Erste Eindrücke aus Porto-Novo

Vor ungefähr zwei Wochen bin ich nach Benin aufgebrochen, um die Möglichkeiten auszuloten, hier ein Auslandssemester zu machen. Da das Semester erst Ende Oktober beginnen wird, bleibt mir genug Zeit, vorher mein Französisch aufzubessern. Im Folgenden werde ich versuchen, meine ersten Gedanken und Eindrücke wiederzugeben:

(Variante 1) Wenn ich unterwegs bin, rufen mir die Kinder ständig „Yovo, Yovo“ hinterher und fangen auch noch an irgendeinen Song zu singen. Da frag ich mich manchmal, ob das vergleichbar wäre mit einem Kind in Deutschland, welches „Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann“ schreit. Oft bin ich mit meinem Fahrrad unterwegs, wobei ich ständig Angst haben muss, überfahren zu werden.

Die Wohnung, in der ich im Moment wohne, besteht aus zwei Zimmern, wobei das erste als Art Wohn- und Empfangszimmer genutzt wird und einem zweiten, in dem meine Matratze auf dem Boden liegt mit einem Moskitonetz drüber. Außerdem befindet sich an der Wand noch ein Regal. Einen Schrank gibt es nicht. Über einen kleinen Gang, aus dem ich nachts das Krabbeln von Kakerlaken hören kann, gelangt man dann in die Dusche mit Klo, wo der Duschhahn nicht geht. Außerdem gibt es noch eine kleine Küche. Die Wände der Wohnung sind aus Beton und völlig kahl. Lediglich im ersten Zimmer gibt es ein vergittertes Fenster in den Hof. In den von Mauern umzäunten Hof grenzen noch 7 weitere Wohnungen. Nach draußen gelangt man durch ein Tor, welches immer sorgsam abgesperrt wird.

(Variante 2) Wenn ich mich, leicht planlos, weil ich mich in der Gegend noch nicht so gut auskenne, auf den Straßen bewege, grüßen mich die meisten Personen und Kinder sehr freundlich: „Bon soir. Ça va?“ Oft bin ich auf meinem Fahrrad unterwegs, weil ich damit schneller die notwendigen Dinge erledigen kann. Dabei bin ich meistens mitten auf der Straße unterwegs und muss somit logischerweise beim Abbiegen etc. auf die anderen Verkehrsteilnehmer achten, die sich mit ihren deutlich schnelleren Motorrädern im Straßenverkehr leichter zurechtfinden.

Die Wohnung, in der ich im Moment wohne, liegt etwas außerhalb der Innenstadt von Porto-Novo. Ich würde die Lage als gut und ruhig beschreiben. Einkaufsmöglichkeiten sind in der Nähe und es ist auch nicht ab vom Schuss. Meine Wohnung besteht aus einem Eingangszimmer, welches ich im Moment als Arbeits-/Studierzimmer nutze und einem Schlafzimmer. Außerdem gibt es noch ein Badezimmer und eine gut ausgestattete Küche. Dazwischen befindet sich ein Gang, in den von oben Tageslicht hereinscheinen kann. In diesem Gang lagere ich im Moment auch noch meinen Müll, weil ich bei einigen Sachen nicht weiß, wo ich sie loswerden kann. Leider ist die Wohnung noch relativ kahl. Vielleicht werde ich mir in den nächsten Wochen die Mühe machen, ein paar Bilder aufzuhängen. Ich bewohne hier eine Wohnung von insgesamt 8. Mit den anderen Wohnungen teile ich mir einen gemeinsamen Innenhof, was den Vorteil hat, dass ich leichter ins Gespräch mit meinen Nachbarn kommen kann. Vor einigen Tagen habe ich z.B. einen Fernseher von einem Nachbar geliehen bekommen und kann jetzt französische Filme schauen!

Beide Varianten zusammen beschreiben meine ersten Eindrücke vielleicht am besten, aber es gibt auch Tage, an denen ich mehr zu Variante 1 bzw. 2 neige. 

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2 Kommentare zu “Erste Eindrücke aus Porto-Novo”

  1. Jana schreibt:

    Sep 03, 14 um 13:03

    Hey Marius,

    Schön, von dir und deinem Ankommen in Benin zu lesen!
    Deine beiden Varianten zeigen gut, wie man die dersten Eindrücke in Benin erleben kann. Ich glaube, die Idee mit den Bildern ist keine schlechte Idee 🙂 Ich hoffe du kannst die Zeit bis zum Semesterbeginn jetzt noch gut verbringen.
    Bin gespannt noch mehr von dir zu lesen!

  2. Charly schreibt:

    Sep 18, 14 um 11:53

    Hey Marius,

    ich war letztes Jahr in Benin und glaube, deine widersprüchlichen Gefühle nachvollziehen zu können. Die „Yovo“-Rufe haben mich anfangs auch sehr geärgert. Es ist aber nicht das gleiche, wie die Diskriminierung des „schwarzen Mannes“ in Deutschland oder anderswo, da diese auf strukturellen Benachteiligungen aufgrund äußerlicher Merkmale (Rassismus) basiert.
    Als weiße_r in den Globalen Süden zu reisen kann ein seltsames, ungewohntes Gefühl hervorrufen. Aber ich glaube, das ist Teil des wichtigen Prozesses, seine Privilegien zu erkennen und sich gegen Ungerechtigkeiten einzusetzen.
    Den Zusammenhang finde ich hier gut beschrieben: http://www.glokal.org/publikationen/mit-kolonialen-gruessen/ (ab S. 40 – „Wir als Opfer von Diskriminierung?“)

    Cool, dass du mit dem Fahrrad unterwegs bist, pass auf dich auf! 😉
    Porto Novo ist ne sehr angenehme Stadt glaub ich, war nur für einen Tag da. falls du noch nicht da warst, lass dich mal durch den botanischen Garten führen 🙂

    Eine gute Zeit wünsch ich dir!


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