Madagaskar – Reise und Abschluss

Heyho,

wenn man auf einer paradiesischen Südseeinsel lebt ist der Alltag geruhsam und ereignisarm, aber ich war ein paar Tage auf Reisen und habe damit wohl genug Stoff für diesen zweiten und letzten Madagaskarbericht!

Kurzanknüpfung an den letzten Blogeintrag: Der Lanzeffekt blieb erfreulicherweise größtenteils aus, mit meinem Französisch hab ich mich bei Schärpenhaltegriff, Schlaganfall und Schlussbilanz halt irgendwie durchgemogelt und der Wirtschaftskurs erfährt durch die frischangekommene Freiwillige Lea auch direkt eine Fortführung. Sympathischerweise ist sie ebenfalls Weitblickerin, sodass ihr auf diesem Blog wohl noch von ihr lesen werdet!

Die erwähnte Reise begann damit, dass ich mit zwei anderen deutschen Freiwilligen um 6 Uhr morgens irgendwo in der madagassischen Pampa einen Reislaster auf einer teileingestürzten Brücke entlud, während 70 Madagassen drumherumstanden und interessiert zuguckten.

Vorab drei Wörter zum Reisen in Madagaskar allgemein: Es ist anstrengend. Die Straßen sind (sofern vorhanden) in miserablem Zustand, Inlandsflüge mit aufgrund von Sicherheitsbedenken in Europa nicht zugelassenen Flugzeugen von Air Madagascar sehr teuer, das Eisenbahnnetz kaum ausgebaut. Kurze und lange Strecken werden daher in erster Linie mit dem Buschtaxi zurückgelegt, kleinen Bussen in technisch fragwürdigem und chronisch überfülltem Zustand. Wir Jungs wollten ein paar Tagen an den Strand von Morondava, die Baobabs angucken und anschließend noch mit der Piroge (= Fischerboot mit Segel) nach Belo sur Mer fahren.

Im Prinzip hätte die Fahrt von der Hauptstadt Tana aus ohnehin 15 Stunden gedauert, aber als wir um Mitternacht an erwähnter Brücke stoppten, war klar, es würden noch ein paar mehr werden. Die Metallplanken hatten das Gewicht des Lasters nicht getragen und er war seitlich eingebrochen, sodass die Räder zehn Meter über dem Wasser schwebten – zum Glück für die Fahrer ging’s nicht noch weiter hinunter. Da es sich dummerweise um die einzige Brücke weit und breit handelte, und im Dunkeln nichts zu machen war, nächtigten alle zusammen auf der Asphaltstraße. Mit dem Morgen dämmerte dann die Lösung des Problems – da die Brücke offenbar nicht akut einsturzgefährdet war, wurde beschlossen den LKW zu entladen, mit Brettern und Wagenhebern hochzustemmen und den eingestürzten Abschnitt mit Metallplatten zu überbrücken.

Wer Gutes über die Madagassen sagen will, könnte erwähnen, dass sie nicht aus Zucker und bemerkenswert geduldig sind – immer „mora-mora“, mit der Ruhe eben und aus derselben hat sich auch keiner bringen lassen. Wer nicht so schmeichelhaft sein möchte, könnte einen gewissen Mangel an Eigeninitiative und Hilfsbereitschaft diagnostizieren – und so kam es zu der leicht skurrilen Situation, dass die Fahrer ihren Laster entluden und drei deutsche Jungspunde freundlich beäugt tonnenweise Reis von der Brücke transportierten. Drei Stunden später ging‘s dann weiter und joa, was lässt sich über Strand, Baobabs und Pirogenfahrt sagen? – Es war sehr nett.

Inzwischen verbleiben mir nur noch einige Tage im Projekt die ich mit Abschlussberichten und Abschiednehmen verbringen werde. Allerdings freue ich mich auch wieder sehr auf Münster und immerhin ein bisschen auf meine Bachelorarbeit! Abermals sonnige Südseegrüße, Christian

Reissäcke Baobabs Piroge

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