Zu Besuch beim Käfer Goliath und weiteren Artgenossen

Hallo zusammen,

diese Woche ist mal wieder etwas anders verlaufen, als ursprünglich
geplant. Zunächst haben die Arbeitnehmer in Porto Novo für drei Tage
gestreikt, sodass auch am INJEPS der Unterricht zum größten Teil
ausgefallen ist und sich die Arbeit von Lambert und mir deutlich
verzögert hat. Immerhin hat es in der Woche noch mit einem Treffen mit
dem Direktor geklappt, bei dem wir über das weitere Vorgehen bzgl. des
Projektes sprechen konnten. Im Anschluss wurden Lambert und ich noch
zum neuen Jahr vom Direktor zum Essen eingeladen, bei dem wirklich ein
sehr interessantes Gespräch über Voodoo und die Polygamie in Benin
aufgekommen ist.

Am Freitag den 10. Januar stand dann der nächste Feiertag auf dem
Plan: Tag des Voodoo.  Generell ist es wirklich sehr spannend, hier in
Benin einen Eindruck von den unterschiedlichen Religionen zu erhalten,
die alle friedlich nebeneinander existieren. Heute ist zum Beispiel
schon wieder der nächste muslimische Feiertag für die gesamte
Bevölkerung und eine Moschee und eine Kirche sind nebeneinander keine
Seltenheit. An dieser Toleranz der Religionen können sich andere
Länder wirklich mal ein Beispiel nehmen…

Das größte Highlight der Woche war jedoch gestern mein Besuch im
IITA-Zentrum (International Institute of Tropical Agriculture), in dem
hochrangige Forscher arbeiten, die in der Vergangenheit bereits
zweimal eine Art „landwirtschaftlichen Nobelpreis“ erhalten  haben.
Mein Besuchsgrund bestand vorrangig darin, mir eine der größten
Insekten-Sammlungen Westafrikas anzuschauen, die von Herrn Dr. Georg
Goergen über 20 Jahre aufgebaut worden ist.

Doch wie kam es überhaupt zu der Bekanntschaft mit dem renommierten
Forscher? Auf meinem Flug nach Benin musste ich in Paris umsteigen,
wobei auf meinem Ticket eine etwas missverständliche Angabe bzgl. des
Abflug-Gates stand. Als ich das falsche Gate passieren wollte, hat
mich der Flughafen-Mitarbeiter davon abgehalten. Er konnte mir aber
auch nicht sagen, wo ich genau hinmusste. Nach kurzer Zeit, kam ein weiterer
Flug-Passagier, der scheinbar das gleiche Problem hatte wie ich, jedoch den Vorteil besaß französisch zu sprechen.

Ich habe mich also bei ihm auf deutsch erkundigt, wo wir nun hinmüssen
und so sind wir ins Gespräch gekommen und gemeinsam zum richtigen Gate
gesteuert. Dort angekommen, haben wir die Mitteilung erhalten, dass
der Flieger aufgrund technischer Probleme erst später starten würde.
Dies hat mir die Möglichkeit gegeben, innerhalb der nächsten 3 Stunden
von Georg einiges über Benin und seine Arbeit als Forscher zu erfahren
und zum Schluss haben wir natürlich noch die Kontaktdaten für einen
möglichen Besuch im Institut ausgetauscht. So einfach lernt man durch
mangelnde Sprachkenntnisse neue Leute kennen 🙂

Tja und so war ich gestern am Institut und durfte mal einen Eindruck
von einem ganz anderen, spannenden Berufsfeld in Benin erhalten. Georg
forscht vor allem in dem Bereich des Pflanzenschutzes und ist gerade
damit beschäftigt, Benin von der Schmierlaus zu befreien, die für
viele Pflanzen sehr schädlich ist. Als ein sehr geeignetes
„Gegenmittel“ wurde von dem Forschungs-Team eine Mikrowespe identifiziert, sodass das Problem innerhalb kürzester Zeit stark eingedämmt werden konnte.

Außerdem habe ich noch einige Tiere der insgesamt 325.000
Ausstellungsstücke gesehen, wobei vor allem die Schmetterlinge, die
Vogel-Spinnen und der Riesen-Käfer „Goliath“ sehr eindrucksvoll waren.
Muss aber zugeben, dass ich viele Tiere hinter dem Glas bevorzuge und
diesen niemals in freier Natur oder besser noch in meinem eigenen
Zimmer begegnen möchte…

Fand es allerdings auch sehr interessant, als Georg erzählt hat, dass
er eine der Vogelspinnen selbst eingefangen hat. Nicht ganz ungefährlich, aber was tut man nicht alles für die Forschung…

Und so war es wirklich ein sehr spannender Nachmittag und morgen geht
es (hoffentlich) mit Hochdruck beim Projekt weiter.

Euch eine schöne Woche.

Viele Grüße
Angela

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