Herzen, traten wir letztendlich unseren Heimweg an. Ein glücklicher Zufall führte uns noch an einer Quelle vorbei, in der wir etwas Abkühlung fanden. Nach dem Abendessen saßen wir mit Klaus und einigen anderen ESI Mitarbeitern zusammen im Innenhof, tranken Bier und plauderten noch bis tief in die Nacht.

Am nächsten Tag sind wir nach Abomey gefahren und haben dort die Königspaläste und ihre Geschichte kennengelernt. Uns hat die dort ausgestellte Kunst, sowie die Erzählung über die Rituale jener vergangenen Könige, aufmerksam und interessiert zuhören lassen. Nach der Rückkehr zum ESI Gelände, hatte Klaus in den Abendstunden den Aufbau einer riesigen Leinwand initiiert. Wir schauten einen Film über Thomas Sankara, der Burkina Faso in den 80er Jahren revolutionierte und das Land, sowie Teile Afrikas, nachhaltig prägte. Da diese Dokumentation kein glückliches Ende erzählen konnte, hörten wir, um die Stimmung wieder auf unser gewohnt glückliches Niveau zu kurbeln, Ausschnitte aus einem einst für Nelson Mandela gewidmetem Konzert. Nicht zu vergessen, dass wir dabei das ein oder andere Bier hatten und bis in die Nacht tanzten.

Die anschließenden zwei Tage beliefen sich auf ein lockeres Programm. Einen weiteren Einblick in das kulturelle Leben Dogbos, bekamen wir mit einer Führung durch ein nah gelegenes Dorf. Wir lernten etwas über die einheimische Nahrungsverarbeitung, die Herstellungsmethode des Schnapses, welcher Sodabi genannt wird, und über den Voodoo Glauben. Zu Veranschaulichung wurden uns Teile einer Zeremonie gezeigt, natürlich fehlte die Obligatorische Sodabi Verkostung dabei nicht. Sonst nahmen wir noch unsere in Auftrag gegebenen Kleidungstücke an uns, einige von uns spazierten ab und an in Dogbo herum, zudem besuchten wir wieder den Markt. Maurice versorgte uns weiterhin mit deliziösen Mahlzeiten, wir spielten Gesellschaftsspiele und saßen in den Abendstunden oft mit den ESI Mitarbeitern zusammen; lachten, unterhielten uns, und genossen einfach das Leben und die Atmosphäre.

Am 12. März stand die Zweite Schuleröffnung in Zaphi und eine weitere Grundsteinlegung in Fontisa an. Diese zwei Ereignisse waren so schön wie bereits beschreiben, jedoch hatten wir bei dieser Schuleröffnung leider nicht so viel Zeit mit den Kindern verbringen können. Der folgende Tag begann mit dem ESI Gespräch, welches reibungslos verlief. Besonders Jules, der erste Vorsitzende, zeigte sich, wie auch wir, überaus zufrieden mit der gesamten Lage. Der Nachmittag stand uns zu freien Verfügung, der letzte Abend, der uns noch bei ESI verblieb, sollte noch einmal ausgiebig gefeiert werden. Wir nutzten erstmals den sich in einem Container befindlichen Dancefloor, während sich einige ESI Leute uns anschlossen. So klang der Abend mit guter Laune und ermüdeten Tanzbeinen aus.

Nach dem letzten Morgen bei ESI fuhren wir zu Mensah. Mit ihm besichtigten wir ein halbes Dutzend Weitblick Schulen sowie Baustellen. Mensah ermöglichte uns sehr exklusive Einblicke in die Planung, den Bauprozess und die Umsetzung der Projekte. Doch nicht nur unsere Projekte bekamen wir zu sehen, er zeigte uns angelegte Schulgärten, den Bau einer Latrinengrube und ein weiteres Schulgebäude, welches von einer deutschen Partnerschule finanziert wurde.

Nach dem anschließenden Mittagessen mit Mensah fuhren wir weiter nach Grand Popo. Dort empfing uns eine wunderschönes Hotel, umgeben von einer traumhaften Fauna am Meer. Angenehmer Wind, weiches Gras zwischen den Füßen, sich leicht im Meereswind wiegende Palmen und ein abkühlender Pool – wir fühlten uns von Anfang an sehr wohl. Am nächsten Tag machten wir einen kurzen Ausflug zu der Grenze Togos, später wanderten wir mit Basile einen Fluss, welcher parallel zum Meer verlief, entlang. Den Abend ließen wir in einer Reggaebar ausklingen. Hier tranken und spielten wir etwas, einige von uns legten sich noch in Liegen und eine Hängematte. Wir schauten zu den Sternen und entspannten uns bei dem Rauschen des Meeres, welches gepaart mit der Reggaemusik eine wohlfühlsame Idylle schaffte.

Am nächsten Nachmittag verließen wir bereits Grand Popo und setzten unseren Weg nach Cotonou fort. Einen ersten Zwischenstopp legten wir an einem traditionellen Schlangentempel ein, einen weiteren an einem Denkmal welches den Opfern der Sklaverei gewidmet ist. Am Abschluss des Tages trafen wir noch Tami und einige ihrer Freunde in einem Eiskaffee. Abschließend sind wir am letzten gemeinsamen Morgen noch mit Klaus zu einem Termin in der Deutschen Botschaft gefahren. Für uns war es sehr interessant den Botschafter kennen zu lernen, was eine sehr interessante Erfahrung war, die wir der nächsten Reisegruppe nur weiterempfehlen können.

Anschließend hatten wir am Nachmittag noch ein Gespräch mit dem StartUp Valley der Universität Abomey-Calavi. Dort besprachen wir einige wichtige Eckpunkte des Kooperationsvertrags für unser Projekt von Weitblick Pus zur Start-Up-Förderung.
Nach erfolgreicher Beendigung dieses Treffens verabschiedeten wir uns noch von allen anwesenden ESI Mitarbeitern, außer von Charles und Basile. Mit ihnen verbrachten wir noch einen Abschiedsabend in einem Restaurant. Der Großteil der Gruppe sah die beiden zwar noch am nächsten Morgen, doch die erste Mitreisende musste uns schon an demselben Abend verlassen.

Es waren zwar nur 3 Woche, doch wir haben die beiden wirklich ins Herz geschlossen.
Wenn Ich mich erinnere, denke ich an zwei sehr liebenswürdig, zuvorkommende, lebensfrohe, lustige, und zudem wirklich niemals schlecht gelaunte, weit entfernte Freunde zurück. Über unsere Geschenke haben sie sich sehr gefreut, und Basile, der die Reisegruppen immer verabschieden musste, hielt es mit seiner Antwort auf unsere Traurigkeit, mit „This is Life“ vergleichsweise kurz.

 

 

 

 

 

 

 

Um hier mit einer Frage Abzuschließen – Doch hat er nicht Recht?

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