Tô Ligado

 

Hallo liebe Leute,

 

 

 

 

 

 

 

Nach langer, langer Zeit, in der ich mich dem Blog nur spaerlich, bzw. gar nicht :-) gewidmet habe, gibt es jetzt wieder ein paar Neuigkeiten aus Rio de Janeiro.

Die Tage vergehen hier unglaublich schnell, die Zeit rast. Es gibt so viele Dinge, die gemacht werden koennen, das schafft man gar nicht alles. Die Zeit ist einfach viel zu kurz. Aber diese Tatsache ist ja eigentlich  nicht schlecht. Sie bedeutet schliesslich, dass es mir hier gut geht, dass es mir hier gefaellt. Und da hat sie Recht, die Zeit.

Schrecklicherweise gefaellt es mir hier immer besser und ich merke, dass dieses Land eigentlich besser zu mir passt, als Deutschland. Durcheinander, alles ein bisschen chaotisch und nicht perfekt. Hier fehlt dies, dort funktioniert das nicht mehr. Aber alle sind voller Freunde.

Inzwischen gelingt es mir mehr und mehr, portugiesisch zu sprechen. Es macht so viel Spass, wenn man sich mit den Einheimischen unterhalten kann. Eine super Sache. Hier wird uebrigens ueber alles und nichts geredet.  Aber geredet wird immer, bzw. meistens. Und vor allem mit jedem, auch wenn man sich nicht kennt. Themen gibt es viele. Uebers Essen, das Wetter, verschiedene Herkunftsstaaten, Musik………etc. Fuer mich also super, um entweder das Verstehen zu lernen oder selber zu sprechen.

Diese Liebe zur Kommunikation zeigt sich auch deutlich innerhalb des Englischunterrichts. Nach wie vor sind die Stunden chaotisch, aber ein bisschen Chaos muss sein. Wir sind schliesslich in Brasilien. Wobei ich mehr und mehr dazu in der Lage bin, die Kinder dazu zu bewegen, das zu tun, was ich moechte :-) .  Mit meinem Mitbewohner und “Kollegen” Gabriel macht das Unterrichten Spass. Sehr von Vorteil, wenn man sich gut versteht. Auch die uebrigen Lehrer sind klasse. Besonders mit Tom, dem englischen Musiklehrer, der seit vier Jahren hier lebt, tauschen wir uns regelmaessig ueber Alltaegliches und den Unterricht aus.

Da wir nur zweimal in der Woche Englischstunden geben, moechte ich versuchen, noch einen anderen Unterricht ins Leben zu rufen. Waehrend der vergangenen Unterrichtsstunden habe ich festgestellt, wie viele Kinder gerne malen. Habe auch mit Gabriel gesprochen…einen Kunst/Bastelkurs gibt es noch nicht….ich hoffe, dass ich das in meiner Zeit hier noch realisieren kann und freue mich, wenn es klappt :-) .

Vor zwei Wochen hat mich hier eine ueberaus nette Person besucht…die Sandra, ebenfalls Weitblickerin und gerade auf Erkundungstour durch Brasilien ( ein kleiner Einschub fuer Sandra, man moege es mir verzeihen :-) : Sandra, habe uebrigens ein fast ebenso schoenes Kleid gefunden).

Als sie in Rio war, wollte sie sich gerne vor Ort ein Bild von dem Projekt machen. Wie viele Kinder gibt es hier? Welche Kurse werden angeboten? Wie laeuft der Unterricht ab? etc. . Erfreulicherweise stellte sich heraus, dass auch sie Ergotherapeutin ist. Schnell waren also viele Gespraechsthemen gefunden. Da sie uns genau waehrend der Osterfeiertage besucht hat, gab es hier im Projekt leider wenig fuer sie zu beobachten. Viele Kinder waren nicht da, womit auch ein Grossteil der Stunden nicht stattfand. Ich hoffe allerdings, dass Sandra trotzdem einen Einblick bekommen k0nnte. Der Besuch und der damit verbundene Austausch ueber das Projekt war sehr bereichernd. Nicht nur, weil Sandra eine unglaublich nette und sympathische Person ist, mit der man Pferde stehlen kann, sondern auch, weil sich aus den Gespraechen wieder ganz neue Blickwinkel und Fragen ergeben, die man sich selber noch nicht gestellt hat.

Zusammen mit Schwester Teca, einer Schwester hier aus dem Kloster, sind wir dann noch zum complexo alemão gefahren, einem Favela-Komplex im Norden Rios. Hier arbeitet Schwester Teca in einem anderen Projekt, mit etwas aelteren Kindern, bzw. bereits Jugendlichen. Das Projekt hatte zwar geschlossen, trotzdem war die Fahrt dorthin ein tolles und einpraegsames Erlebnis. Mit dem Teleferico, einem Hochseillift, ging es ueber die Zona Norte bis zur Endstation. Die meisten Haeuser sind an Haengen gebaut. Sie stehen dicht an dicht. Wir erfuhren, dass die Haeuser bei starken Regenfaellen z.T. mitgezogen und dadurch komplett zerstoert werden. Hilfe vom Staat ist dabei kaum zu erwarten.

Einen etwas komischen Beigeschmack hatte es, als uns im Endbahnhof, auf der “Aussichtsplattform” , entspannende Klassikmusik entgegenschallt. Alles ist sauber und ordentlich hergerichtet. Polizei ist vorhanden und kuemmert sich um die Sicherheit. Alles wird vorbereitet fuer die Touristen, fuer die Brasilianer mit etwas mehr Geld in der Tasche. Man schiesst ein paar Fotos mit dem riesigen Favelakomplex im Hintergrund und geht wieder. Gerne haette ich noch mehr von der Gegend gesehen, das Projekt angeschaut, um ein bisschen mehr von dem Leben hier mitzubekommen. Denn ein Grossteil der Brasilianer lebt hier und nicht in der Zona Sul, an Copacabana und Ipanema.

Mittlerweile wurden hier einige Favelas befriedet. An der Nachhaltigkeit ist dabei aber leider zu zweifeln. Bisher liegen die befriedeten Favelas naemlich hauptsaechlich nur an den strategisch wichtigen Routen fuer die WM und die Olympischen Spiele. Hoffentlich geht das Befrieden auch nach den Ereignissen weiter und vor allem auch dort, wo normalerweise keine Touristen hinkommen. Und das Ganze auf eine angenehme Art und Weise fuer die Einwohner der Favelas. Wird sich zeigen! Vamos ver!

Ich habe wahrscheinlich die Moeglichkeit, ein Projekt von einem Bekannten zu besuchen. Er ist selber in der Zona Norte aufgewachsen und gibt heute Tanzunterricht fuer die dort lebenden Kinder. Ich bin sehr gespannt und hoffe, dass es klappt. Denn hier in Brasilien, ich wiederhole mich :-) , weiss man ja nie !

Fotos werden, wie beim letzten Mal wieder nachgereicht :-) !

Ganz liebe Gruesse und eine Portion Waerme an euch alle,

 

lilly

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