Fortsetzung folgt… P‘Chum Ban

Und es sind schon wieder drei Wochen seit dem letzten Eintrag vergangen, die Zeit vergeht einfach wie im Flug!
Die letzten zwei Wochen standen ganz im Zeichen des P‘Chum Ban- Festes. Bei diesem Fest wird den Verstorbenen gedacht. Nach dem hier vorrangig herrschenden Glauben werden die Menschen nach ihrem Tod zu Geistern. In diesen zwei Wochen nun sind sie am aktivsten und das Tor zur Hölle steht weit offen. Um genügend Kraft für das Leben als Geist und für den Widerstand gegen die Hölle zu haben, brauchen die Geister Nahrung. Und darum geht es bei diesem Fest: die Geister füttern! Die Khmer, und wir mit ihnen, sind somit morgens um vier Uhr zur Pagode gegangen. Wir wurden von unseren Schülern eingeladen, die Vorbereitungen mit ihnen zu treffen. Wir sind also früh morgens aufgestanden, noch vor der Dämmerung und haben uns auf den Weg gemacht. Wir sind an den beiden Tagen zu zwei verschiedenen buddhistischen Tempeln gegangen, die sich beide in der Nähe unserer Schule und Unterkunft befinden. Der Weg zu den jeweiligen Tempeln dauert nur ca. 15 min, also nicht besonders lang, doch der Weg dorthin hat sich etwas schwieriger gestaltet, als angenommen. In aller Finsternis sind wir also, gewappnet mit unseren Taschenlampen, losgegangen, ohne sich der vielen Hunde bewusst zu sein, die nicht zu schlafen schienen. An jedem Haus, an dem wir vorbeigelaufen sind, wurden wir von Hundegebelle und –geknurre begeleitet. Gerade im Dunkeln war das durchaus eine nervenaufreibende Angelegenheit. Im Tempel endlich angekommen, wurden wir teils munter von unseren Schülern, von denen auch einige anwesend waren, begrüsst, teils vor allem von den älteren Leuten, die nicht besonders oft Ausländer zu Gesicht bekommen, angestarrt und angelächelt. Zunächst haben wir gemeinsam Bällchen aus Reis geformt und diese dann mit Blumen und anderen Utensilien schön verziert. Anschliessend haben wir an einem kurzen Gebet teilgenommen. Das Gebet findet mit zusammengezogenen Beinen auf dem Boden statt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, die sich aus den dreimaligen Verbeugungen in Richtung Buddha oder Mönche, ergaben, konnten wir gespannt an dem Gebet teilnehmen. Nach einem Gebet ging es dann mit dem Reis und Räucherstäbchen gewappnet los zum „rice throwing“. Wir umrunden zweimal die Pagode und „werfen“ dabei die Reisbälle in dafür vorgesehene Schalen. Danach wird wieder gebetet.
Dieser Tradition haben wir zweimal morgens beigewohnt, Möglichkeiten dazu gibt es aber den ganzen Tag über!
Zum Ende der ersten Woche änderte sich der Ablauf dann. Diesmal wird zusammen mit der Familie richtig gekocht, es gibt Fleisch, Früchte, Süsses und natürlich Reis. Dank einer Einladung einer unserer Schülerin (Srey Nat) konnten wir an einer derartigen Festlichkeit teilnehmen. Das Fest ist eine gute Gelgenheit für die Khmer mit ihrer Verwandtschaft, die sich nicht in ihrer Nähe befindet, zusammenzukommen. Wir konnten Srey Nats Tante kennenlernen, die extra aus Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas, angereist war. Da ihre Mutter aus einem familiären Notfall nicht mehr da war, kochte die Tante und wir schauten zu. Es gab „chicken“, und zwar wirklich „chicken“ inklusive Knochen, Füssen und Eingeweide. Ein Festschmaus;)

Das gekochte Essen wird in der Pagode in unterschiedliche Schalen getan, eine Schale ist auch für die Bedürftigen des Dorfes. Als erstes dürfen dann die Mönche essen, danach wird der Rest gemeinsam mit allen Anwesenden gegessen. Auch hierbei geht es um das Gedenken an die Verstorbenen und Geister.
Für uns war es sehr interessant, an solchen Feierlichkeiten teilhaben zu können. Es ist ja doch ein sehr andere Religion und Tradition! Sehr schön waren auch alle Menschen anzusehen, wenn sie sich schick gemacht hatten. Die Männer trugen meist eine dunkele Hose und ein weisses Hemd, die Frauen jedoch trugen weisse, glänzend verzierte Oberteile und traditionelle Röcke. An solchen Tagen lernt man viel über die Kultur und kann richtig in das Leben der Khmer eintauchen. Ein Glück, dass wir in dieser Zeit hier sind.

Ein weiteres Highlight der letzten Woche war die Eröffnung der Bücherei! Nach Sortierung und Kennzeichnung der vorhandenen Bücher ging es um den Transport des Schrankes vom Computerraum in einen der drei Klassenräume. Mindestens acht starke Schüler haben den doch sehr schweren Schrank unter schwierigen Umständen getragen. Der Boden war nach einem Regenguss matschig und auch die FlipFlops mussten bei Eintritt in den Klassenraum wieder ausgezogen werden. Es war wirklich beeindruckend, wie die Schüler es geschafft haben, mit dem Schrank auf dem Arm dennoch die FlipFlops auf der Stufe stehen zu lassen
Aber es hat sich gelohnt! An mehren Stunden pro Tag besteht die Möglichkeit, sich in den Klassenraum zu setzen und zu lesen. Die etwas älteren Schüler dürfen sich auch Bücher ausleihen. Bisher wird das Angebot recht gut angenommen, die ganz Kleinen kommen immer nach ihrer Unterrichtstunde und schauen sich die Kinderbücher an. Es ist total süss, wie sie sich auf die Bücher stürzen, zusammen lesen und dabei brabbeln ohne Ende. Nicht zu vergleichen mit den „Psssts..“, die man in deutschen Bibliotheken zu hören bekommt!

Die Kinder beim Lesentraditionelle Frauenkleidung

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