Benin – Reisebericht II

In Dogbo wurden wir herzlich von unserer Partnerorganisation „Education Service International“ (ESI) in Empfang genommen. Die folgende Woche lebten wir auf dem Projektgelände und durften uns hier wie zuhause fühlen.

Bar auf dem Gelände von ESI

Bereits am zweiten Tag nahmen wir an der Grundsteinlegung der 10. Weitblick-Grundschule teil. Dies war für uns alle ein besonders bewegender Moment, der von einem umfangreichem Programm untermalt wurde. Nicht weniger bewegend als die Grundsteinlegung war die Eröffnung der fertiggestellten 9. Grundschule, die einige Tage später stattfand. Hierfür bekamen wir von ESI Kleider und Anzüge aus dem für festliche Anlässe reservierten Stoffes der Gemeinde Dogbo geschneidert. Vom ersten bis zum letzten Moment wurden wir tanzend und singend begleitet. Die gesamte Zeremonie spiegelte die Dankbarkeit und Freude der Leute wider: Bedeutende Persönlichkeiten hielten Dankesreden, die Dorfbevölkerung drückte ihre Freude durch rhythmische Klänge, traditionellen Tänze und Gesänge aus.

Grundsteinlegung Grundsteinlegung

 

Grundschuleröffnung Grundschuleröffnung

Besonders wichtig war für uns auch der direkte Austausch mit unserem Partner ESI. In einem ausführlichen und konstruktiven Gespräch besprachen wir den aktuellen Stand unserer Projekte. Dieser persönliche Austausch ist sehr wichtig für die Projektpartner gewesen.
Wie jede Reisegruppe wurden auch wir vom König von Dogbo empfangen. Dieser wohnt in einer kleinen Hütte und ist für Konfliktlösungen und das Wohl der Bevölkerung zuständig. Der aktuelle König muss Teil der Königsfamilie sein und wird durch das „Fa“ bestimmt.

Besuch beim König
In unserer Freizeit unternahmen wir eine Motorrad Tour zu den Höhlen „Goundoudji“ in denen früher Eisen abgebaut wurde und besuchten eine Sodabi-Brennerei, wo der traditionelle Palmenschnaps hergestellt wird. Am Samstag trafen wir uns mit der lokalen Mädchenfußballmannschaft. Wir haben zwar verloren, aber hatten sehr viel Spaß.

Schweren Herzens mussten wir uns nach den ersten zwei Wochen von unserem Freund und Fahrer Charles verabschieden, weil dieser bei unserer Partnerorganisation in Dogbo blieb, während wir zu neuen Abenteuern in den Norden aufbrachen. Basile, ein weiterer Mitarbeiter unserer Partnerorganisation und Guide für die Reise kam mit uns. Die 7 stündige Busfahrt war etwas anstrengend, da die ganze Zeit lautstark beninische Serien in uns unbekannten Landessprachen gezeigt wurden. Dafür konnten wir aber sehr gut beobachten wie sich das Land gen Norden ändert. Es wurde trockener, heißer, ärmer, ursprünglicher und muslimischer. In Natintingou empfing uns unser neuer Fahrer und brachte uns noch pünktlich zum Sonnenuntergang auf einen Hügel von dem aus man über die ganze Stadt schauen konnte. Am nächsten Morgen sind wir noch vor Sonnenaufgang zu einer Safari Tour im Pendjari Nationalpark aufgebrochen. Das größte Highlight war wohl die Tatsache, dass wir auf dem Dach des Autos sitzen durften und somit die wunderschöne Natur hautnah erleben konnten. Zudem haben wir aber auch viele Tiere beobachten können: Antilopenherden beim Grasen, Nilpferde beim Baden, Affen beim Spielen, Krokodile auf der Lauer und Warzenschweine beim frech auf der Straße herumstehen. Die Elefanten konnten wir leider nur am Horizont erahnen. Auf der Rückfahrt hielten wir zur großen Freude aller an einem Wasserfall, so dass wir den Staub und die Hitze abwaschen konnten. In Benin sind Abkühlungen dieser Art rar, da das Baden in stehenden Gewässern Bilharziose hervorrufen kann und am Meer die Strömung zu stark ist.

 

Am nächsten Tag ging es entspannt weiter nach Bokoumbé, die Heimatstadt unseres Fahrers, der uns zu seiner Familie brachte. Diese wohnt ohne Strom und fließend Wasser in einer Lehmhütte in einem kleinen Dorf vor einer wunderschönen Bergkulisse. Die Menschen dort leben die alten Traditionen noch aus und sehen nur selten Fremde. Als Freunde eines ihrer Bewohner wurden wir aber sehr herzlich empfangen und rumgeführt. Zufällig kamen wir zur Zeit eines besonderen Rituals an. Alle vier Jahre findet einen Monat lang das rîte d’innitation statt, bei dem junge Frauen zu Erwachsen werden. Alle Mädchen, die sich zu der Zeit bereit fühlen, nehmen Teil und sind danach selbstständig, heiratsfähig und frei in ihren Entscheidungen. Den Monat lang sind sie nackt. Nach diesem kulturellen Einblick wanderten wir noch auf einen der Berge und genossen die Ruhe und den Ausblick. Es war sehr diesig was einem das Gefühl gab, in den Wolken zu sein.

Insgesamt war die Zeit im Norden Benins sehr reich an Erfahrungen. Der Mix aus Natur- und Kulturerleben war ein gelungener Abschluss dieser Reise. Zudem war es sehr bereichernd die Diversität des eigentlich kleinen Landes Benin zu entdecken.

Den allerletzten Tag verbrachten wir noch einmal alle zusammen mit Charles und Basile, kauften Souvenirs und genossen den Strand. In unserer Feedback Runde bestätigte sich, dass wir alle eine wunderbare Zeit hatten und das Land kennen und lieben gelernt haben. Wir fühlen uns unseren Partnern und Projekten mehr denn je verbunden und reisen voller Energie und mit einem feuchten Auge nach Deutschland zurück.

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