Advent und Weihnachtsmarkt in Deutschland

Seit nunmehr fast drei Monaten sind Ephraïm und Jacques, die beninischen Austauschstudenten unterstützt durch ein Stipendium von Weitblick, in Deutschland. Heute berichtet Jacques über den Advent mit Besuchen auf dem Weihnachtsmarkt und seine erste Begegnung mit dem Weihnachtsmann


Jacques

    „Der alljährliche Weihnachtsmarkt neben der Lambertikirche in Münster ist typisch für Weihnachten in Deutschland. Ich war gespannt, denn ich war zum ersten Mal dort. Als wir ankamen, waren wir von vielen verschiedenen Lichtern umgeben. Der Glanz war faszinierend. Alles war voll mit verschiedenen Farben, wunderschönen Ständen mit Girlanden, knapp 300 Stände müssten es gewesen sein. Es gab Handarbeiten, Vögel aus Holz, Deko-Werkzeuge und Geschenkartikel, die man seiner Liebsten schenken kann, außerdem gab es viel zu essen. Es gibt Stehtische, an denen die Leute jedoch  üblicherweise nicht alleine essen, sondern immer mindestens zu zweit sind.
    An manchen Stellen sah man Jugendliche, die zusammen gesungen haben, eine tolle Atmosphäre. Es gab interessante Spiele, mit denen man die Stärke der Besucher messen konnte, jedes Kind suchte die Herausforderung. Die Leute, die an den Ständen arbeiteten, haben uns alles erklärt, stets mit einem Lächeln auf den Lippen. Wir gingen von Stand zu Stand. Unglaublicherweise gab es sogar eine Werkstatt. Natürlich war ich irritiert, es gab keine Autos, aber Hammer, Schraubenzieher, Eisenstangen, Luftpumpen, all solche Sachen. Ich war total überrascht, als mir erklärt wurde, dass das alles aus Schokolade gemacht war. Verrückt, dass Lebensmittel so kreativ mit einer solchen Vielfalt gestaltet werden können; das lernt man an keiner Schule. Die Menschen lassen sich von ihrer Kreativität leiten. Da müssen wir schon genau hinschauen, um zu sehen, dass wir nicht auf einen anderen Planeten gelandet sind.
    Straßenmusiker, Eltern und Kinder mit Gitarre oder Klavier sammelten Kleingeld, das sie großzügigerweise von Unbekannten bekamen. Es liefen ein paar Weihnachtsmänner und -frauen mit ihrer typischen Mütze durch die Gegend und zeigten die Freude der Deutschen in der Weihnachtszeit. Die Leute meines Landes würden sich schämen und nicht trauen, so rumzulaufen… Ich hätte dasselbe gedacht, wenn ich es nicht in Deutschland gesehen hätte.
    Als ich ein Kind war, konnte ich mir den Weihnachtsmann nicht vorstellen und war mir sicher, dass er nie bei mir vorbeikommt. Keiner verkleidet sich in Benin und deswegen konnte ich ihn mir als Person nie vorstellen. Jetzt kann ich mir vorstellen, wie die Kinder in Benin, 15 Jahre später in dieser Situation sind und das Glück haben, einen Weihnachtsmann zu sehen.
    Auf diesem Markt zu sein, war mehr als einen Ausstellungsraum zu besichtigen. Es waren so viele Leute auf dem Markt. Es war das erste Mal, dass ich so viele Leute gesehen habe, die sich hier so nah gedrängt haben und sich in kleinen Schritten fortbewegt haben. In meinem Heimatland Benin ist der normale Markt in der Weihnachtszeit so wie immer. Nur mit ein wenig mehr Freude als an anderen Tagen.
    Die Weihnachtszeit ist in Benin besonders für Kinder gedacht. Am Abend des 24. Dezembers ist es bei uns üblich, von Haus zu Haus zu gehen, um Geschenke durch Spiele, Trommeln und Lieder einzusammeln. Aber mein Aufenthalt in einer deutschen Familie an Weihnachten hat mir viele Unterschiede gezeigt …”

 

Im nächsten Beitrag wird Ephraïm von Weihnachten weit weg von zuhause berichten.

Übersetzt von Ronja Fischer

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1 Kommentar zu “Advent und Weihnachtsmarkt in Deutschland”

  1. Thanya Drummond Nauck schreibt:

    Jan 27, 16 um 06:50

    Es ist erfrischend und schön, die Weihnachtsmarkt durch Jacques Augen zu sehen!
    Danke, auch an die Übersetzerin!


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