Mein Start in Porto Novo

Hallo zusammen,

seit 10 Tagen bin ich nun in Porto Novo und ich kann euch berichten, dass ich mich in der neuen Stadt sehr wohl und auch sicher fühle. Aber fangen wir mal von vorne an.

Als ich  mit Lambert bei meiner kleinen Wohnung angekommen bin, mussten wir zunächst noch auf den Handwerker warten, der das Moskitonetz über meiner Matratze anbringen sollte. Während wir im Innenhof standen, kam meine Nachbarin mit ihrem kleinen Kind auf dem Arm heraus. Für das Kind war ich wohl der erste „Yovo“, den es in seinem Leben gesehen hat und das hat ihm scheinbar überhaupt nicht gefallen. Je näher das Kind an mich herangetragen wurde, desto mehr hat es geschrien. Als ich das Kind dann auch noch vorsichtig berühren sollte, war es ganz vorbei. Ehrlich gesagt, diesen Moment, wo man als Weißer wie ein Alien wahrgenommen wird,  den werde ich wohl auch nie vergessen. Die Mutter fand es auf jeden Fall ziemlich amüsant, ist dann aber zur Beruhigung des Kindes auch erst mal wieder gegangen. Was für eine Begrüßung…

Bei meiner Unterkunft handelt es sich ansonsten um ein kleines Apartment, das aus zwei Zimmern, einer „Mini-Küche“ (Spülbecken und Gaskocher)  und einem kleinen Bad besteht. Grundsätzlich ist dies für beninische Verhältnisse auf jeden Fall vollkommen in Ordnung, aber trotzdem vermisse ich manchmal ein wenig den deutschen Komfort. Bisher besteht meine Einrichtung aus einer großen Matratze, einem Moskitonetz, einer Wolldecke für den Boden und ein paar Kochutensilien. Tisch und Stühle, ein Regal und evtl. ein Sessel kommen noch dazu und das war es dann auch schon. Aber man sieht auch mal, mit wie wenig man eigentlich auskommen kann.

Am nächsten Tag ging es erstmals alleine auf Erkundungs-Tour in meinem „Stadtviertel“. Leider haben nur die  wenigsten Straßen in Benin einen Namen (und als ich bei dem ersten Besuch in der Hauptstadt Porto Novo im Touristen-Zentrum nach einem Stadtplan gefragt habe, wurde ich nahezu ausgelacht). Da ich leider einen sehr schlechten Orientierungssinn besitze, musste ich mir also etwas anderes überlegen. Meine Lösung: Google Earth. Aber  was soll ich euch sagen: wenn man google mal wirklich gebrauchen könnte, dann ist darauf kein Verlass. Das Zentrum ist zwar grob aufgezeichnet, aber die Stadtviertel außerhalb des Zentrums werden nicht mehr angezeigt. Also Plan gescheitert und eine neue Idee musste her.

Mit einem Stift und einem Zettel bewaffnet, bin ich also losgelaufen und habe mir meine eigene kleine Karte gezeichnet. Irgendwie hat sich das angefühlt, wie bei dem Computer-Spiel Siedler oder Anno 1602, wo man die schwarzen Flächen mit Leben füllt. Hier gibt es Bananen und Ananas zu kaufen, dort drüben ist eine Schule. Hier gibt es Wasser und da vorne ist ein Frisör. Manchmal glaube ich selbst nicht, was ich hier alles mitmachen darf. :-)

Während ich so durch die Gegend gelaufen bin, wurde ich eigentlich auch von so ziemlich jedem, der mir auf der Straße entgegen gekommen ist, gegrüßt oder angesprochen. Am Anfang ist es noch relativ amüsant, nach ein paar Tagen wird dies jedoch auch manchmal etwas anstrengend. Aber auch daran gewöhnt man sich irgendwann und grüßt einfach nur noch freundlich zurück und geht weiter.

Der Start in das Projekt ist auch gut gelaufen. Die erste Woche diente zunächst dazu, mir einen Überblick über die Situation zu verschaffen und eine Aufgabenliste zu schreiben. Keine Ahnung, ob dies alles bis Dezember zu schaffen ist, zumal Termine hier auch recht flexibel nach hinten verlegt werden oder ganz ausfallen. Langweilig wird’s in keinem Fall und dementsprechend schaue ich einfach mal, wie weit ich komme.

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2 Kommentare zu “Mein Start in Porto Novo”

  1. Konigorski, Johannes schreibt:

    Okt 18, 13 um 15:16

    Hallo Angela Böddeker, deine ersten Eindrücke spiegeln die Erfahrungen der meisten “Jovos” bei ihrem ersten Besuch in Benin. Wobei ich sagen muss, dass du noch großes Glück hast, in einer solchen großen und bereits weit entwickelten Stadt untergekommen zu sein. Interessanter wird es dann noch, wenn du aufs Land fährst, in ein Dorf, ohne Wasser und Strom, ohne Matratze und ohne Moskitonetz…
    Aber für den Anfang und deine Arbeit ist es in Porto Novo sicherlich erst mal besser.
    Bin gespannt auf deine weiteren Erlebnisse und Fortschritte in Sachen UnibautUni.
    War mit meiner Frau Gabriele für 2 Wochen in Dogbo dem Sitz von pro dogbo und ESI und meine Tochter Sarah hat bei ESI ein 3-monatiges Praktikum gemacht. Wir sind nun seit dem 14.Oktober wieder in Kleve am Niederrhein.
    Lieben Gruß
    Johannes Konigorski

  2. Christian Szabo schreibt:

    Okt 23, 13 um 20:47

    An sich hast du doch einen guten Start gehabt. Eine kleine Wohnung mit Miniküche ist erst einmal ausreichend. Das Problem mit der Matratze und dem Moskitonetz lässt sich auch schnell lösen.


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