Benin – eine Reisezeichnung

Wir sehen graue Schotterberge und Dreck.
Und Menschen in den buntesten Farben.

Wir sehen, wie sie ganze Läden auf ihren Köpfen tragen.
Und Charles und Basile die Verantwortung.
Mit so viel Leichtigkeit.

Ich glaube wir kamen hier alle mit Gepäck an, das auf uns lag.
Doch ihre Leichtigkeit färbt ab wie der Staub auf der Straße.

Wir erleben in vielen Momenten, wie anders hier mit der Zeit umgegangen wird.
Und wir sehen Jacques, wie er auf die Uhr sieht. Es scheint, als habe er in nur einem halben Jahr in Deutschland die Pünktlichkeit schätzen gelernt.

Wir sehen Bilder, die wir erwarten.
Und in jedem Detail stecken Überraschungen.

Vielleicht deuten wir die Blicke falsch – manche wirken vorwurfsvoll, vielleicht auch gleichgültig oder verständnislos.
Und wir sehen Lachen, Winken und freundliches Nicken.

Wir wollen alle Momente festhalten.
Hier lernen wir, dass durch den Voodoo-Glauben Fotos eine andere Bedeutung beigemessen wird.
Das Gesicht, einen Teil ihrer Seele, mit uns zu nehmen.
Bis uns klar wird, dass wir dafür gar kein Foto brauchen.

Der Lärm aus dem Radio und in den Straßen Cotonous.
Und die Ruhe auf dem Schwarzen Fluss, mitten in der Natur,
wenn wir aufgefordert werden über das nachzudenken, was wir waren, sind und werden.

Wir sind begeistert von der einheimischen Küche und davon, dass wir so offen über unsere Gefühle und unseren Stuhlgang reden können.
All die neuen Eindrücke und das Essen müssen auch erst mal verdaut werden.

Sind es nun die vielen Erlebnisse oder die überwältigende Hitze, die uns zusammen schweißen.
Wir wissen es nicht. Wir wussten auch nicht, dass wir in so kurzer Zeit zu einer kleinen Familie werden würden.
Und Jacques stellt uns sein Heimatdorf und seine Familie vor.
Und dann ist da Basile, der uns seine Schwestern nennt.

Afrikanische Klassiker auf Kassette und die Beatles, die dieselben Fragen stellen und Antworten geben.
Imagine all the people living life in peace.
Und wir singen ganz laut mit.

Die Dinge, die wir verstehen. Die Dinge, die wir lernen.
Und Momente, die uns an Grenzen bringen, die nichts mit Togo oder Nigeria zu tun haben.

Die Menschen, die ihre Kinder und Probleme nicht vor sich herschieben,
sondern direkt auf dem Rücken tragen.

Das Rot der Straße. Umgeben von Grün.
Sie transportieren auf einen Blick das Gefühl, das uns hier begleitet.
Dass zwischen konträr und komplementär so etwas wie Harmonie steht.

Wir sind so verschieden und so ähnlich. Weder das eine noch das andere lässt sich leugnen.
Ich glaube man muss die Dinge nebeneinander betrachten, muss es wirklich mit eigenen Augen sehen,
um zu verstehen. Wie bei einem Kunstwerk.

Ob wir in ihren Augen Leid oder Freude sehen, liegt vielleicht an uns.
Oder vielleicht auch an unserem Verständnis dafür, dass beides zusammengehört.

Wir sind so priviligiert. Wir kamen nicht hierher, um diesen Fakt noch klarer herauszustellen.
Wir sind nicht von dem Gefühl des Mitleids begleitet.
Es ist Mitgefühl.
Wir kamen hierher, um unser Privileg zu nutzen. Um vielleicht etwas besser zu verstehen.

Um vielleicht ein kleines bisschen Harmonie zu schaffen. Unser eigenes Bild zu malen,
dass dann zwischen den vielen anderen steht.

Ein kreativer Akt zwischen all den destruktiven Debatten.
Einfach das Miteinander leben zwischen all den Totschlagargumenten.
Das ist es, was Weitblick für uns bedeutet.

 

(für die Reisegruppe 2017, Jana V.)

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