Go Kenya 2014-wo ist die Zeit geblieben?

Nun sind schon 3 Wochen auf dem Bau zu Ende. Kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergeht. Zudem haben wir uns so schnell eingelebt, trotz der absoluten Andersartigkeit des Landes, dass wir uns so fühlen, als wären wir schon viel länger hier. Außerdem prasseln täglich so viele neue Eindrücke auf einen ein, dass man gar nicht alles verarbeiten und aufnehmen kann.
Auf der Baustelle kommen wir gut voran, auch wenn man nach der ersten Woche einen viel größeren Fortschritt sah. Die ersten Wände waren schneller hochgezogen, als gedacht.
Jetzt beginnt die Arbeit, die längere Zeit in Anspruch nimmt und man weniger Resultate sieht.
Auch gab es krankheitsbedingt den einen oder anderen Ausfall, aber jetzt stehen die Mauern und sind schon verputz, das Dach ist zur Hälfte fertig und nächste Woche bekommt der Klassenraum endlich Farbe. Für die Fenster haben wir uns ein knalliges limette-grün ausgesucht.

Die Hitze der prallen Sonne setzt einem schon ganz schön zu, 45° C haben wir letzte Woche auf dem Bau gemessen. Täglich stehen wir von 8 bis 16.30 Uhr (na gut, mit etwas Verspätung, wir haben uns dem afrikanischen Rhythmus schon gut angepasst) auf dem Bau.

Staub, Schmutz, Hitze, Sonnencreme, Zementsäcke schleppen, Schweiß, Steine schleppen und zerhacken Mörtel und Beton mischen, Kinder, die gespannt zuschauen, blauer Himmel, knallende Sonne, Palmen, Schubkarren schieben, Gräben ausheben, sägen, meißeln, mörteln, streichen, schippen, hämmern… Das macht unseren Tag auf der Baustelle aus.

Die Arbeit läuft etwas anders ab, als man sich einen deutschen Bau vorstellt. Es sind wenig Werkzeuge und keine Maschinen vorhanden. Kiloweise mischen wir Beton und Mörtel mit Schaufeln an. Außerdem scheint alles ein bisschen „kombo“ (krumm). Eine Wand ist höher, als die Andere, die vorher ausgemessene Dachkonstruktion passt dann doch nicht und ein Tag mehr als nötig geht dafür drauf, Fehler, die vorher durch Ungenauigkeit gemacht wurden, wieder auszubügeln. Unser Baugerüst sieht auch etwas zusammengeschustert aus, doch irgendwie funktioniert und hält dann doch alles (mehr oder weniger).
Mit der Sicherheit nehmen es die Bauarbeiter auch nicht so ernst. Während wir Stahlkappenschuhe tragen, laufen sie teils nur mit Flip Flops herum (und das bei herumliegenden Nägeln, Holz, Werkzeugen etc. …) und bei einer offenen Fußverletzung wird auf Frauenballerinas umgestiegen. Zugegebenerweise ein lustiger Anblick.

Mit den kenianischen Arbeitern bilden wir ein super Team. „Pole-pole“ (langsam-langsam), „hakuna matata“ (kein Problem), „Rafiki“ (Kollege) und „Alles klar, Kollege?“ hört man des öfteren auf der Baustelle.

Auf die „New Fuhara School“, für die wir gerade ein weiteres Klassenzimmer bauen, gehen ca. 280 Kinder in die Klassen 1-8. Im Moment findet der Unterricht für 3 Klassen, im Schatten der Bäume, auf dem Schulhof statt.
Mittags bekommen die Kinder ein Mittagessen, das durch Spenden finanziert wird. Für viele Kinder die einzige „richtige“ Mahlzeit am Tag und Anreiz, die Schule zu besuchen und nicht zu Hause etwa Ziegen zu hüten.
Gerade einmal 100 Kinder sind in der Lage die Schulgebühren von ca. 2 Euro monatlich aufzubringen, die restlichen Kinder dürfen die Schule trotzdem besuchen.
Zu Essen bekommen die Schüler meistens Bohnen mit Ugali (Maisbrei), Mais oder Reis. Nicht sehr schmackhaft, aber sehr sättigend. Die Kinder hocken dann verteilt auf dem Schulhof und verdrücken Portionen (mit den Händen), die wir niemals schaffen würden. Wenn wir mit den Kindern mitessen teilen wir uns eine Portion zu dritt und sind trotzdem papp satt.

Die Kinder der Grundschule sind noch unbedingt zu erwähnen. Wir haben so großen Spaß mit ihnen! Mittlerweile haben sie unsere Namen gelernt und suchen den Kontakt. Anfangs standen sie einfach nur staunend um uns herum und beobachten, wie wir bauten, während sie Stück für Stück näher kamen und den Kreis um uns enger zogen.
Gestern brachten wir Luftballons mit in die Schule. Unglaublich was für ein Spaß die Kinder damit hatten. Ihre Augen strahlten und sie tobten, vor Freude schreiend, über den staubigen Schulhof, den Luftballons hinterher.
Ein Anblick, der einem einfach das Herz aufgehen lässt.

Auch unsere bunt zusammen gewürfelte Gruppe aus 12 Stunden von „Weitblick“ lernen uns immer besser kennen und erleben tolle Sachen zusammen. Ob beim Palmweintrinken mit „Locals“ ( unseren Arbeiterkollegen) in einer Lehmhüttte (der eher weniger gut schmeckte), essen gehen am Strand, gemeinsam ein Feierabendbier genießen oder Ausflüge, wir haben Spaß zusammen und jeder genießt das „Afrikafeeling“ auf seine Art.
Matatufahren ist auch jedes Mal ein Erlebnis und wir haben Spaß daran unsere eigenen Rekorde zu brechen, mit wie viel Leute wir in ein Auto passen. Matatus sind Minibusse, die eine bestimmte Strecke abfahren und man per Handzeichen anhalten und zusteigen kann. Zugelassen sind die Autos für 14 Leute, doch mit 21 Leuten schafften wir es auch schon das Auto gut auszufüllen. Mit afrikanischer Musik geht es dann eng gedrängt auf wilde Fahrt. Platz scheint es immer zu geben… im Notfall steht man halb stehend mit oder bei offener Tür (sozusagen als Trittbrettfahrere).
Das Wort Trittbrettfahrer hat letzte Woche eine ganz neue Bedeutung für uns bekommen… in ein Auto mit 5 Sitzplätzen quetschten wir uns zu zwölft: 2 auf dem Beifahrersitz, 4 auf der Rückbank, 4 im Kofferraum und zwei draußen auf dem Trittbrett des Autos, sich bei geöffnetem Fenster im Inneren festhaltend. Nicht nur wir hatten Spaß =) auch die Kenianer stauten nicht schlecht über das „Muzungu-Auto“.

Am Wochenende machten wir eine Ausflug an die Südküste, an den wunderschönen Diani-Beach. Die Fahrt für 80 km dauerte etwas länger als 3 Stunden… vom Matatu auf die Fähre, dann weiter im Matatu und erneut umsteigen. Fahrten, indem man viel vom Land sieht und die Leute näher kennen lernt.
Als wir endlich am Strand ankamen, konnten wir unseren Augen kaum glauben. Das Wasser war so schön türkies, der Strand weiß, der Sand weich und Palmen ragten in Richtung Meer.
Wir konnten nicht so richtig so richtig realisieren, dass wir wirklich in dieser paradiesischen Umgebung waren und unsere Fotos keine Fotomontagen.

Leider weniger schön, und dennoch erwähnenswert, war der Anblick älterer, korpolenter, weißer Frauen, die Hand in Hand mit „Beachboys“ (jungen keniansichen Männern) den Strand entlang liefen. Die Schattenseite des keniansichen Paradieses: Sextourismus.

Am Sonntag hatten wir einen tollen Tag bei einer Bootstour, auf dem Indischen Ozean. Highlight war absolut, als Delfine neben uns auftauchten, sie waren so neugierig, dass sie ihre Köpfe aus dem Wasser streckten, als wollten sie mal nachschauen, wer sie da so mit Booten unterwegs ist.
Das zweite Highlight folgte wenig später in einem Marinenationalpark, indem wir schnorchelten. Der Anblick der Korallenriffe und der bunten Fischschwärme war wunderschön und dann kreuzte auch noch eine Meeresschildkröte unsere Wege. Wir konnten so nah an sie ranschwimmen und sie schien sich kaum von unsere Anwesenheit stören zu lassen. Leicht (sie schien im Wasser zu schweben), glitt sie vor uns her. Ein wunderschönes, atemberaubendes Erlebnis.

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1 Kommentar zu “Go Kenya 2014-wo ist die Zeit geblieben?”

  1. Jürgen von Guionneau schreibt:

    Mrz 23, 14 um 13:31

    Liebe Hannah, vor ein paar Tagen hatte ich schon einmal ein paar Fragen zu Euren Bau-Aktivitäten gestellt. Aber der Kommentar scheint Dich nicht erreicht zu haben. Wir lesen mit allergrößtem Interesse Deine lebendigen und gut formulierten Schilderungen aus Kenia.
    Herzliche Grüße von Jürgen


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