Die erste Woche in Benin

Nachdem wir nun schon seit einer knappen Woche hier im Benin sind, kommen wir nun endlich während unserer 12-stündigen Busfahrt von Cotonou nach Natitingou dazu, diesen Blogeintrag zu verfassen. Die ersten Tage waren aufregend, intensiv, denkwürdig – weshalb es schwer fallen wird, die Eindrücke gebührend in Worte zu fassen. Den Versuch werden wir dabei natürlich trotzdem nicht scheuen.

Am 25. sind wir gegen 22.15 Uhr in Cotonou gelandet, wo wir schon erwartet wurden. Sowohl Basile und Charles, die unsere Begleitung für die nächsten drei Wochen sein würden, als auch Gilles, der im WiSe 2017/2018 als Stipendiat in Münster war, nahmen uns wärmstens in Empfang. Apropos wärmstens – wie zu erwarten war, macht uns die Dauerhitze gesamtheitlich zu schaffen. Vor allem nachts, wo es deutlich weniger abkühlt, als erhofft, sorgen die hohen Temperaturen für unruhigen Schlaf. Aus diesem Grund kommt es uns allen sehr gelegen, dass Basile und Charles keine Frühaufsteher sind und wir, sofern möglich, nie vor 11 Uhr mit unserem Tagesprogramm beginnen. Dieses ist wahnsinnig abwechslungsreich und allumfassend, reicht es doch von Austauschtreffen mit unseren Kooperationspartnern vor Ort, bis hin zu Besichtigungen von nationalem Kulturerbe. Obwohl alles, was wir bisher erlebt haben, einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat und noch hinterlassen wird, haben wir bei unserem letzten Blitzlicht festgestellt (aufmerksame Weitblick-Kenner werden die Augen verdrehen – ja, auch im Benin darf die ein oder andere Blitzlichtrunde nicht fehlen), dass vor allem unser Treffen mit Mensah, dem Gründer unseres Partnervereins Sonafa, und unser Besuch in Ganvie besonders in unseren Gedächtnissen verankert geblieben sind.
Mit Mensah, der uns im Oktober 2018 in Münster besucht hatte und bei dieser Gelegenheit spannende Einblicke in die deutsche und die beninische Märchenkultur gewährte, trafen wir uns am 26.02. auf dem Gelände der Universität Abomey-Calavi. Während wir zusammen ein hervorragendes Mittagessen genossen, berichtete uns Mensah über die Fortschritte beim Bau der Schulen in Sinwe und Adanhondjigon , welche von Weitblick unterstützt werden. Während wir darüber sprachen, wie sich die Kosten der Schulbauten durch saisonbedingte Unterschiede in den Materialkosten stetig veränderten, teilte Mensah uns außerdem mit, dass er davon ausgehe, dass die Schulen bereits im Juni bezugsfertig seien dürften – an dieser Stelle wollen wir nochmal sagen: Hut ab und danke für die tolle Zusammenarbeit, Mensah und Sonafa!

Auch ließ Mensah uns an seinem umfassenden Wissen über die beninische Kultur und Politik teilhaben und gespannt lauschten wir, stellten Nachfragen und diskutierten. Besonders Mensahs Einschätzungen bezüglich des zukünftigen Weges der Universität Abomey-Calavi und dabei insbesondere des Germanistischen Instituts waren dabei sehr spannend für uns.

Am Folgetag, dem 27.02., besichtigten wir Ganvie, welches auch „das Venedig Benins“ genannt wird. In den Lagunen des ca. 5000ha großen Sees Nokoue, welcher nur ein paar wenige Kilometer nördlich von Cotonou gelegen ist, liegen insgesamt 42 Dörfer und Gemeinden verstreut, deren Häuser auf Stelzen stehend auf dem Wasser gebaut sind und deren Bewohner*innen mit Booten und kleinen Schiffen zwischen den unzähligen Kanälen und Gässchen hindurchnavigieren. Während wir mit unserem Boot durch das schwimmende Dorf fuhren, konnten wir interessante Eindrücke in das Leben seiner Bewohner*innen gewinnen. So berichtete uns unser Guide beispielsweise, dass Ganvie seit dem 17. Jh. existiere und sich in seiner Form seither kaum verändert habe. Ursprünglich zum Schutze vor rivalisierenden Stämmen und den kolonialisierenden Europäern erbaut, stellt diese einzigartige Wohnform noch heute den kulturellen und wirtschaftlichen Mittelpunkt vieler Menschen dar. Spielende Kinder, handelnde Fischer, drei Jungs, die ein Boot reparieren – alles findet auf dem Wasser statt, wie wir mit großen Augen feststellen konnten.

Leider hatte unser Ausflug nach Ganvie auch eine weniger schöne Seite. Ca. bei der Hälfte unserer Tour angekommen übergab sich eine*r unserer Mitreisenden herzhaft über Bord, was natürlich bei uns allen die Angst schürte, wir könnten uns in den wenigen Tagen seit unserer Ankunft mit einem Magen-Darm-Virus infiziert haben. Glücklicherweise geht es besagter Person und auch uns allen wieder richtig gut, insgesamt vertragen wir sowohl das Essen, als auch die Sonne wirklich besser als erwartet. Ersteres wird vor allem daran liegen, dass Charles, insbesondere aber Basile penibel darauf achtet, dass wir nicht zu viel von den einheimischen Lebensmitteln zu uns nehmen, um unsere Mägen nicht zu überfordern. Obwohl wir regelmäßig protestieren, haben wir uns dahingehend unserem Schicksal ergeben, sodass wir seit unserer Ankunft eigentlich ausschließlich Reis, Couscous, Alocó (frittierte Kochbananen) und ab und zu eine Portion Pommes zu uns nehmen. Nicht nur insgeheim, sondern ganz offen danken wir Basile jedoch dafür, dass er so auf uns Acht gibt. Die Busfahrt zum Beispiel, die wir gerade auf uns nehmen, wäre andernfalls sicherlich nicht zu ertragen.

Allgemein gesagt könnten wir uns mit Basile und Charles nicht besser verstehen! Viele ehemalige Beninreisende aus der Weitblick-Familie haben schon von den beiden geschwärmt und sie haben nicht zu viel versprochen! Jeder Tag mit den beiden bringt neue Erlebnisse, neuen Spaß und tolle Gespräche und wir alle sind überglücklich, im Beisein so wundervoller Menschen dieses atemberaubende Land kennenlernen zu dürfen.

In den nächsten Tagen werden wir uns auf eine Safari im Penjari-Nationalpark begeben, in Boukombe auf den Spuren der kolonialen Geschichte wandeln und mehr über die Kultur der im Norden Benins lebenden Batammariba lernen. Zwei Dinge können wir jetzt schon versprechen:
1. Wir werden weiterhin viel Spaß haben, spannende Erfahrungen machen und unzählige Erinnerungen sammeln.
2. Wir lassen wieder von uns hören.

Eure Benin-Reisegruppe

P.S.: Fotos laden wir hoch, wenn wir besseres Internet haben!

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