Ein ganz normaler Tag.

Morgens 5:30 in Tropang Sdock, Rovieng Kommune, Takeo Provinz, Kambodscha: Ich bin hellwach. Das könnte an den sekündlichen Kikeriki Rufen liegen (jede Familie hier hat jede Menge Tiere), dem lauten und mitleidserregenden Quieken des Nachbarschweines, an zu laut eingestellten Lautsprecher aus der Ferne aus denen ein schlecht eingestellter Radiosender zu dröhnen scheint oder den Sonnenstrahlen, die mein Zimmer schon gefüllt und aufgewärmt haben. All das hätte jedenfalls das Potential mich aus dem Schlaf zu reißen. Hätte. Denn gestern bin ich um schon 21 Uhr eingeschlafen und so genieße ich wieder mal das Gefühl ausgeschlafen zu haben und dennoch ganz früh in den Tag zu starten. Und der begrüßt mich durchs Fenster wieder einmal mit einem malerischen Sonnenaufgangspanorama. Roter Himmel vor Palmsilhouetten. Zu schön, um aufzustehen, denke ich kurz und will nach meinem Handy greifen. WhatsApp, facebook und co gibt’s hier natürlich genauso. Aber dann erinner ich mich wieder an eins meiner Vorhaben für die Zeit hier: Morgens ohne Handy starten. Also raus aus dem Moskitonetz und runter ins Badezimmer, das quasi als Zwischenetage auf halber Treppenhöhe auf dem Weg nach unten ist. Mein Zimmer ist im ersten Stock des Schulgebäudes, wo auch der Aufenthaltsbereich für die Freiwilligen ist. Das bin seit Oktober nicht nur ich, sondern auch die 73- jährige Rentnerin Gabi und die 26-jährige andere Weitblickerin Karo. Aber später mehr. Jetzt wartet erst einmal die tägliche kalte Dusche auf mich, mit der ich ehrlich gesagt einfach immer noch nicht so richtig warm werde. Aber warm werden ist hier zum Glück nicht so das Problem, obwohl die Trockenzeit und wärmste Zeit des Jahres genau ein halbes Jahr, also maximal weit weg ist – 27 Grad sind es als ich zurückkomme. Gabi ist schon länger wach und fegt gerade „um wach zu werden“ die unzähligen Insekten zusammen, die sich am Vorabend auf dem Boden unter der Lampe gesammelt haben. Sie verbringt mittlerweile fast die Hälfte ihrer Zeit hier in der kambodschanischen Schule, fühlt sich augenscheinlich pudelwohl, unterrichtet fleißig und begeistert die Schüler und manchmal auch die Lehrer und versteckt gekonnt ihr Alter in ihrem Reisepass.

„Lö bahn lö bahn, lö bahn lö bahn, bangbayon“ klingt es plötzlich melodisch von der Straße hoch. Das heißt so viel wie „Klingelingeling, hier kommt der Baguette-Mann“. Ich schnappe mein Portemonnaie und eile die Treppe runter und sehe den Mopedfahrer mit seinem Megafon vorne und dem großen Korb voller Baguette hinten drauf gerade auf Höhe der Schule vorbeifahren. Ich winke und rufe noch, aber der Blick nur nach vorne gerichtet, verrät: Knapp verpasst. Aber kein Problem, denn das Dorf ist eine Sackgasse und gleich wird er wieder kommen. Das Baguette ist eines der offensichtlichsten Zeichen dafür, welches Land früher Kambodscha als Kolonie beherrschte und weit in seiner Entwicklung zurückgeworfen hat. Ein anderes, dass die Bezeichnung für Ausländer, also Leute wie mich, gleichbedeutend mit dem Wort für Franzosen ist: Barang. Ich bin jetzt also quasi ein Franzose. Mit dem Baguette, geschmiert mit dem letzten Rest Erdnussbutter, das noch aus Deutschland da ist und frischen Bananen, geht es hoch zu meinem Lieblingsort in Tropang Sdock: Der zweite Stock der Schule, die Dachterrasse. Von dort hat man einen wunderschönen Blick über das Dorf und gleichzeitig über ein grünes Meer aus Baumgipfeln. Durch die Terrasse weht ein erfrischender Wind, der die Hitze angenehm werden lässt und dazu gibt’s noch mehrere einladende Hängematten. In eine setze ich mich mit der ZEIT als E-Paper und lese wieder mal was über Jamaika (nicht im Reiseteil).

Später kommt Gabi dazu (und isst wie die meisten Khmer auch schon morgens Reis, Teil 1 von 3). Sie gewährt mir spannende Einblicke in die fortschreitende Entwicklung des Dorfes und des Projektes, die offenbar – was für das Projekt spricht – ziemlich zusammenhängt. Was ich auch erfahre: Die Situation als Freiwilliger ist heute viel einfacher und ich habe Glück mit dem hohen Standard mittlerweile. Ein Beispiel: Seit 4 Jahren gibt es hier erst Strom. Was ich auch freudig aufnehme (denn das ist der Schwerpunkt unserer Unterstützung): Die Freiwilligen sind für das Projekt immer wieder ein enormer Gewinn. Hoffentlich auch wir drei…

Unten kommen die ersten Kinder an, die zum Kindergarten wollen, der (theoretisch) von 8 bis 11 Uhr morgens angeboten wird. Gleich kommen auch die ersten Lehrer, obwohl der restliche Unterricht erst um zehn losgeht. Karo, die dritte Freiwillige, kommt dazu, um von einer der Lehrerinnen auf dem Moped mitgenommen zu werden, die täglich nach Tropang Trea zur zweiten SORYA Schule fahren. 2011 ist das Projekt sozusagen expandiert und die zweite Schule wurde zusammen mit Weitblick aufgebaut. 2015 folgte dann das jetzige Gebäude, in dem ich lebe, als Ergänzung zum ersten Standort und wieder zusammen mit Weitblick. Schön, wenn man für die Spendengelder durch den Schlossplatz gerannt ist, Glühwein getrunken und Mitglieder geworben hat und jetzt in den dadurch finanzierten Mauern umher spaziert. Bevor die Lehrer nach Tropang Trea abfahren, sitzen wir noch kurz unten zusammen führen den morgendlichen Smalltalk. Dabei stelle ich wieder eine der kulturellen Eigenarten fest. Wenn wir jemanden nett und witzig finden, dann drücken wir das vielleicht durch eine Umarmung aus oder ein anerkennendes Lächeln. Kungkea fand mich heute so nett und witzig, dass sie mir glatt eine rein gehauen hat. So ein gar nicht so lascher Schlag in den Arm ist aber ganz freundschaftlich gemeint. Gut, wenn man das weiß…

Da die Lehrer der Tropang Sdock Schule noch nicht da sind, nutze ich die Zeit, um ein paar Erledigungen zu machen. Unser Trinkwasser geht zur Neige, also geht es mit dem leeren 20l Kanister zu einer durch eine andere NGO bereite gestellte Anlage, die in einer der letzten zu trockenen Trockenzeiten installiert wurde, um beim Wassermangel zu helfen (da gab’s dann auch kein Regenwasser mehr, auch nicht in den von SORYA unterstützen großen Trinkfässern, die man überall im Dorf sieht, manchmal sogar mit fast korrekter Witeblik Hanburg Aufschrift). Stolz, das mir der Kanister diesmal nicht vom Fahrrad gefallen ist und eine weitere Schlammpfütze auf dem Weg hinterlassen hat, geht es danach weiter zum Einkaufen. Dazu geht’s 200m in die andere Richtung zum Tante Emma alias Tschall Laden, das Gegenteil zum KaDeWe – super wenig Auswahl und super günstig. Zumindest das Verkaufsgespräch bekomme ich mittlerweile auf Khmer hin, welche aber auch gefühlt die einfachste Sprache der Welt ist – ohne Zeiten, Konjugation, Deklination, Plural, Artikel oder ähnlichen Quatsch. Ohne Kühlschrank kaufen wir hier im Grunde jeden Tag ein bisschen ein, je nachdem, was da ist. Als ich meine Sachen zusammen hab und auf stattliche 1,50$ komme, gibt‘s noch ne Hand voll Chili von der Verkäuferin geschenkt, die jedes Mal so sympathisch ist, dass ich sie eigentlich kräftig boxen müsste, aber ich wiederstehe dem Drang. Auf dem Rückweg genieße ich noch eine frisch gepflückte Trink-Kokosnuss. Allgemein ernähre ich mich vielleicht nicht ganz so vielfältig, aber auf jeden Fall ziemlich gesund. So gibt es kaum Süßigkeiten und auch Alkohol scheint hier ne sehr kleine Rolle zu spielen, was mir nach meinem letzten Aufenthalt bei einem Weitblick Projektpartner und unzähligen hochprozentigen beninischen Schnäpsen, sehr gefällt.

Um zehn gehen die ersten beiden Klassen los (von 10 bis 11, 11 bis 12, 16 bis 17 und 17 bis 18 Uhr findet der Unterricht statt). Vorher (und nacher) sind die meisten Schüler in den staatlichen Schulen und kommen in ihrer Pause zu den entsprechenden Stunden. Der öffentliche Englisch- und Computerunterricht ist so schlecht oder nicht vorhanden, dass die Kinder sehr gerne freiwillig noch zusätzlichen (kostenlosen) Unterricht bei SORYA nehmen. Und die Kinder haben eben richtig Lust, was zu lernen. Manchmal ist Deutschland ganz schön weit weg.

Ich selbst bin um zehn aber noch nicht dran, stattdessen bereiten die fast im achten Monat schwangere Sreytouch und ich unseren Unterricht um elf vor. Wir versuchen unserer Klasse gerade seit ein paar Wochen beizubringen, eine Präsentation inkl. PowerPoint zu halten. Dafür halten wir eine bereits erstellte Präsentation, in der wir ganz genau erläutern, was man alles bei einer Präsentation beachten muss, während mir auffällt, das ein Teil genau dieser Punkte, in unserer Präsentation nicht beachtet wird. Dazu muss ich sagen, dass ich den Unterricht und das Projekt hier immer mit zwei Brillen betrachte. Die eine ist die kritische Brille eines fertigen Lehramtsstudenten, der die deutsche Kultur des immer-optimieren-Wollens verinnerlicht hat. Die ist manchmal ganz gut, da man wichtige Dinge anstoßen kann, die man zu recht kritisch sehen sollte und gerade aus der Lehrersicht, schnell Verbesserungsideen einfallen, die hier erstaunlich gerne gesehen werden. Aber die Brille alleine macht blind für manche Dinge. Denn nicht zuletzt im Unterricht läuft vieles richtig gut und mit manchen der älteren Schüler, kann man sich gut auf Englisch unterhalten, ohne dass die Lehrer auch nur einen Tag für das Lehren ausgebildet werden. Und das ist ja das wichtigste. Unser Vorbereiten besteht vor allem darin, dass wir die Folien durcharbeiten, die wir präsentieren und Vokabeln klären. Der Unterricht selbst macht wieder mal Spaß. Sreytouch, die (15-17-jährigen) Schüler und ich lachen viel zusammen und wir haben denke ich alles vermittelt bekommen, was wir wollten, auch wenn mein Englisch noch häufig von meiner Kollegin übersetzt wurde, was wahrscheinlich nicht gerade die Motivation stärkt, das Englisch selbst zu verstehen. Wir kommen mit unserer Präsentation heute sogar bis ans Ende, sodass die Schüler als nächstes selbst ran müssen. Dafür bilden sie Gruppen und dann überlegen wir Themen, die sie in den nächsten Wochen vorbereiten müssen. Schwierig als Lehrer ist es, dass die meisten Schüler schüchtern bis sehr schüchtern sind und man immer etwas Geduld aufbringen muss, bis mal eigene Ideen aufkommen. Schwierig wird auch, dass eine PowerPoint erstellt werden soll, aber manche Schüler noch nie einen Computer gesehen haben. Aber das wird schon – oder wie die Khmer gerne sagen „Kniehöm Panja Häh“ = „Kein Problem“! Am Ende haben wir jedenfalls eine volle Liste an mehr oder weniger spannenden Themen, verschieben die Auswahl auf den nächsten Tag und ich freue mich schon auf die fertigen Präsentationen. Eine der schönen Seiten des Unterrichtens hier ist die Dankbarkeit der Schüler, die sich z.B. durch eine Verbeugung und einem „Thank you Teacher“ nach der Stunde durch jeden Schüler im Vorbeigehen ausdrückt, auch wenn dies leider auch manchmal etwas unterwürfig wirkt. Heute nicht.

Als nächstes bin ich Deutsch-Lehrer. Zur Erinnerung: Ich habe Mathe- und Politiklehramt studiert. Aber hier ist die Annahme, dass wenn man Ausländer ist, man daher automatisch perfekt Englisch spricht und unterrichtet. Und als Deutscher bin ich dementsprechend natürlich auch der perfekte Deutsch-Lehrer. Gleich in meiner ersten Woche wurde ich von einer unglaublich motivierten und guten Schülerin gefragt, ob ich ihr Deutsch beibringen kann – das hätten schon die letzten Freiwilligen mit ihr gemacht, weshalb die Frage auch auf Deutsch gestellt wird. Da kann ich nur ja sagen und so treffen wir uns seit dem, mittlerweile zu viert von Vollanfänger bis Fortgeschritten mittags für eine Stunde und lernen zusammen Deutsch. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn ich lerne auch Deutsch. Jedenfalls wusste ich vorher nicht, dass man nicht nur den Artikel bei jedem neuen Nomen lernen muss, sondern auch immer die Pluralbildung. Oder wie verschieden die Konjugation unserer Verben auch im Präsens ist. So manche Ankündigung „ Das ist aber jetzt wirklich regelmäßig“ musste ich schnell wieder aufgeben. Aber beide Seiten machen glücklicherweise Fortschritte…

Zwar haben wir vier währenddessen (kleine, also ungezüchtete) Banane gegessen und ich habe von meinen Schülerinnen mal wieder irgendwas zu essen angeboten bekommen, was ich noch nie gesehen habe, aber dennoch wird es jetzt Zeit fürs Mittagessen. Manchmal koche ich hierzu mit Gabi. Heute geht es mit dem Rad ins 2km entfernte Tropang Srong, ins nächste Restaurant, durch die nicht zu heiße Mittagssonne. Und ich fühle mich wie jedes Mal wieder wie ein kleiner Tour de France Fahrer. Bei jedem Haus, an dem ich vorbei fahre, kommen die Menschen, naja besser die Kinder zur Straße gerannt, schreien immer wieder Hello und winken mir fröhlich zu. Manchmal hört man auch ein „What is your name“, wobei die Kinder dann glaube ich gar nicht wissen, was das heißt, denn jegliche Antwortversuche ernteten bisher nur kollektives Gelächter. Aber Gelächter ist hier auch der sehr häufig geäußerte Ausdruck von Nervosität, muss man wissen. Das Radeln über die Sandwege durch die Reisfelder mit Musik in den Ohren ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen geworden. Gestärkt mit Reis, Fleisch, unbekannten Gemüse und Spiegelei und viel Tee mit Eis geht es zurück. Kurz vorm Treppenhaus der Schule kommt mir der sympathischste Hausmeister der Welt Mr. Ban entgegen, grüßt mich fröhlich und schenkt uns wieder mal eine Mini Gurke, die er immer schon morgens um vier hinter der Schule zu ernten beginnt. Ich nehme dankbar an und überlege schon, was ich zurück schenken kann – hier ist es immer ein Geben und Nehmen und alles wird miteinander geteilt… So jetzt aber ab in die Hängematte.

Gegen halb vier kommt der um drei angekündigte Chamna vorbei. Er ist einer der vielen buddhistischen Mönche hier, die sich meistens ohne andere Perspektive, also z.B. als Waisenkinder ans Kloster wenden und dann die Robe anlegen, was allerhand Regeln bedeutet. Chamna darf also z.B. nicht nach 12 Uhr essen, keine Frauen auch nur irgendwie berühren, nicht spielen oder rennen. Oder wie ich heute feststelle, nicht das trinken, was ich anbiete, da ich schon einen Schluck daraus genommen hatte. Auch wenn meine eine Brille das befremdlich findet, stellt meine andere fest, dass er ein super spannender, lieber, schlauer, weltoffener, engagierter junger Mann ist, der sich dieses Jahr dazu entschieden hat auch als Freiwilliger bei SORYA zu unterrichten, aber eben als Kambodschaner – coole Sache finde ich! Und so hat er mich gefragt, ob ich mit ihm zusammen die ABC class (von 5 bis 11 Jahren, teilweise ohne ein Wort Khmer oder Englisch schreiben zu können) unterrichten und ihm helfen könnte, ein guter Lehrer zu werden. Was für eine coole Frage! Wieder sagte ich natürlich ja, auch wenn meine unzureichende Khmer-Kenntnisse den Umgang mit den Kids schwierig machen Manchmal treffen wir uns dann wie heute vorher und ich versuche mit ihm über den Unterricht zu reden (in dem es wirklich sehr wild zu geht) und bringe neue Ideen ein. Regeln haben wir schon aufgestellt und kämpfen zusammen darum, dass sie irgendwie einigermaßen eingehalten werden. Heute habe ich eine Idee dabei, wie wir die Klasse dazu bekommen können, dass maximal ein Kind zur Toilette geht und auf Englisch danach gefragt wird. Chamna findet sie gut (und sagt zum Glück auch, wenn er etwas nicht gut findet), also wird sie um vier ausprobiert. Und es klappt! Das ist für Lehrer natürlich immer ein Glücksmoment. „Muy muy“ – „Schritt für Schritt“ arbeiten wir mit der Klasse. Dabei ist das Englischlernen erst einmal gar nicht so wichtig und beinhaltet in jeder Stunde das Lernen von ein paar neuen Vokabeln, indem sie zigfach gemeinsam lautstark gebrüllt (je lauter, desto besser) und in der zweiten Hälfte von der Tafel abgeschrieben werden. Wer aufmerksam mitgelesen hat, stellt fest, dass manche Kinder gar nicht schreiben können. Was die dann machen außer rumzusitzen und anfangen Regeln zu brechen, ist also eine gute Frage. Der werden wir uns als nächstes widmen …

Nach der Stunde kommt ein nächstes kleines Highlight. Ich werde zum Fußball überredet, das ist aber auch wirklich nicht schwierig, denn das liebe ich. Egal ob Regen und Schlamm, ob 5 oder 18, ob Junge oder Mädchen, jeder spielt mit voller positiver Energie, die ansteckend ist. Die Partie ist aber nur kurz, denn eigentlich ist ja direkt schon wieder Unterricht, der aber gut und gerne auch mal zwanzig Minuten später losgeht. Für mich heißt es dann wieder Duschen, denn schon nach 10 Sekunden, läuft es bei mir dank der Hitze. Also nicht nur beim Ball hinterherlaufen. Eigentlich hätte ich jetzt auch Unterricht, aber meine fünf Uhr Klasse habe ich letzte Woche abgegeben, da ich stattdessen noch einen abendliche Aufgabe übernommen habe. Kackadä, der „Obermönch“ der 3km entfernten Pagode (Kloster), in der 300 Mönche leben, so viele wie sonst in keiner Pagode in Kambodscha, hat in seinem letzten Buddhisten Treffen in Australien gemerkt, dass er dringend sein Englisch verbessern und kam dann über ein paar Umwege auf mich zu. Da konnte ich natürlich wieder mal nicht nein sagen (und wieder zu recht) und unterrichte nun abends von sieben bis halb neun vier Mönche und lerne auch wieder einmal ne Menge selber dazu. Die Klöster hier sind übrigens richtig reich, da die Haupthandlung der Buddhisten hier, um gutes Karma zu bekommen und so die Chancen für das nächste Leben zu verbessern, eine Spende an die Pagoden und Mönche zu sein scheint. Aber immerhin machen die auch viele tolle soziale Sachen im Land. Oder bezahlen einen Chauffeur, der mich nun manchmal sogar mit dem Auto bei der Schule abholt und zum richtig kalten Klassenzimmer bringt. Denn wer reich ist, kann sich eine Klimaanlage leisten und wer das zeigen will, stellt sie richtig kalt rein, damit man es auch bloß merkt.

Heute allerdings kommt kein Auto vorbei, denn der Obermönch hat starke Rückenschmerzen, wie ich gerade per SMS lese. So kann ich in aller Ruhe anfangen zu kochen und am Ende sitzen Gabi, Karo und ich oben auf der Dachterrasse und essen im Dunkeln Reis mit Gemüseeintopf und tauschen uns über unseren Tag aus und was uns sonst so auf der Seele brennt.

Und ein nächster schöner Tag endet so langsam. Denn viel geht hier jetzt nicht mehr. Die schlechte Idee Licht anzumachen, wird schnell von unzähligen Mücken bestraft, auch im restlichen Dorf scheinen die meisten gegen acht zu schlafen und morgen früh wartet wieder ein voller Tag. Also geht es bald unters Moskitonetz. Ein kurzer Blick auf’s Handy (jetzt ist es OK), eine nächste Folge „Better call Saul“ und dann irgendwann nur noch das Zirpen der Grillen…. Gute Nacht!

 

Kambodschanisches „Plumpssack“.

Chamna und ich.

Fast.

 

Das (Haupt-) Schulgebäude in Tropang Sdock.

Morgendlicher Blick aus dem Fenster.

Auf der Dachterrasse.

Auf dem Weg zum Mittagessen.

 

Teacher Meeting.

Tankstelle in Tropang Srong.

Interkulturalität.

 

Auf Phnom Chisor, ganz in der Nähe.

 

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1 Kommentar zu “Ein ganz normaler Tag.”

  1. Andreas Nauck schreibt:

    Nov 02, 17 um 09:53

    Lieber Heiko,
    Ganz herzlichen Dank für deinen super toll geschriebenen Einblick in einen deiner Tage dort. Ich freue mich riesig mit dir, für die Chance, die du scheinbar toll nutzt, das dortige Leben so richtig kennen zu lernen. Hochachtung und Dank! Andreas


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