Verspäteter Reisebericht

 

Hallo zusammen,

Mit selbst für madagassische Verhältnisse gehöriger Verspätung melde ich mich zurück von der Reise durch Madagaskar. Als kurze Anknüpfung: Direkt nach dem letzte Bericht ging es zusammen mit den beiden anderen Freiwilligen Joana und Claudia, die nach dem Verlust der männlichen Verstärkung noch im Projekt verblieben sind, auf die Reise, um die Schulferien zur Erkundung des Landes zu nutzen. Trotz über drei Wochen Verzug, will ich nun doch noch versuchen einige der Eindrücke von ca. 2500 zurückgelegten Kilometern und einem durchschnittlich 6-stündigen täglichen Aufenthalt im Buschtaxi zusammenzufassen.

Zuerst sei eine plötzliche Dankbarkeit für die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Deutschen Bahn genannt. Nach dem dreimaligen erfolglosen Versuch vom madagassischen Zugnetz Gebrauch zu machen und entweder mit der Aussicht auf sechs Stunden Verspätung oder aber der Aussage „en panne“ morgens um sechs vom Bahnhof weggeschickt zu werden, hoffe ich, evtl. Wartezeiten an mit Wartebänken, McDonalds und sonstigem Schickschnack ausgestatteten Bahnhöfen mit mehr Gelassenheit sehen zu können. Gleichzeitig erscheint durch diverse Stunden in der hiesigen Langstreckenfortbewegung, in der sich minütlich jeder Zentimeter der überbelegten Sitzplätze erkämpft werden muss, selbst der überfüllte Regionalexpress paradiesisch luxuriös. Und auch der Gleichmut, mit dem die Madagassen auf besagtes Fortbewegungsmittel stundenlang warten und die Frage „ Wann fahren wir ab?“ immer mit „Gleich…“ beantworten, ist für ein deutsches Gemüht mehr als bewundernswert.

Erwähnenswert ist auch Respekt vor der Nackenmuskulatur der Madagassen. Mir ist es ein unlösbares Rätsel, wie jegliche Art von Gegenstand, sei er rund, oval oder länglich, mit oder ohne gleichmäßiger Gewichtsverteilung, auf dem Kopf balanciert und dabei gelacht, umhergeschaut bzw. sich überhaupt bewegt werden kann. Bei meinem einmaligen Versuch es den Madagassen gleichzutun und eine Einkaufstasche – für sie eine vergleichsweise einfache Übung- auf dem Kopf zu tragen, bin ich kläglich gescheitert und habe dabei für einige Belustigung gesorgt.

Ähnlich beeindruckend wie dieses anatomische Phänomen war außerdem die enorme Vielfalt des Landes, und zwar nicht nur im Bezug auf seine Landschaft, sondern auch seiner Bevölkerung und ihrer Lebensweise. Trotz jahrelanger Kolonialzeit erkennt man in den verschiedenen Landesteilen noch immer die 18 unterschiedlichen Ethnien, die sich sowohl durch ihr Aussehen und ihre Kopfbedeckung, wie auch ihre Art Häuser zu bauen und Landwirtschaft zu betreiben selbst für ein uninformiertes europäisches Auge stark unterscheiden. Dies, zusammen mit der wirklich unglaublich abwechslungsreichen Landschaft, hat bewirkt, dass selbst die längsten Fahrzeiten nie langweilig wurden und die Nase an der Fensterscheibe – sofern dieser Luxus zuvor ergattert werden konnte- plattgedrückt wurde

Mit Bezug auf die madagassische Hilfsbereitschaft haben wir zum Glück – anders als der reisschleppende Christian zuvor- vor allem positive Eindrücke gesammelt. Selten zuvor habe ich es erlebt, dass eine wildfremde Person, die man nach dem Weg fragt, jemanden trotz Arbeit oder Dämmerung bis zum gewünschten Ziel zu begleiten. Einmal hatte dies bei uns jedoch zur Folge, dass wir in der Dunkelheit im abgelegenen Vorgarten einer fremden Familie anstelle in dem von uns gesuchten Hotel endeten. Unsere es ohne Zweifel gut meinenden Wegbegleiter hatten unser Ziel missverstanden und uns kurz zuvor mit den Worten „von hier ist es nicht mehr weit“ verlassen, sodass wir im Endeffekt einer etwas überraschten Madagassin erklären mussten, was zwei Vazah in ihrem Vorgarten weit weg von jedem Hotel zu suchen hatten.

Soweit zu einigen Reiseeindrücken, bald folgt dann auch ein Bericht über meinen eigentlichen Daseinszweck in Madagaskar. Nicht dass der Eindruck entsteht, wir Freiwilligen würden nicht arbeiten…

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1 Kommentar zu “Verspäteter Reisebericht”

  1. Haingo schreibt:

    Jul 28, 14 um 14:10

    Hi Lea,
    ich musste totlachen, dass mit der Nackenmuskulatur :) Eigentlich kannst Du es auch machen, ohne starke Muskulatur zu haben. Aber das schaffst Du nur mit der Zeit. Ich bin mir sicher, dass Du bei Deinem Aufenthalt Männer gesehen hast, die 50kg (oder mehr) Reissack auf dem Kopf bringen.
    Warst Du in Mada wegen eines NGO Projektes? 2500km sind viel. Ich selbst als Madagasser hab noch nicht soviele km hinter mir huhu
    Ich hoffe, Du konntest Reptilien und so beobachten. Fuer diejenigen, die Reptilien aus Madagaskar entdecken wollen hab ich eine interessante Quelle: http://www.malagasya-travel.mg/fauna/Reptilien


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