Erfahrungsbericht zu den Studienbedingungen in Benin

Hallo zusammen,

die letzte Woche war mal wieder sehr interessant, da ich einiges über die Studienbedingungen in Benin erfahren habe.

Durch Zufall hatte ich vor kurzem gehört, dass es momentan am Hauptcampus der Universität in Cotonou eine Deutsche gibt, die dort momentan Französisch und Geschichte auf Lehramt studiert. (Manchmal ist es ja doch praktisch, dass die Hautfarbe hier so auffällig ist). Und da es in Benin auch nicht so eng mit dem Datenschutz gesehen wird, wurde mir auch prompt die Nummer von ihr weitergegeben, sodass ich ihr direkt eine Nachricht schreiben konnte, ob wir uns nicht mal treffen könnten.

Wir haben also einen Termin ausgemacht und uns anschließend letzte Woche in Cotonou getroffen. Als ich sie gefragt habe, wie ihr das Studium gefällt, da meinte Sie: naja, es ist ja schon etwas ganz anderes als in Deutschland. Die Studienbedingungen sind ziemlich extrem und das würde sie doch manchmal sehr demotivieren.

Generell hat sie momentan eine Woche Uni und anschließend eine Woche frei, was insofern gut ist, da sie somit auch viel reisen kann.  In der Woche in der Sie allerdings studiert, hat sie Montags bis Mittwochs Kurse von 7h – 19h, Donnerstags frei, Freitags von 7h-19h und Samstags von 7h – 15h. Meist kommen viele Studenten allerdings schon um 6h morgens zur Uni, da es eigentlich immer Platzmangel gibt und man zumindest noch einen Platz im Vorlesungssaal erhalten möchte, da man von draußen sonst gar nichts mehr versteht.

Einen Platz bekommen, bedeutet dabei allerdings nicht wie bei uns, dass man sich auf einen Stuhl an einen Tisch setzt. Diese Gegenstände gibt es häufig in den Vorlesungsräumen in Cotonou nicht. Ein Platz bekommen bedeutet dort viel mehr, dass viele Studenten sich ihren eigenen Backstein mit in den Saal nehmen, auf den sie sich dann während der gesamten Vorlesung setzen können. Sitzt man dann allerdings zu weit hinten, so ist der Dozent auch wieder kaum zu verstehen…

Generell dauert dabei eine Unterrichtseinheit  4 Stunden ohne Pause, in der der Professor quasi ein Diktat für die Studenten führt, da es kaum Bücher oder Kopien gibt. Und da die Studenten ja auch etwas lernen wollen, wird in der Zeit auch überhaupt nicht gesprochen, sondern nur mitgeschrieben, was der Professor gerade gesagt hat (auf den Backsteinen ohne Tische).

Und auch zwischen den Unterrichtseinheiten gibt es keine Pause, außer wenn der nächste Professor zu spät kommt. Die Leute bleiben aber trotzdem in dem Vorlesungssaal, da ja ansonsten der Platz wieder weg ist. Fazit: die Leute haben mehr oder weniger 12h am Stück Unterricht ohne Pause, wobei viele dann auch zwischendurch abschalten, weil das körperlich einfach nicht mehr machbar ist.

Und auch abends ist das Studentenleben ganz anders als bei uns. Viele Studenten arbeiten am Abend den Stoff der Vorlesung nach und es wird kaum etwas zusammen unternommen. Ein weiterer Grund ist dafür sicherlich auch, dass sich viele Studenten die Freizeitaktivitäten einfach nicht leisten können. Möchte man also gerne etwas unternehmen, dann muss man die Leute schon einladen.

Als ich das gehört habe, war ich schon ziemlich platt. Aber Leonie meinte auch: sie möchte sich nicht beschweren, schließlich ist es nun mal ein anderes Land, und ihr gefällt es ansonsten wirklich super gut in Benin, da sie außerhalb der Uni auch viele andere (europäische) Leute in ihrem Viertel gefunden hat, mit denen sie jetzt einfach mehr unternimmt.

Auch wenn die Situation am INJEPS nicht ganz so extrem ist, wie in Cotonou, so gibt es auch hier viel zu großen Platzmangel, über den sich die Studenten und Professoren immer wieder beschweren. Es ist von daher also echt gut, dass der neue Campus im nächsten Jahr begonnen wird und zumindest ein Teil der Studenten in Benin dadurch bessere Studienbedingungen erhalten wird…

Damit möchte ich es heute erst mal wieder beruhen lassen und wünsche euch eine schöne Woche.

Viele Grüße
Angela

PS: Abschlussklausuren werden übrigens häufiger in der Kirche geschrieben, da es sonst nicht möglich ist, alle Studenten irgendwo unter zu bringen. Einfach nicht vorstellbar…

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