Und weiter geht’s

Bonsoir,

es ist definitiv mal wieder Zeit, hier zu bloggen. Ich versuche mal alles unterzubringen, es hat sich einiges angestaut, nachdem ich etwas schreibfaul war…

Wie beim letzten Mal schon geschrieben lief die Mobilisation der Studenten für den Tag mit den Absolventen ziemlich schleppend. Zuerst dachten wir, der Andrang der Studenten würde sehr groß sein, sodass wir die Teilnehmerzahl limitiert und eine verbindliche Anmeldung probiert haben. Dies hat leider absolut nicht funktioniert, sodass wir, um wenigstens eine grobe Anzahl der teilnehmenden Studenten zu wissen, eine Liste in jedem Kurs verteilt haben. Auch eine solche Semi-Verbindlichkeit funktioniert hier einfach nicht. Ich selber hatte schon enorm Angst, dass der Tag ein Reinfall wird. Neben der unklaren Teilnahme haben sich nicht alle Professoren sofort bereiterklärt ihren Kurs am Samstag ausfallen zu lassen. Zudem machten diverse Gerüchte über den von uns geplanten Tag die Runde am INJEPS. Die letzten 2-3 Tage vor dem Event waren für mich dann relativ viel Stress: Es gab zwar nicht enorm viel zu tun, jedoch habe ich mit einigen Mitorganisatoren versucht jeden Kurs des INJEPS nochmal zu besuchen und Werbung zu machen. Lambert, der sich bereiterklärt hatte, einige Absolventen zu organisieren, ging es ähnlich: er hat quasi jeden Tag mehrfach dieselben Personen angerufen, um ihre Präsenz zu bestätigen. Erst am Tag davor um 22 Uhr haben Lambert und ich uns gesagt, dass wir nicht mehr tun können und nun einfach abwarten müssen.
Am Samstag selber lief es dann ganz gut: Klar, wir haben mit etwa einer Stunde Verspätung begonnen… Benin und INJEPS halt (dies sagen die Studenten selber). Als sich nach und nach der größte Vorlesungssaal mit ca. 80 Studenten des INJEPS füllte und auch alle 9 Absolventen wie geplant erschienen sind konnte ich durchatmen. Ab dann lief es wie am Schnürchen: Esther begrüßt im Namen von Les amis de Weitblick, Lambert erklärt den Kontext des Tages, ich stelle Weitblick und die Absolventen sich selber vor. Dort habe ich gemerkt, welch tolle Arbeit Lambert geleistet hat: Es waren alles Leute, die etwas aus ihrem Studium gemacht haben: Unternehmensgründer, Leiter einer beninischen NGO, Verantwortliche von Partnerschaften mit internationalen Organisationen, Handballnationalspieler Benins und, mein persönliches Highlight, ein Verantwortlicher eines Millionenprogramms der beninischen Regierung für Mikroprojekte zur Unternehmensgründung. Er hat dann auch einen Vortrag über die Unternehmensgründung und die Schlüssel zum Erfolg gehalten. Hieraus entwickelte sich schon eine Diskussion mit den Studenten und den anderen Absolventen. Nachdem Lambert dann mit Blick auf die Uhr eingeschritten ist haben wir die Studenten in die Workshops der einzelnen Studienschwerpunkte geschickt. Auch hier wollten alle immer weiter diskutieren und gar nicht aufhören. Danach gab es ein kurzes Zusammenkommen und einige Worte zum Abschied.
Mein Fazit: Der Tag war absolut klasse! Die angeregten Diskussionen und das fleißige Mitschreiben der Studenten zeigte deren Interesse. Für ein erstes Event dieser Art ist es gut gelungen – dies haben mir viele Studenten mitgeteilt, die auch nach einer Wiederholung gefragt haben. Auf der einen Seite sehe ich viel Potenzial, einen solchen Tag noch weiter zu entwickeln, z.B. mit Einzelinterviews, wirklichen Workshops mit Planspielen o.ä., der Einbindung von Unternehmens etc. Jedoch ist die Gewinnung von Absolventen und Unternehmen enorm schwer. Ein selbsttragendes Konstrukt, wie ich es mir vorgestellt habe, ist absolut utopisch. Dafür müsste man enorm viele Türklinken putzen… Und ach ja: meine Ängste, dass der Tag ein Reinfall wird, waren absolut unbegründet. Hätte ich mal auf Jacques gehört, der immer meinte, dass er das INJEPS kennt, die Studenten komisch sind und es auf jeden Fall klappt…
Neben dieser Hauptaktivität habe ich noch viele andere kleinere Dinge erledigt und erlebt. So habe ich mich mit dem beninischen Germanistik-Professor Mensah getroffen, der ein sehr interessantes Projekt zum Grundschulbau hier in Benin hat. Es war ein sehr interessanter Austausch, mehr erfahrt ihr nächsten Donnerstag (14.07.2016) auf der WB-Sitzung im J490.
Daneben habe ich mit Ephraïm das Fußballländerspiel zur Qualifikation des Afrikacups Benin – Äquatorial Guinea in Cotonou angesehen. Zwar hatte ich das Glück in Deutschland wirklich alle großen Mannschaften Europas mit ihren Weltstars zu sehen, dieses Spiel (welches vermutlich Landesliga-Niveau hatte) werde ich jedoch nicht vergessen. Während man in europäischen Stadien die Spiele immer schön überdacht verfolgen kann gibt es dies in Cotonou nur auf der Haupttribüne, wofür wir keine Karten hatten. Zu Beginn der zweiten Halbzeit öffnete der Himmel dann seine Schleusen und innerhalb von Minuten waren wir komplett nass, der Rasen wurde zum Acker und die inzwischen eingeschaltete Flutlichtanlage (durch die dunklen Wolken war diese auch am Nachmittag nötig) offenbarte, wieso Benin keine Länderspiele am Abend bestreiten kann: die eine Hälfte der Scheinwerfer funktionierte nicht, die funktionierenden Lampen der anderen Hälfte waren kreuz und quer ausgerichtet. Trotz dieser enormen Unterschiede ist dann toll zu sehen, wie ähnlich Fußball verrückt die Beniner doch sind – nach dem 2-1 Sieg kannte der Jubel keine Grenzen, denn Benin hat die Tür zur Qualifikation aufgestoßen und steht nun vor einem Endspiel um den Gruppensieg gegen Mali.

 

Zurück in Porto Novo, die Studentenvertretung hat einen kulturellen Abend in Djavi veranstaltet. Insgesamt fanden sich rund 200 Studenten ein. Es war wirklich schön zu sehen, wie der neue Campus in Djavi langsam akzeptiert wird – es war die allererste Veranstaltung dieser Art in Djavi. Im Laufe des Abends wurde mir natürlich das Mikro in die Hand gedrückt und ich konnte dies den INJEPSiens auch mitteilen. Toll war dann auch der Rückweg: nach Einbruch der Dunkelheit sollte man nicht unbedingt solch abgelegene Wege fahren, nach Mitternacht auf keinen Fall! Jedoch sind alle zusammen im Konvoi nach Porto Novo zurückgefahren, sodass uns nichts passieren konnte. Ich erreichte das INJEPS gegen halb 3 morgens und habe mir dort ein Bett gesucht. Den Weg alleine mit meinem Moto nach Hause habe ich mir lieber gespart…

 

Neben dieser Feier geht es im Projekt nun endlich mal vorwärts: Der Basketballplatz wird weitergebaut und Weitblick hat die E-Mail, in der die Entscheidung der JHV, über weitere Investitionen erst nach Erfüllung diverser Forderungen an unsere beninischen Partner abzustimmen, mitgeteilt wurde, abgeschickt. Daraufhin habe ich mich mit einigen beninischen Projektverantwortlichen getroffen, um ihren Eindruck zu bekommen und für Fragen zur Verfügung zu stehen. Allgemein wurde die Entscheidung von Weitblick gut aufgenommen und nachvollzogen; das INJEPS und ESI werden nun die Köpf zusammenstecken. Ich bin gespannt!

 

Nach dem Gespräch mit Jules in Dogbo habe ich noch etwas für meinen Excel-Workshop für das Personal von ESI im August organisiert, mit Basile ein bisschen über die jährliche Weitblick-Reise geschnackt und bin dann mit dem togolesischen Bäckermeister in seine Heimat nach Lomé gefahren. Wir haben seine Freunde und Familie besucht und er hat mir die Vorzüge von Lomé gezeigt. Lomé ist (für afrikanische Großstadtverhältnisse) relativ sauber und ruhig und ich verstehe, wieso er so gerne dort ist. Wenige Tage nach dem Absolvententreffen war dies der optimale Zeitpunkt, um die Batterien wieder etwas aufzuladen.

 

Wie geht es nun weiter? Hier in Porto Novo endet das akademische Jahr (vermutlich, so genau weiß das anscheinend niemand) in gut einem Monat. Bis dahin werde ich noch einiges zur Unternehmensgründung in Benin, einem weiteren möglichen Projekt von Weitblick am INJEPS, herausfinden. In diesem Kontext hat ein beninischer Student von einem Weitblicker ein privates Stipendium zur Gründung einer Fischzucht erhalte. Diesen Prozess werde ich begleiten; für mich als BWLer ist das optimal. Ich kann so eine Unternehmensgründung voll mitgestalten, ohne irgendein eigenes Risiko eingehen zu müssen. Daneben werde ich das neue Komitee etwas beobachten, den neuen Weitblick-Stipendiaten, der ab Oktober in Münster ein Semester studieren wird, vorbereiten und einige Aufnahmen für ein neues Uni-baut-Uni Video machen. Langweilig wird mir mit Sicherheit nicht!

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