GoKenya 2014 – die ersten Steine

An einem weiteren Arbeitstag beginnen wir die ersten Steine der Mauer zu legen. Innerhalb kürzester Zeit ist der Mörtel gemischt, Steine herbei geschleppt und die Ausbildung zum Maurer kann beginnen. Abba, Jona, Nico, Tony und Kahindi, unsere kenianischen Arbeiter und Kollegen erklären uns alles sehr geduldig. In der Mittagspause sitzen wir mit ihnen zusammen unter den Bäumen am Schulhof und testen gemeinsam das alltaegliche Mittagsmahl der Schule. Auch die Kinder werden zutraulicher, singen für uns, tanzen und fragen nach unseren Namen. Insgesamt mauern wir fünfeinhalb Reihen, so viel wie bisher keine Gruppe vor uns. Ob das an unserer ungebremsten Motivation liegt oder der größeren Gruppenanzahl zu schulden ist, sei vorerst dahin gestellt J Nach Feierabend laufen wir mit Kahindi, der mit uns im Haus schläft, zusammen über Schleichwege zurück ins Dorf. Von überall her kommen freundliche Jamborufe und neugierige Blicke. Für uns eine sehr intensive Erfahrung, so nah an der Bevölkerung zu sein. Lehmhütten, kleine Gärten in denen selbst angebaut wird, Ziegen weiden am Wegrand, Kinder laufen uns hinterher, winken uns zu und lachen. Auf der anderen Seite, haufenweise Müll, Tiere wie Menschen leben zusammen auf, mit und unter dem Müll, an einigen Stellen sieht man kleine Müllberge die in der Sonne verdampfen oder verbrannt werden. Der zunächst paradiesische Eindruck wird durch diese sehr stark auffallende Armut schnell getrübt.

Zu Hause angekommen bereitet Mariam das Essen vor und für uns beginnt das grosse Reinemachen. Staub und Zement sind sehr hartnäckig und kleben teilweise auch nach dem Duschen noch auf der Haut.

Plötzlich ein Schrei aus der Küche, es riecht nach Gas. Flammen lodern bis zur Decke. Der Gasherd und die dahinter liegende Plastiksteckdose und Neonlampe haben irgendwie Feuer gefangen! Nach kurzzeitiger Panik und Flucht aus dem Haus (gibt es in Kenia eigentlich eine Feuerwehr?) stellt sich Tjorven der Gefahr und dreht den Gashahn zu, niemandem ist etwas passiert.

Am nächsten Morgen folgt die nächste Überraschung, Powercut, kein Strom. Der Transformator an der Straße hat vom nächtlichen Gewitter Schaden genommen. Doch das hält uns nicht ab. Das Frühstück wird mit Taschenlampenbeleuchtung angerichtet und das Duschen ist vor der Arbeit ohnehin sinnlos. An der Schule angekommen packen alle mit an und die Grundmauern wachsen stetig. Um nach mehreren Reihen Steinen effektiv weiter arbeiten zu können wird ein Holzgerüst gebaut. Die Gerüstkonstruktion wirkt auf den ersten Blick sehr abenteuerlich, bestehend aus dünnen Baumstämmen, dünner Schnur und Holzbolen, welche beim Betreten der Form eines Flitzebogens gleichen. Doch auch mit einfachen Materialien lässt sich alles sehr stabil errichten.

Die Mittagspause wird für einen Powernap und eine Stärkung mit Sandwiches genutzt. Zudem bringt uns ein Boda-Boda-Mann (eine Art Kurier- und Taxifahrer auf einem Motorrad) eine Zuckerration, bestehend aus Cola, Fanta und Sprite. Als dann der Trinkwassertank der Schule aufgefüllt wird, rennen alle Kinder auf den Schulof und rufen „water, water“. Auch wir freuen uns darüber, endlich nicht mehr darüber nachdenken zu müssen, wie viel man trinken darf. Ein erfolgreicher Tag geht zu Ende und das Feierabendbierchen wird ersehnt. Dabei lassen wir den Tag auf unserer Terrasse ausklingen. Und machen unser allabendliches Blitzlicht – eine Feedbackrunde, bei der jeder kurz seine Eindrücke des Tages teilen kann. Insgesamt gefällt es allen sehr gut, wir genießen die Gruppendynamik und lernen uns immer besser kennen. Eine tolle Truppe!!!

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1 Kommentar zu “GoKenya 2014 – die ersten Steine”

  1. Jürgen von Guionneau schreibt:

    Mrz 19, 14 um 20:49

    L.H., alle nehmen wir teil an Euren Erlebnissen und Bauaktivitäten. Deine Schilderungen sind außerordentlich interessant und bildhaft.
    Es kam die Frage auf, mit welchen Steinen baut Ihr? Sind es große Hohlblock-Ziegel? Ihr mauert doch nicht frei nach Schnautze? Auf den kleinen Bild sind weder Richtschnur, noch Richtlatte oder Wasserwaage zu sehen! Schreib doch mal was darüber. Herzlichst grüßt Opi Jürgen


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