Die letzten Tage sind angebrochen…

So, die letzte Woche auf dem Bau hat begonnen und ein Update über den aktuellen Stand der Dinge wird fällig. Langsam aber sicher nehmen unsere Räume Gestalt an. Die Küche hat ein Dach und bedarf nur noch eines Anstrichs, während die anderen Räume mittlerweile fertig gemauert sind und die ersten Fenster drin, die ersten Mauern verputzt und die erste Hälfte des Daches verlegt ist. Wir haben das Gefühl, dass sich so langsam alles zusammenfügt. Besonders spannend war die Entstehung des Dachgiebels ganz nach kenianischer Art. Um auf die Höhe zu kommen, bauen wir ein dreistöckiges Gerüst, das uns nicht wirklich geheuer ist. Von einer Ebene zur nächsten hieven wir Stein um Stein und Mörtel um Mörtel, sodass der Giebel langsam aber sicher wächst.

Am Dienstag machen wir uns mit den Bauarbeiterjungs nach der Arbeit direkt auf zum Palmwein trinken. Umringt von Kindern schaffen wir es bis zu einem kleinen Lehmhäusschen im Busch. Steven, der Barbesitzer, organisiert direkt genügend Plastikstühle, damit alle um den Tisch, ein schmales Holzbrett mit zwei Beinen, passen. Als die ersten Pamlweinflaschen (entstanden aus der Palme neben uns) auf den Tisch kommen, steigt uns ein strenger Geruch in die Nasen. Die Ähnlichkeit zu faulen Eiern ist nicht abzustreiten. Durch jedes weiter Glas nimmt unsere Abneigung jedoch ab und am Ende wird viel gemeinsam gelacht und getanzt.

Die Woche ist voll und am nächsten Abend, es ist zudem Irenes Geburtstag, laden wir sie, Fathija, Fatma, Marian und Bernd auf ein Essen im Moorings, einem schwimmenden Restaurant, ein. Es herrscht eine schöne Atmosphäre, die von den Lichtern und dem Ambiente auf dem Boot nur noch unterstrichen wird. Voll gegessen und glücklich fallen wir abends alle ins Bett.

Im Gegenzug lädt uns Merian für den nächsten Abend zu sich nach Hause ein. Der Weg ist nicht weit, da sie unsere Nachbarin ist. Sie verwöhnt uns mit typisch kenianischen Köstlichkeiten, wie chapati mit leckerem Gemüse, frischem Fisch und besonders der Orangensaft aus eigenem Anbau war ein Träumchen. Fathija unterhält uns auf ihre witzige Art mit der ein oder anderen Anekdote und wir freuen uns sehr darüber nochmal einen persönlicheren Einblick in ihr Leben bekommen zu haben.

Wir fühlen uns wie Teilnehmer beim Perfekten Dinner, da wir am nächsten Abend bei Bernd auf seine berühmt berüchtigte Tomatensuppe eingeladen sind. Nach dem Bau springen wir wie üblich in den Pool und machen es uns dann an einem großen Tisch mit einem dampfenden Teller Suppe bequem. Der von uns ernannte Sternekoch Bernd übertrifft unsere Erwartungen und von der cremig pikanten Tomatensuppe können wir nicht genug bekommen. Im Gegensatz zu uns, ist Irene anscheinend nicht so begeistert. Bernd erzählt uns, dass sie die Konsistenz von Suppen immer noch ungewohnt findet, da man diese Art von Gericht in der kenianischen Küche vergeblich sucht.

Am Freitag ist dann endlich das ersehnte Finale des Fußballturniers der Schulen, für das sich sowohl die Mädchen, als auch die Jungs qualifizieren konnten. Nach dem Bau machen wir uns umringt von mittlerweile liebgewonnenen Kindern auf den Weg durchs Dorf im Busch zum Fußballfeld. Uns erwartet eine Party. Große Boxen aus denen laute Musik schallt und sogar ein Kommentator begleitet lautstark das Spiel auf Kisuaheli. Unsere beiden Schulmannschaften schlagen sich tapfer, verlieren jedoch beide Finalspiele schweren Herzens. Besonders die Mädchen kämpfen mit der Niederlage und einige sind so aufgelöst, dass sie vom Platz getragen werden müssen. Jedoch ist die Fairness der Spiele anzuzweifeln, da augenscheinlich die gegnerischen Teams deutlich älter und körperlich überlegen zu sein scheinen. Nach kurzer Trauerzeit, kann aber auch der zweite Platz und die gute spielerische Leistung ausgiebig gefeiert werden und gemeinsam mit den Kindern tanzen wir alle durch den Sand.

Am gleichen Tag hatten wir vormittags die Chance einen Blick in den Unterricht zu werfen. Es war eine spannende Erfahrung für uns zu sehen wie die Unterrichtspraxis hier vor Ort ist. Anscheinend läuft eine Unterrichtsstunde sehr ähnlich ab: Lehrervortrag, bei denen die Schülerinnen und Schüler ganze Phrasen gemeinsam laut nachsprechen, Entstehung eines Tafelbildes und das anschließende Abschreiben. Nach einer verkürzten Phase dieses Modells erklärt uns die Lehrerin einige Gepflogenheiten der kenianischen Kultur. Sogar traditionelle Lieder wurden uns vorgeführt. Im Anschluss scharren sich alle Schülerinnen und Schüler um uns und stellen uns Fragen über die deutsche Kultur. Uns wird bewusst, dass Tradition in Kenia besonders in der Erziehung groß geschrieben wird.

Am Samstagmorgen ging es für uns auf die langersehnte Safari. Mit zwei Matatus machen wir uns auf in den Tsvao East Nationalpark. Auf der Fahrt blicken wir aus dem Fenster, die Morgensonne strahlt uns in Gesicht und der Wind weht uns durch die Haare. Mit guter Laune und voller Vorfreude geht’s auf in die Wildness. Auch ohne den typischen Safarihut ist es ein unvergessliches Erlebnis. Wir entdecken Zebras, Gazellen, Digdigs, Giraffen, Löwen, viele Elefanten und sogar mehrere Löwen. Und nicht nur die Tiere faszinieren uns, auch die Landschaft ist besonders in der Abendstimmung atemberaubend. Was kann es schöneres geben, als die weite Savanne mit den Bergen im Hintergrund und einen Babyelefanten nur wenige Meter entfernt.

 

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