Verlängerung in Benin – Auf in die 2. Halbzeit mit meinem neuen Fahrrad

Hallo zusammen,

viele von euch wird es mit Sicherheit nicht verwundern, wenn ich euch heute mitteile, dass ich meinen Aufenthalt in Benin bis Mitte Februar verlängern werde und somit gerade erst die Halbzeit meiner Reise überschritten ist. Meine Entscheidung dazu  ist  bereits vor einigen Wochen gefallen, doch heute habe ich die offizielle Verlängerung meines Visums erhalten, sodass ich nun auch ganz sicher sein kann, dass ich weiterhin in Benin willkommen bin. :-)

Grundsätzlich muss ich einfach sagen, dass die Zeit hier unten wie im Flug vergangen ist und ich habe eigentlich erst jetzt das Gefühl, so richtig in Benin angekommen zu sein.  Die Studenten des INJEPS  grüßen freundlich am Campus, die Leute in meinem Viertel  haben sich daran gewöhnt, dass ein Yovo unter ihnen weilt, die Wohnung ist mehr oder weniger eingerichtet und immerhin verstehe ich mittlerweile auch ca. 50% von dem, was mir die Leute so erzählen, auf Anhieb . Es war deswegen einfach nicht für mich vorstellbar, bereits in fünf Tagen schon wieder in die Heimat zu fliegen, wo noch so viele Aufgaben vor Ort auf uns warten.

Das nette an der Geschichte ist dabei mal wieder die Gastfreundschaft des Direktors. Ich hatte irgendwann einmal erwähnt, dass ich mir sehr wahrscheinlich ein Fahrrad kaufen werde, wenn ich meinen Aufenthalt tatsächlich auf 5 Monate ausweiten sollte. Das haben sich Lambert und der Direktor scheinbar ziemlich gut gemerkt und so war ich echt mega überrascht, als Lambert beim letzten Besuch in Cotonou  plötzlich mit mir vor einem Fahrrad-Laden stand, um mir das neue weitblick-Fahrrad zu präsentieren, das der Direktor uns für die Zukunft zur Verfügung stellt. Ihr könnte euch gar nicht vorstellen, wie sehr sich mein Münsteraner Herz darüber gefreut hat! :-)

Das heißt seit einer Woche fahre ich nun also mit meinem neuen Rad die 3-4 Kilometer zum INJEPS und freue mich, dass ich mich zum einen mehr bewegen kann und zum anderen auch einfach mal dort anhalten kann, wo ich gerade möchte.

Dass die Leute vermutlich noch ein wenig mehr Yovo rufen würden, hatte ich mir schon fast gedacht, da in Benin kaum jemand das Fahrrad nutzt (schätzungsweise 70% Motorräder, 29,999% Autos + LKWs und vielleicht 0,001% Fahrräder, wenn überhaupt). Allerdings musste ich doch sehr schmunzeln, als ich an einem Tag den Berg zu mir nach Hause hochgestrampelt bin und plötzlich ein Roller mit zwei  unbekannten Leuten neben mir hergefahren ist, wobei einer der beiden mir seine Hand angeboten hat, damit sie mich den Berg hochziehen können. Habe natürlich dankend abgelehnt, aber innerlich total gelacht.

Die Geschichte ging allerdings noch besser weiter. Am nächsten Tag war Fabrice noch abends auf ein Bier bei mir zuhause und so sind wir noch mal auf das Fahrrad zu sprechen gekommen. Er hat mir dann ganz behutsam erklärt, dass ein Fahrrad in Benin eigentlich nur von den Kindern genutzt wird und Erwachsene würden eher laufen, als dass Sie ein Fahrrad benutzen. Das hat dann also auch erklärt, warum sämtliche Fahrräder in dem Laden so dermaßen klein waren und es überhaupt schwierig war, eins zu finden, das halbwegs groß genug für mich war! :-)

Außerdem meinte Fabrice noch: als ich das erste Mal mit dem Fahrrad auf den Campus gefahren bin, dass ein Kumpel ziemlich aufgeregt zu ihm hingelaufen gekommen ist und meinte: „Fabrice, weißt du, was ich gesehen habe? Angela ist gerade mit dem FAHRRAD auf den Campus gefahren!!! Warum macht sie das? Sie ist doch nicht arm, oder? Warum kauft sie sich keinen Roller?!?“

Als mir Fabrice die Story erzählt hat, musste ich Tränen lachen, weil das einfach alles so verdreht ist hier in Benin. Und obwohl ich eigentlich wirklich versuche, mich an die Kultur anzupassen, so muss man manchmal im Leben Prioritäten setzen. Und so werde ich jeden Tag bei Sonnenschein mein Fahrrad nutzen, egal was die Leute darüber denken. Und wenn ihr euch meine Bildreihe anschaut, versteht ihr vielleicht auch warum… :-)

Und zum guten Schluss noch die letzte Geschichte in dem Zusammenhang: als ich einen anderen Tag am Campus angekommen bin, kam mir der Assistent des Direktors entgegen. Er lächelt mich freundlich an und meinte: Angela, du hast heute Morgen eine interessante Gesichtsfarbe. Und auch darüber habe ich noch nie nachgedacht: bei uns färbt sich der Kopf bei Bewegung von weiß in rot, bei den Beniner bleibt die Farbe immer gleich und man sieht höchsten ein paar Schweißperlen rollen. Eigentlich banal und trotzdem so anders….

Und damit wünsche ich euch eine schöne Woche.

Liebe Grüße
Angela

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