Kinderrechte im Radio – Ein ASA-Projekt in Benin

Was sagen Kinder über Kinderrechte? Welche Rechte hat ein Kind?

“Erstmal hat es ein Recht auf Leben. Ein Kind hat Recht auf Bildung. Ein Kind hat Recht auf Freizeit.”

“Ein Kind hat das Recht von seinen Eltern beschützt zu werden.”

“Im Gegensatz zu denen, die ihre Kinder in andere Familien geben, hat das Kind ein Recht darauf, bei seinen Eltern zu leben, glücklich zu sein, in einer gesunden Umwelt zu leben.”

Diese und andere Rechte kennen viele Kinder in Benin. Allein, die Umsetzung dieser Rechte fällt oft schwer, angesichts der geringen Mittel die Staat und Familien oft haben. Auch die Kinder, von denen diese Aussagen stammen, haben schon Verletzungen ihrer Rechte erlitten: Wir haben sie in einem Kinderheim in Natitingou befragt. Dorthin kommen Kinder aus der gesamten Region, deren Eltern tot sind, oder sich nicht um sie kümmern können oder wollen und oftmals zum Arbeiten in andere Familien geben. Die sogenannten “Vidomégons” leben oft im Schatten, verrichten viel Hausarbeit für die Verwandten oder Bekannten der Eltern, gehen nicht zur Schule.

Benin hat 1990 die UN-Kinderrechtskonvention unterzeichnet (übrigens deutlich früher als Deutschland) – die Kinder haben daher das Recht, bis mindestens zum Ende des 14. Lebensjahres zur Schule zu gehen, und vor Ende des 18. Lebensjahres keine schweren oder gefährlichen Arbeiten zu verrichten. Viel hat sich getan seit 1990, bspw. ist die Grundschulbildung inzwischen gebührenfrei, Mädchen dürfen bis zum Realschulabschluss kostenfrei zur Schule gehen. Das starke Bevölkerungswachstum und wirtschaftliche Stagnation setzt der besseren Umsetzung der Kinderrechte aber Grenzen.

Mit diesem Themenfeld haben wir uns zwei Monate lang beschäftigt, im Norden Benins, Natitingou, beim Gemeinderadio Nanto FM. Das Praktikum ist ein Projekt im Rahmen des ASA-Programms, das v.a. vom BMZ gefördert wird. Eine interessante und sehr lehrreiche Zeit für uns! Wir haben sechs längere Radiobeiträge produziert, zu Themen wie Bildung, Kinderarbeit, Gewalt gegen Mädchen. Die Beiträge und der Bericht zum Projekt mit Zusammenfassung und Reflektion unserer Tätigkeit sind hier zu sehen (die Radiobeiträge auf Französisch, dafür aber der Projektbericht auf Deutsch).

Nanto FM ist ein lokales Radio, dass sich selbst als Radio für die Entwicklung von allen für alle bezeichnet. Im Programm finden neben den Nachrichten als Hauptbestandteil Call-In-Formate, Diskussionssendungen und auch z.T. staatlich geförderte Formate für die Sensibilisierung z.B. für Menschenrechte oder effiziente Landwirtschaft Platz. Warum gerade Radio als Format für Sensibilisierungen?

“Fürs Radiohören braucht man keinen Strom, das geht mit Batterien, und vor allem: Man muss keine Lese- und Schreibfähigkeit haben, die man vielleicht fürs Zeitung lesen braucht. Das Radio erreicht also doch sehr, sehr viele Hörer im Gegensatz zu anderen Medien, die viel größeren Aufwand voraussetzen.” Das sagt Tilo Grätz, der Ethnologe an der FU Berlin ist und u.a. auch bei Nanto FM geforscht hat. Ein sehr spannendes Kommunikationsmittel mit nach wie vor viel Potential, wie ich finde! In Natitingou ist vor allem wichtig, dass die Informationen nicht nur in der offiziellen Sprache Französisch, sondern auch in verschiedenen lokalen und regionalen Sprachen angeboten werden. Da Viele Französisch nicht verstehen, haben sie keinen Zugang zu nationalen Fernseh- oder Radiosendern oder Zeitungen. Das Lokalradio ist also ihre einzige Quelle journalistischer Informationen und Forum für Diskussion zum Zusammenleben und Politik. Wer mehr über Radio in Westafrika allgemein und Gemeinderadios in Benin speziell erfahren möchte, dem seien ein Interview mit Tilo Grätz und eine Studie von ihm ans Herz gelegt.

Zum Ende noch ein sehr schönes Zitat von einem unserer Interviewpartner, dem Koordinator von Plan Bénin in Natitingou: „Die Kinder sind das Fundament, auf dem sich die Nation baut. Seine Rechte zu achten, ist eine Verpflichtung des Staates. Auch eine Verpflichtung der Bevölkerung, denn der Reichtum der Bevölkerung, das sind die Kinder. Ich möchte also die Leute, die Gemeinden, einladen, Kinderrechte zu ihrer obersten Priorität zu machen. Denn es sind die Kinder, die die Zukunft unseres Landes gestalten werden.“

Übrigens nicht nur die Zukunft Benins, auch Deutschlands.

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1 Kommentar zu “Kinderrechte im Radio – Ein ASA-Projekt in Benin”

  1. Brigitta Kovermann schreibt:

    Jun 07, 16 um 18:20

    das Projekt hat mir gefallen und ist ein wichtiger Baustein im Demokratiesierungsprozess eines Landes. Ich möchte Sie in diesem Zusammenhang auf einen wichtigen internationalen Kongress “Rencontre Internationale des Educateurs Freinet” (RIDEF) in Dogbo – Bénin 2016 (vom 18.Juli-27.Juli 2016) mit dem Thema “L’EDUCATION A LA CITOYENNETE POUR UNE DEMOCRATIE PARTICIPATIVE” hinweisen. Weitere Infos unter http://www.fimem-freinet.org
    Ich wünsche mir, dass Pädagogen in Benin weiterhin für die Stärkung der Kinderrechte eintreten werden und mit dem RIDEF wollen wir viel dazu beitragen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Brigitta Kovermann
    PS: auf der Freinetseite finden Sie Infos auf Deutsch unter dem Stichwort Internationales


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