Eine vielfache Belastung – Frauen im Benin

‚Gibt es Polygamie in Deutschland?‘ fragt mich Claudine eines Nachmittags in Dogbo. Es ist unsere erste richtige Unterhaltung und ich bin überrascht von ihrer Offenheit. Aber so kann ich ein paar von den vielen Fragen stellen, die mir seit ein paar Tagen durch den Kopf gehen. Wie viele Frauen haben die Männer hier im Durchschnitt? Wie viele Kinder? Verstehen sich die Frauen untereinander? Wie ist die Beziehung zum Mann? Was passiert wenn eine Frau mit einem anderen Mann zusammen ist?

Im Durchschnitt haben die Männer im Benin drei bis fünf Ehefrauen. Manche haben aber auch zehn Frauen, sagt man mir. Die Beziehung unter den Ehefrauen ist oft entweder extrem gut oder extrem schlecht. Man verbündet sich gegen den Feind oder man hasst die Rivalin. Gerade wenn die neue Frau extrem viel jünger ist als die ältere Frau kommt es oft zu viel Eifersucht. Eine Frau mit mehreren Männern ist dafür undenkbar. Diese Frauen werden verstoßen und zu ihren Eltern zurück geschickt.

Die meisten Familien im Benin leben in kleinen Häusern, die um einen kleinen Hof angeordnet sind. Oft besteht ein Haus nur aus einem Zimmer. Der Mann hat sein eigenes Haus in dem er unter Umständen mit seinen Brüdern wohnt. Auf die anderen Häuser verteilt leben die Frauen, die Kinder und oft die Eltern des Mannes. Wohlhabendere Männer haben genügend Häuser für alle Frauen; in anderen Familien schlafen die Frauen draußen vor dem Haus auf Strohmatten.

Auch das öffentliche Leben ist getrennt. Selten sieht man Frauen und Männer an einem Tisch sitzen. In den Wohnzimmern und Kneipen versammeln sich die Männer zum trinken und Fernsehen schauen; Frauen sind dabei nicht erwünscht.

Viele der Frauen sind nie zur Schule gegangen und so ist ihre Bildung noch schlechter als die der Männer. Sie müssen kochen, waschen und putzen, denn die Gesellschaft sieht vor, dass dies ausschließlich Frauenarbeit ist. Gleichzeitig arbeiten viele auf den Feldern und auf dem Markt um Geld zu verdienen, da das Einkommen des Mannes oft nicht reicht um die gesamte Familie zu ernähren. Zu Hause gebären und erziehen die Frauen ihre und die anderen Kinder ihres Mannes. Eine vielfache Belastung.

Claudine ist wütend als wir über Polygamie sprechen. Sie sagt, dass die Beziehung zu ihrem Mann nicht besonders gut ist. Wie soll sie auch, wenn er dauernd mit anderen Frauen zusammen ist. Sie sieht ihn fünf Minuten pro Tag. Den Rest der Zeit ist er bei der Arbeit oder trinkt mit seinen Freunden Bier und selbstgebrannten Schnaps. Sie weiß, dass das Leben nicht so hart sein muss. Sie wünscht sich eine bessere Zukunft für ihre Kinder. Ein paar Mal fragt sie mich ob ich ihre Kinder nicht mit nach Deutschland nehmen will.

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