Der erste Monat in Deutschland

Ephraïm und Jacques aus Benin sind nun seit Anfang Oktober in Münster und studieren an der WWU BWL. Statt Erasmus bekommen die beiden ein Stipendium von Weitblick. Der große Vorteil: Sie haben direkt Kontakt zu deutschen Weitblickern in Münster, mit denen sie auch oft für Weitblick-Verantstaltungen oder so privat unterwegs sind. Hier ihr erster Erfahrungsbericht:

Ephraïm

    „Es ist schon ein Monat her, seit ich den Fuß auf deutschen Boden gesetzt habe, dank eines Stipendiums der Organisation Weitblick. In der Tat bin ich in dem einen Monat gut aufgenommen worden und habe mich auch im Studentenwohnheim eingelebt. Wir haben selbstverständlich schon mit den Kursen an der Universität angefangen und uns auch beim Sprachenzentrum angemeldet, um Deutsch zu lernen und unser Englisch zu verbessern. Die Zeit vergeht schnell, mit den ganzen neuen Sachen, die so verschieden von meinem Geburtsland sind.
    Mit der Hilfe und Begleitung der vielen Freunde von Weitblick, habe ich mich hier schon an alles, außer dem unbeständigen Klima, gewöhnt.
    Was mich zum Schmunzeln bringt, ist, dass ich hier mit dem Fahrrad fahre, während mein Motorrad in Benin auf mich wartet. Das Fahrrad ist einfach typisch für Münster. Etwas komisch war das eine Mal, als ich ein wenig spät aufgestanden war und mich in der Küche sehr beeilen musste, um das Wasser für meinen Tee zu kochen, bevor ich mich auf meinen BMW (mein Fahrrad) schwing, welches mir Alexandra [Anm.: Weitb
    lickerin, die grade im Auslandssemester ist] überlassen hat. Aber wie erstaunlich und witzig! Ich mache beim Herd die obere rechte Platte an, und stelle meinen Topf drauf. Nach 10 Minuten komme ich wieder und könnt ihr euch das vorstellen? Mein Wasser ist immer noch eisig. Nun, ich habe  einfach den Topf runtergenommen und mich auf den Weg zur Uni gemacht.“

 

Herde scheinen generell nicht so ganz einfach zu sein. Jacques machte bereits in der ersten Nacht Bekanntschaft mit den Tücken deutscher Herde im Studentenwohnheim.

Jacques

    „Es war 1.00 Uhr morgens, müde von der Reise im Flugzeug um ins Land von Weitblick zu kommen. Ich wollte mir etwas zu essen machen, da ich nicht das Risiko eingehen wollte, dass es schlecht wird, ich hatte es meiner Mutter versprochen.
    Als ich mich in meinem Zimmer eingerichtet hatte, und die Unmengen an Gepäck hingestellt hatte, entschied ich mich also, noch mein Essen in der Küche aufzuwärmen.
    Ich ging in die Küche ohne mir groß Gedanken zu machen, wie ich das Gerät an bekomme. Würde man nicht glauben, dass mein Essen schnell gar sein würde? Aber wie?
    Ich drehte den ersten Knopf, nichts wurde warm.
    Ich drehte den zweiten Knopf, nichts wurde warm.
    Ich drehte den dritten Knopf, nichts wurde warm.
    Bei der vierten Herdplatte bemerkte ich eine Hitze, deren Knopf ich aber gar nicht berührt hatte. Komisch!
    Da kochte ich mein Essen, dass wenige Minuten später fertig war, da die Hitze so stark war.
    Bei uns in Benin, muss der Herd unter Beobachtung bleiben und kann nicht einfach alleine gelassen werden. Wir können auch die Flammen direkt sehen, anders als hier. [Anm.: In Benin sind Gasherde üblich]
    Ich blieb lange beim Ofen, um ihn zu beaufsichtigen. Danach kam der Moment, indem ich müde wurde. Ich musste den Ofen verstehen. Ich habe die Nacht viel Verdruss erlebt. Ich habe alle Knöpfe probiert und im Uhrzeigersinn gedreht, dann entgegengesetzt. Aber der Herd wirkte wie auf Kohlen. Alles war heiß.
    Nochmal von vorn und dann alles auf Null gesetzt. Danach leuchtete ein Licht, was bisher noch nicht geleuchtet hatte. Was für ein Ärger.
    Für welches Essen? Mit welchen Ziel?
    Und die anderen würden den nächsten Morgen aufstehen, und einen afrikanischen Fremden bemerken. Was für ein erster Eindruck von mir!
    Ich entschied mich, außerhalb der Küche einen Mitbewohner abzupassen, sobald sie auf Toilette gehen.
    Nach einer Weile schaute ich nochmal nach dem Herd.  Etwa 10 Minuten später ging die Hitze zurück, aber ich verbrannte mir noch den Finger. Ich traute mich jetzt den Herd länger allein zu lassen und arrangierte auch mein restliches Gepäck.
    Als ich beim nächsten Mal nachschaute, war ich schon ruhiger und der Herd inzwischen auch schon abgekühlter.  Zur Sicherheit stellte ich mir noch einen Wecker um dann um 4.00 und 5.00 die Temperatur zu überprüfen. Um 5.00 war dann alles ruhig und ich dankte Gott.“

Inzwischen sind Herde und Öfen keine Herausforderungen mehr, und die beiden haben genug Zeit, Land und Leute kennenzulernen.

Ephraim

    „Ich mag die Stadt Münster sehr. Aber um die Wahrheit zu sagen, ist es bisher auch die einzige die ich kenne. Denn, bisher, kann ich noch nicht sagen, dass ich Deutschland kenne, außer Münster und einige kleine Städte wie Telgte und Ennigerloh. Aber ich habe auch noch Zeit und ich bin sicher, dass ich vor meiner Abreise im März noch einige wichtige Städt in Deutschland besuchen werde.
    Habt ihr schon einmal die Erfahrung gemacht, Dutzende von Leuten innerhalb einiger Wochen kennenzulernen? Das ist nicht einfach, dafür aber interessant und ich habe es mit Erfolg gemeistert, wenn ich auch noch manchmal ein paar Freunde – was sie mir verzeihen mögen – verwechsle.
    Das ist alles! Ja ich denke, dass das für den Moment alles ist. Ich werde euch bald  von meinen weiteren Aufenthalt berichten, ich habe ja noch drei weitere Monate! Das werden noch viele neue Erfahrungen!“

 

Übersetzt von Ronja Fischer

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