Beninische Gastfreundschaft

Hallo zusammen,

heute möchte ich euch ein wenig zu der Gastfreundschaft der Beniner berichten, die mir bisher in Porto Novo entgegen gebracht worden ist.

Letzte Woche wollten Lambert und ich kurz bei dem Direktor des INJEPS vorbei, um ihm mitzuteilen, dass ich jetzt mit der Projektarbeit gestartet bin und dementsprechend öfters auf dem Campus zu sehen sein werde.  Aus dem kurzen Treffen entwickelte sich dann jedoch eine Kette von Ereignissen, die quasi einen halben Tag in Anspruch genommen hat.

Erst wurde ich unterschiedlichen Personen am INJEPS vorgestellt. Anschließend hat sich der Direktor persönlich davon überzeugt, dass ich in einer sicheren Gegend wohne. Wir sind somit mit dem Auto des Direktors zu meiner Wohnung gefahren, er hat sich kurz mein Zimmer (sehr zufrieden) angeschaut und somit sind wir wieder zum INJEPS zurückgekehrt. Nach 20 minütiger Pause ging es weiter zu einer Schneiderin, die meine Maße aufnehmen sollte, um mich anschließend „wie eine Beninerin“ einzukleiden. Zum Abschluss sind wir wieder zum dem Restaurant gefahren, wo Schweine zubereitet werden. Ich hatte ja bereits berichtet, dass es sich hierbei um eine Delikatesse handelt. Beim Schweine-Essen waren noch Freunde des Direktors anwesend, die ihre Flasche Rotwein aus Bordeaux mit mir geteilt haben (habe natürlich gleich wieder an meine Sprachreise in Frankreich gedacht).

Auch ein paar Studenten ist es ziemlich wichtig, dass ich eine gute Zeit in Benin erlebe. So haben mich Jacques und Fabrice vorletztes Wochenende zu einem Ausflug eingeladen. Die Fahrt mit dem Moto hat  ca. 1 Stunde in Anspruch genommen, sodass wir zur Stärkung zunächst ein kleines Frühstück in einem „niedlichen Café“ (schätzungsweise 3m²) zu uns genommen haben.

Anschließend sind wir ein paar Meter durch den Wald gelaufen, um daraufhin mit dem Moto zu Jacques zuhause zu fahren. Allein die schöne Landschaft hat mich schon total begeistert, als wir dann jedoch bei Jacques zuhause angekommen sind, hat bereits die nächste Überraschung auf uns gewartet. Jacques hatte alle seine Nachhilfekinder von damals gebeten, zu ihm nach Hause zu kommen, um Fabrice und mich zu begrüßen. Die Kinder haben sich somit alle in einer Reihe aufgestellt und  für uns bei der Ankunft gesungen.

Nach dem Ständchen, haben wir uns alle in dem Wohnzimmer des Vaters niedergelassen, wobei im Hintergrund zunächst die deutsche Nationalhymne lief. War schon echt komisch, mitten im Nirgendwo dieses Lied zu hören. Danach wechselte die Musik in sehr entspannte Lieder um und wir haben mit dem Vater gemeinsam am Tisch gegessen. Der Vater hat dabei ziemlich lange über seine Ansichten und Religion gesprochen. Leider habe ich davon allerdings aufgrund des Französischen so gut wie nichts verstanden… Zum Abschluss hat mir noch der Junge, der ziemlich talentiert im Zeichnen ist,  ein Bild geschenkt.  Ich wusste gar nicht, was ich zu so viel Gastfreundschaft sagen sollte, aber das Bild werde ich definitiv gut aufbewahren, da es für mich das Zeichen der beninischen Gastfreundschaft ist.

Nach dem Besuch bei Jacques ging es weiter zu einem großen Fluss. Hier haben wir ein kleines Kanu aus Holz „gemietet“ und sind dann ein Stück auf dem Fluss gefahren . Das war irgendwie ein weiteres besonderes Erlebnis, zumal die Gebäude und die Lebensweise für mich immer wieder aufs Neue sehr beeindruckend sind. Nach einem ereignisreichen Tag sind wir wieder nach Porto Novo zurückgehrt und haben dort zum Abschluss ein Bier getrunken. Ihr seht, die Gastfreundschaft ist wirklich sehr, sehr groß in diesem Land…

Zum Abschluss noch die Antwort auf eine Frage, die bereits häufiger gestellt worden ist: und wie läuft es mit deinem Französisch? Ich kann berichten: nach 2 Monaten aktivem Französisch lernen (Bordeaux + Start in Benin) bin ich mittlerweile dazu in der Lage alleine zu überleben. Es besteht jedoch noch sehr, sehr großes Steigerungspotenzial…

Lambert hat es sich angewöhnt, möglichst einfache Wörter zu wählen,  sodass ich das meiste verstehe.  Wenn ich jedoch mit anderen spreche, muss Lambert häufig eine Übersetzung von Französisch auf einfaches Französisch leisten. Dies sorgt häufig bei den anderen Beninern für große Verwunderung, da sie ja schließlich auch Französisch mit mir gesprochen haben… Ansonsten muss ich allerdings feststellen, dass die Leute hier auch ziemlich gut im Raten sind, wenn ich mal wieder wild ein paar Wörter durcheinander in den Raum werfe. Vor kurzem hatte ich dann allerdings auch das erste „offizielle Treffen“ mit dem Partner-Verein ESI, wo ich ca. 1 Stunde über weitblick und das Projekt gesprochen habe. Das war dann schon eine ziemlich große Herausforderung und es ist für alle Beteiligten nicht  ganz so einfach. Trotzdem versuchen wir hier unser bestes und mit der Zeit wird es automatisch besser werden.

Euch eine schöne Restwoche.
Viele Grüße
Angela

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2 Kommentare zu “Beninische Gastfreundschaft”

  1. Konigorski, Johannes schreibt:

    Okt 29, 13 um 11:39

    Hallo Angela, leider hatte auch ich in der Schule kein Französisch und so kann ich keine Erfahrungen nur bestätigen. In Frankreich bei Urlauben gelerntes Französisch entspricht noch lange nicht dem beninischen Französisch. So kann ich inzwischen langsam schulfranzösisch sprechende Beniner zu großen Teilen verstehen. Mir ist es sogar schwer gefallen englisch sprechende beninische Englischlehrer zu verstehen. Ein echtes Problem. Sicherlich auch, wenn man eigentlich vorhat bei der Planung und dem Bau einer Uni tatkräftig “mitzureden”. :-) Ich wünsche dir viele tolle Erlebnisse und auch ein – wenn vielleicht auch langsameres als angedachtes – gutes Vorwärtskommen. Lieben Gruß Johannes Konigorski

  2. Konigorski, Johannes schreibt:

    Okt 29, 13 um 11:40

    keine Erfahrungen – soll natürlich = deine Erfahrungen – heißen. :-)


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