Ankunft in Porto-Novo

Na endlich! Eineinhalb Monate nach meiner Ankunft im nur 30km westlich entfernt liegenden Cotonou habe ich es nun tatsächlich in die Hauptstadt Benins, Porto-Novo, geschafft. Mit der Reisegruppe und den Kollegen von ESI in Dogbo habe ich tolle Momente und Erfahrungen geteilt, jedoch freue ich mich jetzt auf die Zeit am „Institut National de la Jeunesse, de l’Education Physique et du Sport“, dem INJEPS, mit dem Weitblick seit drei Jahren zusammenarbeitet. Zwar waren die letzten zwei Wochen nicht jeden Tag komplett voll mit Programmpunkten gepackt und einzelne Tage haben sich schon etwas gezogen, rückblickend habe ich aber schon ziemlich viel erlebt und könnte mit einigen Geschichten mehrere Blogeinträge füllen.

Ich kann mich noch ziemlich gut daran erinnern, wie die beiden beninischen Austauschstudenten vom INJEPS letztes Jahr im Oktober am Tag ihrer Ankunft abends ihre Zimmer im Studentenwohnheim bezogen haben. Beim Öffnen der Tür hatten beide sehr große Augen, da ihre Zimmer mit Bett, Schreibtisch, Schrank usw. komplett eingerichtet waren. Mir ging es hier sehr ähnlich. Zwar habe ich schon vorher Fotos von Ephraïm, mit dem ich hier zusammen wohne, bekommen. Als er jedoch vor zwei Wochen die Tür aufschloss hatte ich ähnlich große Augen wie er vor einem halben Jahr in Deutschland: Das Wohnzimmer war mit Sofas und einem Tisch bereits eingerichtet, die Küche ebenfalls komplett. Darauf hatte ich mich gar nicht eingestellt. Mein eigenes Zimmer dagegen ist relativ schlicht ausgestattet: eine Matratze mit Moskitonetz, meine Kleidung liegt entweder in meinem Rucksack oder hängt an Nägeln, die in die kahle Betonwand geschlagen worden sind. Lediglich die drei mitgebrachten Familienfotos machen es etwas wohnlich. Mir reicht dies vollkommen; inzwischen haben wir nämlich auch einen großen Tisch auf unserer kleinen überdachten Terrasse, was bei der Hitze und in der Regenzeit super praktisch ist. Hier werde ich bestimmt noch einige Stunden verbringen.

Am INJEPS konnte ich inzwischen relativ gut Fuß fassen. Bisher habe ich sehr viel Zeit mit Lambert, dem beninischen Projektverantwortlichen, verbracht. Wir waren zusammen beim Direktor, er hat mir das Gelände in Porto-Novo und den neuen Campus in Djavi gezeigt. Inhaltlich haben wir sehr viel über den aktuellen Status des Projekts gesprochen. Die Konstellation mit Weitblick, dem INJEPS und ESI ist zur Zeit etwas kompliziert – die Leute, die sich in Münster etwas mit Uni-baut-Uni befassen verstehen etwa was ich meine. Neben diesen langen Gesprächen konnte ich die beiden Studiengänge STAPS und STASE näher kennenlernen, was für meine Aktivitäten sehr wichtig ist. Inzwischen haben wir zumindest für den Monat Mai meine Aktivitäten genauer geplant und auch Studierende des INJEPS gewinnen können, mit denen ich zusammen arbeiten werde. Zuerst werden wir einen Absolventenfragebogen bearbeiten, den dann bei den Alumni verteilen und zudem ein großes Alumnitreffen im Juni vorbereiten. Wenn meine Kamera dann wieder funktioniert würde ich auch gerne ein neues Uni-baut-Uni Video erstellen, in dem die Arbeit der letzten drei Jahre zu sehen ist. Ich freue mich auch schon, den neuen Weitblick-Stipendiaten, der ab Oktober ein Semester in Deutschland studieren wird, auf seinen Aufenthalt vorzubereiten. Irgendwie ist es schon komisch, dass er nach Ephraïm ein weiterer Beniner sein wird, mit dem ich ein Jahr, davon die eine Hälfte in Benin, die andere Hälfte in Deutschland, verbringen werde.

In Porto-Novo fühle ich mich ganz wohl. Mit etwa 250.000 Einwohnern ist es hier einigermaßen ruhig und relativ sauber. Durch die Bauten der Kolonialzeit hat Porto-Novo auch etwas mehr Charme als das hektische Cotonou. Inzwischen habe ich auch so etwas wie einen Wochenrhythmus: Sonntags gehe ich meistens mit Ephraïm in die Kirche, unter der Woche läuft am INJEPS viel Fußball und letzten Donnerstag wurde ich von einer anderen Uni abends zu einem English-Club eingeladen, wo ich in Zukunft wahrscheinlich mal häufiger vorbeischaue (sofern ich nicht jedes Mal als special guest in der Entertainment-Section in den Raum gerufen werde). Zudem habe ich schon häufiger meine Laufschuhe angeschnallt und einige Runden gedreht. Nach zwei Monaten fast ohne jeglichen Sport kommt die Form doch ziemlich schnell wieder.
Seit Donnerstag habe ich nun auch endlich ein eigenes Motorrad. Die Suche hat super lange gedauert und ist eigentlich einen eigenen Blog-Eintrag wert. Nachdem ich es schon fast aufgegeben hatte sind Ephraïm und ich doch noch fündig geworden und wir endeten schließlich mit dem Verkäufer abends um 8 Uhr in der Dunkelheit auf einer Holzbank um die Formalitäten zu klären – und natürlich den Batzen Geldscheine zu zählen (der größte Geldschein hat einen Gegenwert von 15€). Dieses Bild wird auf jeden Fall eines der Bilder sein, die ich in Erinnerung behalten werde.

Die ersten Fahrten haben einigermaßen geklappt und hier im ruhigen Porto-Novo mache ich mir nicht allzu viele Sorgen. In nunmehr fast zwei Monaten Benin habe ich einen kleinen Unfall gesehen, und dieser war vollkommen unnötig. Mit ist sofort der aus dem Radsport stammende Spruch „Sturz und Defekt sind ein Zeichen von Schwäche“ eingefallen…

Bis dahin, À la prochaine!

Raphael

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