Angkor, 42°C und ein bisschen Monsun

KlassenfotoIm April, in Kambodscha der heißeste Monat des Jahres, durfte ich gleich zweimal das riesengroße Wunder Angkor Wat bestaunen. Erst zusammen mit 15 Schülern, 2 weiteren Voluntären und einem Lehrer (Vibol), später noch einmal mit meiner Mutter und einer Freundin, die zu Besuch hier waren ( und zurück in Deutschland an schrecklicher Kambodscha-Sehnsucht leiden) .

Die Klassenfahrt wurde von Sorya ermöglicht, als Möglichkeit für die Schüler (alle zwischen 17 und 20), das weltberühmte Wahrzeichen ihres Heimatlandes zu Augen zu bekommen. Und die Weltberühmtheit hat sich Angkor tatsächlich verdient: Ein riesiges dschungelartiges Gelände voller verborgener Schätze; jahrtausende alte Tempel und Städte zwischen (ebenso alten) von Menschenhand angelegten Seen und steinverschlingenden Bäumen. Wir hatten drei Tage in der Tempelanlage selbst, außerdem noch einen Tag in Siem Reap, der nächsten Stadt (voller Touristen) und jeden Abend fielen alle von uns überwältigt und hundemüde ins Bett.  Highlights waren auf jeden Fall der berühmteste Tempel Angkot Wat, außerdem Ta Prohm (in dem Angelina Jolie als Lara Croft herumklettert, weshalb  er auch als der Tomb Raider Tempel angepriesen wird) und das Burger-Essen im Lucky Burger. Von allen 15 Schülern hatte bisher nur ein Mädchen zuvor schon einmal in einen Burger gebissen, und die Reaktionen der restlichen 14 waren unterschiedlich, aber sehr witzig. Die einen bissen einmal hinein, verzogen das Gesicht und waren „satt“, andere zückten ihre Handys und machten Beweisfotos für alle Neugierigen daheim und wieder andere fingen an, den Burger von oben nach unten „abzudecken“ und eine Schicht nach der anderen zu essen. Ein paar waren aber auch auf die Idee gekommen, uns beim Essen zu beobachten, und innerhalb von einer Minute war ihr „Lucky Menu“ vernichtet. Alles in allem fuhren die Schüler glücklich (weil sie schon an Heimweh litten), verwirrt ( Siem Reap wimmelt nur so von Touristen, nie zuvor hatten die Schüler so viele Weiße auf einem Fleck gesehen) und stolz ( sie hatten Angkor gesehen, Burger gegessen, Fotos gemacht und kehrten garantiert als Helden heim) nach Hause zurück.

In der Zeit danach wurde es immer heißer, morgens um elf hatten wir zwischendurch 42 Grad und man konnte eigentlich nur stumpf herumsitzen und faul auf den Nachmittag und die damit verbundene Abkühlung (nur noch 30 Grad) warten. Zum Glück fällt in diese unglaublich heiße Zeit das Khmer New Year, wir hatten Ferien und wurden nur abends genötigt, mit unseren Nachbarn das starke kambodschanische Bier zu trinken und Runde um Runde um einen Tisch zu tanzen.

Jetzt – endlich- regnet es ungefähr jeden zweiten Tag. Es sind zwar noch nicht die wirklich heftigen Regengüsse, aber das Land wird schon grüner und die Temperaturen sind erträglich. Die Schüler kommen nach wie vor lachend und wissbegierig in ihren Freistunden zu uns geradelt, meine jüngsten machen echte Fortschritte: Wenn ich jetzt durchs Dorf laufe und sie mich sehen, schreien sie nicht mehr nur „Helloooo“, sondern auch „How are you“,“Where are you going“  und  „What’s your name“ (und das jeden Tag zehnmal). Nach den Stunden kommen Einzelne zu mir und bestürmen mich mit Fragen oder wollen sich bedanken, und als ich die letzten drei Tage krank im Bett lag und nicht unterrichten konnte, waren alle ziemlich enttäuscht, nach Hause fahren zu müssen. Zwischendurch bin ich aufgewacht, ich hatte etwas Fieber, und da hab ich plötzlich gemerkt, dass eine ganz kleine Hand meine Hand hielt. Woudkyen, eine kleine dicke Schülerin von mir, saß an meinem Bettrand und streichelte meine Hand und wartete darauf, dass ich wieder gesund würde. Das bin ich jetzt zum Glück wieder, und wenn die Kinder in etwa einer Stunde hier eintreffen, muss ich sie nicht nach Hause schicken. 🙂Schüleransturm

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