Neues aus Kambodscha!

Kaum zu glauben, aber die Halbzeit ist für uns schon lang überschritten. Drei Monate sind wirklich kurz und die Zeit rast vorbei!!  Die Regenzeit beginnt so langsam und man merkt, dass alles um uns herum ein bisschen grüner wird. Und wenn es regnet, dann aber auch richtig! Beim letzten heftigen Regen waren wir damit beschäftigt, unsere Zimmer vor Überflutungen zu retten, was uns so halbwegs gelungen ist. Am Abend gab es dann eine Invasion von fliegenden Termiten – ja, wir freuen uns schon auf mehr davon in den nächsten Wochen ;) Dem Regen fällt dann leider auch mal der Unterricht zum Opfer, weil die Schüler dann natürlich nicht mit ihren Fahrrädern durch den Regen fahren wollen. Kam bisher zum Glück noch nicht so oft vor.

Auch an den zahlreichen Feiertagen findet kein Unterricht statt. Neulich war der Geburtstag des Königs, was natürlich drei Tage gefeiert werden muss. Wir haben die Zeit zum Reisen genutzt und haben im Norden Kambodschas, in Mondulkiri und Kratie den Dschungel, Wasserfälle, Elefanten, Plantagen, den Mekong  und nicht gesichtete Flussdelfine erkundet.

Aber wir sind auch immer wieder glücklich, zurück ins Dorf zu kommen und unseren inzwischen vorhandenen Alltag zu genießen. Morgens treffen wir uns meistens mit Sreyneang und Sreytouch, zwei anderen Lehrerinnen, zum Frühstück in einem kleinen Restaurant. Zur Auswahl gibt es zwei Gerichte – Reis mit Schweinefleisch oder Nudelsuppe mit Fleischbällchen. Jeder von uns hat schon sein Lieblingsfrühstück auserkoren, sodass die Leute dort schon wissen, was wir wollen. Umso besser J Vormittags machen wir jetzt zusätzlich noch eine weitere Stunde mit drei der anderen Lehrer, Kunthea, Sreytouch und Theng, die alle noch Englisch an der Uni studieren. Wir besprechen dann Themen (meistens Grammatik), mit denen sie noch so ihre Probleme haben und reden einfach viel mit ihnen. Auch wir beide lernen in diesen Stunden noch viel dazu und sind ganz froh, dass ein ehemaliger Freiwilliger ein Grammatikbuch zurückgelassen hat!

Ansonsten sind wir auch noch mit dem „Internet-Projekt“ hier gut beschäftigt. Schon seit mehreren Monaten gibt es an der anderen Schule der Organisation Sorya in Tropang Sdock kein Internet mehr. Der Mast, der dort einmal stand, wurde kurzerhand abgebaut, als die Firma pleite ging. Das Ziel ist es jetzt, überaus komplizierte Gerätschaften (fragt nicht!!) an beiden Schulen anzubringen, sodass die ca. 6km entfernte Schule in Tropang Sdock unsere Internetverbindung mitnutzen kann. Das Equipment dazu wurde teilweise aus Deutschland besorgt, weil es so etwas hier gar nicht zu kaufen gibt. Andere dafür benötigte Utensilien sind teilweise recht schwer zu beschaffen oder müssen selbst gebastelt werden (z.B. Verlängerungskabel usw.). Mit Hilfe langer Skype-Dates mit Deutschland sind wir schon kleine IT-Experten geworden und hoffen den Moment, wenn Tropang Sdock tatsächlich eine Internetverbindung hat, noch miterleben zu können solange wir hier sind! :D

Apropos Internet: Neulich hatten wir einen kleinen Jungen in der Klasse, der eine bestimmte Frage hatte, die wir so nicht direkt beantworten konnten. Also haben wir es im Internet nachgeschaut und ihm die Antwort in der nächsten Stunde mitgeteilt. Er war ganz erstaunt und hat gefragt, wie wir das denn jetzt rausbekommen hätten. Wir haben ihm dann übers Internet erzählt usw., aber jedenfalls haben wir dann das erste Mal realisiert, dass einige Schüler wirklich nichts über das Internet wissen. Hört sich komisch an, aber im Alltag merkt man das gar nicht so sehr, weil trotzdem einige Schüler auch Smartphones oder Tablets haben und manchmal sogar kleinere Versammlungen von Schülern vor der Schule sind, die das Internet nutzen. Jedenfalls haben wir dann zunächst Mal für diese eine Klasse einen Termin angeboten, wo wir den Schülern die Computerklasse gezeigt haben. Einen Termin zu finden ist leider ein Problem, weil in den Zeiten, in denen keine staatliche Schule stattfindet, die Computerklasse schon belegt ist. Alle waren zu unserem Termin da und manche Kinder wussten schon ein bisschen Bescheid, aber einige hatten wohl noch nie im Leben eine Maus bewegt. Also mussten wir echt langsam sein und erst mal Klicken und Enter usw. zeigen. Wir kamen dann über Google (Informationen und Bilder) und Youtube nicht hinaus, aber immerhin. Das Interesse war auf jeden Fall riesig und sie hatten nach einer Weile offensichtlich viel Spaß. Irgendwie war das für uns ein eindrucksvolles Erlebnis und auch ein bisschen traurig, dass vielen aufgeweckten, interessierten Schülern evtl. ein paar Möglichkeiten verwehrt bleiben. Wir hoffen, dass wir das wiederholen können und auch anderen Klassen die Möglichkeit geben können, zumindest einen kleinen Einblick zu bekommen, was mit Internet so alles möglich ist.

Neulich im Meeting kam außerdem das Kuh-Projekt (Mission Muh) zur Sprache, von dem wir kurz berichten wollen. Sorya besitzt einige Kühe, welche an bedürftige Familien im Umkreis „verliehen“ werden. Die Familie ist für die Pflege und Unterbringung der Kuh verantwortlich. Ziel ist es, dass die Kuh ein Kalb gebärt, was die Familien dann behalten dürfen. Dieses Kalb kann den Familien dann als Grundstock einer eigenen Herde dienen, kann als Zuchtbulle in Betracht kommen und gute Dienste in der Feldarbeit leisten. Ist erst mal ein Kalb geboren, wird die Mutter-Kuh an eine neue Familie gegeben. Einer der Lehrer kümmert sich mit Hilfe von Experten um das Kuh-Projekt, wenn es z.B. wie neulich darum geht, eine neue Kuh zu kaufen. Die alte Kuh hatte schon einige Kinder geboren und wurde deshalb verkauft und durch eine neue, jüngere Kuh ersetzt. Da die alte Kuh schon größer und kräftiger war, konnte sie sogar für mehr Geld (ca. 570 Dollar) verkauft werden, als die neue, jüngere gekostet hat. Wir finden das ist ein tolles, beständiges und nachhaltiges Projekt!

Hier gibt es noch ein paar Bilder aus der ABC-class:

 

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