Die ersten Wochen in Kambodscha

„Kambodscha? Was machst du denn in Kambodscha?“

Das war wohl die am häufigsten gestellte Frage, bevor es für uns Ende März bzw. Anfang April auf die Reise in ein bis dahin – trotz vieler Erzählungen, Bücher, Filme, Bilder und Reiseführer – unbekanntes Land ging. Die Antwort: Während unseres dreimonatigen Aufenthaltes in Kambodscha werden wir an einer Schule, die zusätzlich zum Unterricht der öffentlichen Schulen kostenlosen Englisch- und Computerunterricht anbietet, als Assistant Teacher Englisch unterrichten.

Inzwischen sind wir schon seit mehr als einem Monat hier und absolut begeistert! Kambodscha ist großartig und wir fühlen uns hier sehr wohl. DANKE weitblick, dass du das Mitwirken in diesem tollen Projekt der Organisation „Sorya“ möglich machst.

Tropeang Trea, ca. 60 Kilometer südlich der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh: In diesem Dorf befindet sich das Schulgebäude, in dem von Montag bis Donnerstag der Englischunterricht stattfindet. Hier haben wir, Ines und Christina, auch unsere Unterkunft, sodass Tropeang Trea unser kambodschanisches „zu Hause“ ist. Die Hauptaufgabe während unseres Aufenthaltes ist natürlich das Unterrichten. Doch hier gibt es noch soooooo viel mehr zu entdecken und zu sehen:

Schon morgens, auf dem Weg zum Frühstück, das wir meistens in einem kleinen Restaurant in der Nähe der Schule essen, schallen uns von allen Seiten die „Hello, Hello“-Rufe der jüngsten Kambodschaner entgegen. Auf unser Winken antworten die Kinder mit einem breiten Lächeln – ein schöner Start in den Tag!

Gegen 9 Uhr treffen wir die anderen Lehrer, Srey Neang, Srey Touch, Kunthea und Teng in der Schule, besprechen gemeinsam den Tagesablauf und die Gestaltung des Unterrichts oder nutzen die Zeit, um Unterricht vorzubereiten oder ein wenig im Internet zu surfen.

Von 11 bis 12 Uhr findet dann die erste Unterrichtsstunde statt: Die Headstarters unterrichte ich (Christina) gemeinsam mit Theng. Unser Ziel: Sprechen, Sprechen, Sprechen! Zwar haben die Schüler in den öffentlichen Schulen auch Englischunterricht, leider berichten sie aber immer wieder, dass der Unterricht auf der Landessprache Khmer abgehalten wird und es kaum Gelegenheiten gibt, sich auf Englisch auszutauschen und die Sprache so tatsächlich auch anzuwenden. Thematisch beschäftigen wir uns beispielsweise mit Sehenswürdigkeiten verschiedener Länder sowie den Wochenend- und Ferienplänen der Schüler. Aber auch aktuelle Probleme im Land werden angesprochen und diskutiert. Der größte Unterschied zum Unterricht in Deutschland ist die Motivation der Schüler: Allen ist anzumerken und anzusehen, dass sie wirklich Englisch lernen wollen und den Unterricht freiwillig besuchen. Das ist ein wunderbares Gefühl, weil sich alle Schüler im Unterricht beteiligen und glücklich sind, Englisch lernen zu dürfen.

Anschließend haben wir eine längere Mittagspause. Meistens schwingen wir uns dann aufs Fahrrad und fahren zum nahegelegenen Markt, um für unser Mittagessen einzukaufen. Unsere Leibspeise: Reis mit einer riesigen Wok-Pfanne gebratenem Gemüse. Aber auch Bratkartoffeln, Omelette und Pfannkuchen standen schon auf dem Speiseplan. Nach dem Essen bereiten wir den Unterricht für den Nachmittag vor oder nutzen die Zeit, um auf der Dachterrasse (Oberknaller!) in einer der Hängematten zu entspannen.

Zwei weitere Unterrichtsstunden finden nachmittags von 16 bis 18 Uhr statt. Zunächst unterrichten wir gemeinsam mit Kunthea die Beginners, bevor es für mich (Christina) anschließend mit Srey Neang zu den Pre-Intermediates geht. Auch hier besteht das Haupt-Unterrichtsziel darin, die Schülerinnen und Schüler zum Sprechen zu motivieren. Besonders die Beginners sind teilweise noch etwas schüchtern und haben Angst, Fehler zu machen, doch wir geben unser Bestes, alles aus ihnen herauszukitzeln und ihnen vor Augen zu führen, wie gut ihre Sprachkenntnisse eigentlich schon sind. Die Pre-Intermediates besuchen die Klasse mit dem höchsten Level und stehen kurz vor ihrem Schulabschluss. Mit ihnen kann man sich richtig gut auf Englisch unterhalten und es gibt durchaus Stunden, in denen wir einfach nur aktuelle Themen diskutieren oder in denen ich über meine Heimat ausgefragt werde und im Gegenzug sehr, sehr viel über die kambodschanische Kultur erfahren darf.

Leider wird es hier abends bereits gegen 18:30 Uhr dunkel, sodass nach dem Unterricht noch Zeit für ein schnelles Abendessen im Hellen bleibt, bevor wir bei Kerzenschein den atemberaubenden Ausblick der Dachterrasse genießen.

Freitags findet gemeinsam mit allen Lehrern und Freiwilligen das wöchentliche Meeting statt, in dem aktuelle Themen besprochen werden, Neuanschaffungen, die Exams der Schüler usw.

Am Wochenende haben wir frei und nutzen die Zeit, um das Land zu erkunden: Der Hauptstadt Phnom Penh haben wir schon mehrere Besuche abgestattet und während einer schulfreien Woche an Khmer New Year sind wir nach Battambang und Siem Reap gefahren und haben das Weltkulturerbe Angkor Wat besichtigt – atemberaubend!.

So lässt sich der Ablauf einer „normalen“ Woche in etwa ganz gut zusammenfassen. Allerdings wird diese nüchterne Beschreibung in keiner Weise dem gerecht, was Kambodscha sonst noch so zu bieten hat: Jeden Tag bestaunen wir den Ausblick von der Dachterrasse auf Reisfelder, unzählige Palmen und goldene Pagodendächer. Auf dem Markt ist immer etwas los und es macht unheimlich Spaß, das Treiben dort zu beobachten, während man seine Lebensmittel an einem der unzähligen Marktstände kauft. Besonders gefallen uns die Mangobäume direkt auf dem Gelände der Schule, an denen man sich immer wieder bedienen kann. Zwischendurch ist das Hupen der unzähligen Motos zu hören, auf denen wirklich alles transportiert werden kann – von einer fünfköpfigen Familie bis hin zu einer Ladung Reissäcke. Und an jeder Ecke gibt es Leckereien, wie mit Reis und Kokosnuss gefüllte Teigtaschen, unzählige Obstsorten, leckeren Zuckerrohrsaft, Iced Coffee… Wir lassen es uns also gutgehen!

Besonders schön: Das Lächeln, mit dem wir hier überall empfangen werden! Und auch wenn unsere Khmer-Kenntnisse noch ziemlich zu wünschen übrig lassen und wir uns nicht immer verständlich machen können, so haben wir doch das Gefühl, sehr herzlich willkommen zu sein. Nach inzwischen vier Wochen fühlt sich nicht mehr alles so fremd an und wir sind tatsächlich angekommen – in Kambodscha, das vor einem Monat noch sooo weit weg erschien!

Einige Bilder gibt es bei Facebook!

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