„Afrikanische Impressionen aus Benin“

Lies diesen Text bitte auf jeden Fall bis zum Ende.

Als wir in Afrika ankamen, waren wir erstmal geschockt. Es regnete! Damit hatten wir nicht gerechnet. Abgeholt wurden wir in einem sauberen intakten Bus unserer Partnerorganisation und fuhren erstmal in ein Restaurant. In unserer ersten Unterkunft, dem Gasthaus Hai Vive (wahrscheinlich das englische High Five, aber naja), schliefen wir nach Geschlechtern getrennt. Morgens beim Frühstück, das wir glücklicherweise wieder zusammen essen konnten, beobachteten wir einen coolen schwarz-gelben Gecko, der sich rhythmisch zu scheinbar in seinem Kopf laufender Technomusik bewegte (selbst den Tieren steckt die Musik anscheinend im Blut).

Doch die eigentlichen Highlights waren andere: das echte Afrika in Natitingou im Norden des Landes. Wir schliefen auf dem Dach des Hotels, das einem traditionellen einheimischen Haus nachgebildet war, unter dem wunderschönen Sternenhimmel – natürlich mit einer komplizierten Konstruktion aus Moskitonetzen, um uns nicht mit der tödlichen Tropenkrankheit Malaria zu infizieren. Davor hatten wir solche Angst, weshalb wir uns zu jeder Zeit mit Nobite einnebelten. Zum Glück begegneten uns in diesen Nächten unter freiem Sternenhimmel keine  wilden Tiere. Nachts brummte dafür dauerhaft ein Dieselgenerator, da mal wieder der Strom ausgefallen war. Natürlich ist das trotzdem ein Luxus, denn die anderen Menschen dort haben oft gar keinen Strom. In einer anderen Nacht fand eine mystische Trommelzeremonie statt, die die ganze Nacht andauerte. Mit Zeremonien machten wir auch noch andere Erfahrungen: in der ursprünglichen beninischen Dorfkultur hier im Norden gehört das einfach dazu. Auf ruckeligen, unbefestigten afrikanischen Straßen fuhren wir zum Beispiel zu einer Familie zum Töpfern. Trotz der durch die Verhältnisse vor Ort eingeschränkten Möglichkeiten, waren die Ergebnisse durchaus nicht schlecht. Die alte Frau, die komischerweise kein Französisch (die Amtssprache?!) sprach, war dennoch unglaublich herzlich. Ihre Tochter in unserem Alter zeigte uns stolz ihr kleines Kind. Bevor es losging, mussten wir jedoch einige Wörter in der einheimischen Sprache in den Vorraum des Hauses sprechen, der die Voodoo-Fetische der Familie enthielt. Eine seltsame Tradition.

An einem anderen Tag, zu Besuch beim König von Dogbo, dem Chef der Region unserer Partnerorganisation, begrüßten uns mit überschäumender Fröhlichkeit unzählige Kinder. Sie freuten sich offenbar sehr, einmal Weiße zu sehen. Wir konnten sprachlich wieder nicht mit ihnen kommunizieren, aber Moritz bastelte für sie einen Papierflieger, der aber leider fast sofort kaputt gemacht wurde. Auch die Schuleröffnung und Grundsteinlegungen waren intensive Erfahrungen. Nach einem eher steifen, offiziellen Teil entschieden sich die Kinder, uns alle anfassen zu wollen. Jede(r) mit zehn Kindern an beiden Arm standen wir auf dem Schulhof und konnten uns praktisch nicht mehr bewegen. Diese Lage endete erst, als wir fast fluchtartig ins Auto stiegen und, hupend, um die Kinder auf Abstand zu halten, vom Schulhof fuhren.

Insgesamt waren wir sehr glücklich, so viele authentische Erfahrungen zu machen. Jetzt kennen wir uns in Afrika richtig gut aus. Nach ein paar Wochen Wildnis, sind wir aber auch froh, wieder im zivilisierten Deutschland zu sein.

 

Ist dir bei diesem Text etwas aufgefallen? Hat dich die diskriminierende Darstellung Benins wütend gemacht? Oder erschien dir diese Darstellung normal?

Der Text enthält einige Passagen, die wir in Literatur und Erzählungen über Benin in ähnlicher Art gelesen haben. Wir haben diese hier zwar überspitzt, die Essenz ist aber vergleichbar. Unser Text versucht den Leser*innen zu zeigen, wie wichtig eine rassismusfreie, reflektierte und ausgewogene Berichterstattung ist.

Falls du unsere Erlebnisse in ernsthafter Form nachlesen willst, verweisen wir dich auf unsere anderen Blogeinträge.

Wenn du mehr über rassismusfreie Berichterstattung lesen möchtest:

https://www.glokal.org/wp-content/uploads/2011/05/BroschuereReiseberichteundRassismus.pdf

Wenn du mehr über die Folgen von Rassismus lesen möchtest, findest du hier einen spannenden Artikel:

https://aware-magazin.ch/2013/06/rassismus-und-seine-folgen/

Eintrag auf Facebook teilen
Eintrag auf Twitter teilen

Kommentieren