Lieblingsmomente in Tropang Sdock

„Teacher, did you come to Cambodia by bike? “

16 Uhr in Tropang Trea. Up and Away Class. Die Trockenzeit macht sich bemerkbar, es sind gefühlte 40 Grad und man sieht den Schweiß auf den Gesichtern mancher Schüler herunterperlen. Verständlich, dass es interessanter ist mich auszufragen als zu lernen. Obwohl das im Normalfall auch mit hoher Motivation und Disziplin passiert. So nicht heute.

Ich muss ein bisschen lächeln. Für mich ist es natürlich klar, dass man die Strecke von Deutschland nach Kambodscha nur schwer mit dem Fahrrad bewältigen kann. Aber wie erkläre ich Schülern, die teilweise noch nie in einem anderen Land waren, wie weit Deutschland eigentlich weg ist? Kungkea, eine kambodschanische Lehrerin mit der ich zusammen unterrichte, muss sich auch das Lachen verkneifen und wir versuchen dann zusammen zu erklären wie groß die Welt dann doch ist.

Diese Momente sind solche, in denen mir bewusst wird, wie weit ich eigentlich von zuhause weg bin und wie anders Kinder und Jugendliche hier aufwachsen. Denn es gibt auch sehr viel mehr Momente in denen mir auffällt wie ähnlich wir uns eigentlich alle sind. Und das ist auch schön zu sehen.

Mittlerweile bin ich schon 7 Wochen hier und fühle mich pudelwohl. Das liegt vor allem an einer alltäglichen riesigen Ansammlung von „Lieblingsmomenten“, wie ich sie mittlerweile gerne nenne.

Lieblingsmoment 1 ist bereits das Aufwachen zum Geschnatter und Kikeriki der Nachbarshähne und –enten. Ein Moment der mich täglich daran erinnert, dass ich mich in einem kleinen Dorf in Kambodscha befinde. Danach folgt bereits der nächste: der Sprint zum Baguettemann ( siehe Heikos Bericht 😉 ) der mich jeden Tag aufs Neue freundlich grüßt und anlächelt obwohl ich noch total verschlafen bin. Dann geht’s mit dem frisch erstandenen Baguette wieder nach oben und ich genieße ein leckeres Frühstück auf der Dachterasse während die Sonne langsam aufgeht und den Himmel im schönsten rotorange färbt. Nachdem ich den Unterricht für den heutigen Tag ein bisschen vorbereitet habe, gehen Gabi (eine pensionierte Lehrerin die seit 12 Jahren hier die Hälfte ihres Jahres verbringt) und ich einkaufen. Auf dem staubigen Weg zum kleinen Laden kommen uns einige Menschen, meist ältere Frauen und Kinder entgegen, lächeln unfassbar herzlich und grüßen freundlich. Manchmal ergibt sich auch noch ein kurzer Smalltalk.

Im „Laden“ am Ende der Straße werden wir auch wieder freundlich gegrüßt  und schauen dann welches Gemüse heute am frischsten und leckersten aussieht. Nach einer kurzen Besprechung haben wir uns heute für Tomaten denn wir haben gestern Abend von Mister Ban, dem Hausmeister, frisches Morning Glory von seinem Feld direkt neben der Schule bekommen und das muss natürlich verzehrt werden. Außerdem landet noch Kaffee (Instant Kaffee mit einer Menge Zucker aber suuuuperlecker!) und Num (eine Art Muffin) in meiner Einkaufstasche. Während ich bezahle, turnen die kleinen Babykatzen der Ladenbesitzerin um meine Füße herum. Nach einer kleinen Streicheleinheit machen wir uns dann auf den Rückweg.

Nachdem ich den Unterricht für meine Reading Class um 11 Uhr vorbereitet und die Wäsche  (mit den Händen) gewaschen habe, nutze ich noch meine freie Zeit und esse eine Mango, die mir quasi vor die Füße gefallen ist als ich meine Wäsche aufgehangen habe – es ist Mangozeit-  und lege mich mit einem guten Buch in die Hängematte. Lieblingsmoment Nummer 3.

Lieblingsmoment Nummer 4 folgt gleich darauf. Mit einem Glas Wasser setze ich mich auf die Bank unter dem Mangobaum und sehe wie nach und nach die Schüler aus ihren Public Schools eintrudeln. Manche zu Fuß, manche mit dem Fahrrad und wiederum andere mit dem Moto. Aber alle tragen ihre Schuluniform: weiße Bluse und schwarze Hose/schwarzer Rock. Als meine Mädels (alle zwischen 15 und 17 Jahren) eintreffen, blödeln wir noch ein bisschen rum bevor wir uns dann auf den Weg in den Klassenraum machen. Ich nenne sie gerne meine Mädels weil das Geschlechterverhältnis ungefähr 10 zu 1 ist. Alle sind superlieb und auch über den Unterricht hinaus machen wir noch ganz viel zusammen. Sei es gemeinsam kochen, in den nahegelegenen Zoo fahren oder einen gemeinsamen Nachmittag auf der Dachterasse verbringen, mit Ihnen ist Spaß wie auch Chaos vorprogrammiert.

Im Unterricht sind alle aber ganz fleissig, motiviert und interessiert daran ihr Englisch zu verbessern. So machts Spaß! Einfach eine tolle Atmosphäre.

Danach knurrt der Magen. Unterrichten ist anstrengend! Also wird das frisch gekaufte Gemüse zu einem leckeren Essen verarbeitet und zusammen mit Reis serviert. Prinzipiell hat man immer die Wahl zwischen Nudelsuppe und Reis. Man gewöhnt sich aber dran und wenn ich am Wochenende unterwegs bin und auch mal was anderes esse vermisse ich den Reis auch manchmal schon. In Begleitung der singenden Vögel genießen wirdann das Essen auf der Dachterasse. Danach geht’s wieder mit  Kaffee und einem guten Buch in die Hängematte. Lieblingsmoment Nummer 5.

So langsam kommt dann die Energie zurück und ich mache mich fertig. Um halb drei werde ich nämlich von Kungkea, meinem Co-Teacher, abgeholt um zusammen auf dem Moto zur zweiten Schule in Tropang Trea zu fahren. Bevor es losgeht muss aber noch ungefähr 15 spielenden Kindern ein Highfive gegeben werden. Und dann geht’s los – auch während wir durchs Dorf fahren schreien die Kinder laut Hello und winken wenn wir vorbei fahren.  Wir fahren durch Reisfelder auf denen die Kühe grasen und durch Dörfer mit schönen Holzhäusern im Khmer-Stil. Abgesehen von dem Durchgeschüttel aufgrund der unbefestigten Straße,  ist das mein Lieblingsmoment Nummer 6.

Angekommen in Tropang Trea, was wesentlich weniger dörflich ist, dadurch dass es an der Nationalstraße liegt, haben Kungkea noch ein bisschen Zeit und bereiten zusammen den Unterricht vor. Heute steht will-future an. Wir haben uns mittlerweile aber schon so gut eingespielt dass das ganz schnell geht und wir noch Zeit haben um rumzublödeln und einfach Spaß zu haben (Lieblingsmoment Nummer 7).Irgendwann stößt auch noch Kunthea dazu und zu dritt warten wir dann auf den Beginn des Unterrichts.

Auch bei den nächsten zwei Klassen macht das Unterrichten Spaß. Auch wenn ich manchmal merke, dass ich zu schnell bin, den Schülern zu viel auf einmal zumute. Da ich erst vor knapp einem Jahr mein Abitur gemacht habe und somit ganz frisch aus dem alltäglichen G8 Druck komme, ist es für mich  normal unter Stress zu arbeiten. Dass das hier nicht so ist und den Schülern so viel Zeit gelassen wird wie sie brauchen war für mich eine schöne Erkenntnis. Es gibt also auch Dinge die man über sich selbst lernt und an denen man arbeiten muss ;).

Nach dem Unterricht geht’s dann wieder den gleichen Weg nach Hause. Nur diesmal im glutroten Sonnenuntergang. Ich denke ihr wisst schon: Lieblingsmoment Nummer 8. Auf dem Moto tauschen Kungkea und ich uns noch über den gemeinsamen Tag und Unterricht aus. In Tropang Sdock angekommen trennen sich dann unsere Wege: sie, die direkt neben der Schule wohnt, geht nach Hause und ich in die zweite Etage der Schule. Meinem Zuhause für die Zeit die ich hier bin. Zum Abendessen gibt’s das gleiche wie mittags und nach dem Abwasch falle ich müde ins Bett. Ein wiedermal sehr gelungener Tag geht zu Ende.

Und jeder Abend bringt den gleichen Gedanken: danke Weitblick, danke Sorya dass ich 3 Monate an so einem magischen Ort verbringen darf.

Reatrei suostei! Good night!

 

Begrüßung und Verabschiedung auf Khmer

Zooausflug am Wochende

„Gartenparty“ der Schüler

Oh wie schön ist Tropang Sdock…

Sonnenuntergang auf dem Heimweg

 

Aufmerksamkeit im Unterricht

Reis, Reis everyday… Heute dazu: frischer Morning Glory aus dem Feld nebenan. Mmmmhhhh….

 

 

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