Zwei Wochen in Dogbo

Nachdem ihr im letzten Blogeintrag der Reisegruppe noch von dem gestrichenen Flug lesen konntet sind meine sieben Mitreisenden dann doch tatsächlich nach Hause geflogen. Innerhalb der drei Wochen haben wir uns super verstanden und sind zu einer kleinen Familie gewachsen, weshalb mir der Abschied echt nicht leicht fiel. Auf der anderen Seite kann ich mich nun frei bewegen und mein eigenes Leben (zumindest für die nächsten sechs Monate) in Benin gestalten – und darauf freue ich mich tierisch!

Noch während der Reise hat sich herausgestellt, dass ich nicht wie vorher geplant direkt ans INJEPS nach Porto Novo gehe, sondern erstmal einige Zeit bei unserem Projektpartner ESI in Dogbo bleibe. Zum einen sind die Studierenden am INJEPS noch im Praktikum, zum anderen gab es wohl einige Kommunikationsprobleme zwischen ESI und dem INJEPS. Nun ja, ich habe es einfach mal als „Willkommen in Benin“ oder #TiA (This is Africa) hingenommen. Die Kommunikationssache zwischen allen drei Projektpartnern ESI, INJEPS und Weitblick steht ja sowieso relativ weit oben auf meiner Agenda. Leidtragender war denn im Endeffekt Ephraïm, mit dem ich in Porto Novo zusammen wohnen werde. Er konnte quasi jeden Tag davon ausgehen, dass ich zwei Tage später aufschlagen werde. Er hat dies ganz gelassen hingenommen und hat erstmal für eine Woche seine Familie in Norden besucht.

Die vergangenen zweieinhalb Wochen in Dogbo waren im Endeffekt doch viel spannender, als ich am Anfang befürchtet habe. Während den ersten Tagen war kaum jemand auf dem Projektgelände und ich hing ziemlich in der Luft. Die letzten beiden Wochen waren aber deutlich besser. Es gab einige Treffen, um diverse Dinge des Projekts zu besprechen, z.B. die aktuelle Situation des Internetcafés oder die Gestaltung der neuen Boutique am Markt im Zentrum von Dogbo. Daneben konnte ich den Buchhaltern einiges an Excel erklären und ich habe mit Lukas, dem Weltwärts-Freiwilligen, angefangen, die Bibliothek nun von Papierkarten auf Excel umzustellen. Die ersten 150 Bücher haben wir schon neu geordnet und registriert – für die restlichen 400-500 hat er ja noch 4 Monate Zeit ;-)

Eine Sache hier im Projekt beeindruckt mich schon sehr: jeden Abend sitzen hier Projektmitarbeiter bei Avla an der Projektbar. Nun gut, dass in Benin quasi jeden Tag Bier (aus der handlichen 0,63 Literflasche) getrunken wird habe ich schnell gemerkt, aber diese Freundschaft und das Zusammenleben über die Arbeit hinaus…! Zwar habe ich dies in Deutschland auch schon erlebt, hier in Dogbo ist es aber nochmal eine andere Hausnummer. Einige Mitarbeiter sind ja als Kinder zusammen aufgewachsen und haben quasi das ganze Leben zusammenverbracht. Ich werde mit Sicherheit nochmal zurück nach Dogbo kommen um einen Excel-Kurs für das gesamte Personal zu geben, alle nochmals zu sehen – und natürlich auch um zusammen ein Bier zu trinken.

Insgesamt geht es mir also ganz gut: mit dem Essen, Hitze, Moskitos, Zemi-John, dem beninischen Wohnstandard und so weiter komme ich gut zurecht. Jedoch weiß ich auch, dass es mich in einem halben Jahr bestimmt irgendwann gesundheitlich erwischen wird. Wirklich Sorgen mache ich mir aber nicht, denn die Krankenhäuser, die ich schon von innen gesehen habe machten alle einen einigermaßen ordentlichen Eindruck. Den ersten kleinen Test gegen Heimweh habe ich am letzten Sonntag schon bestanden: mit dem großen Revierderby und der Königin der Klassiker Paris-Roubaix habe ich gleich zwei Veranstaltungen ohne Übertragung oder Live-Ticker überlebt, die mich unter Normalumständen mindestens eine Woche in ihren Bann ziehen.

Nun freue ich mich aber auf die kommenden Monate Porto Novo!

Raphael

P.S.: Leider wurde in den deutschen Medien wenig bis gar nicht von den absolut ruhig verlaufenen Präsidentschaftswahlen und dem darauf folgenden Machtwechsel berichtet. Wer dazu etwas Kritisches lesen möchte schaut hier einmal: https://www.facebook.com/prodogbo/posts/1060708567330479

Und Fotos kann ich Euch leider nicht bieten. Leider hat meine Kamera ziemlich am Anfang den Geist aufgegeben…

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