Christian in Madagaskar – Ankunft & erste Eindrücke

Heyho,

also nachdem ich jetzt gute drei Wochen in Antseranantsoa bin, hiermit ein erstes Lebenszeichen– es geht mir prima und das Projekt ist sehr schön! Oder etwas ausführlicher formuliert:
Eine Einführung in das Leben auf Madagaskar hab ich schon im Flugzeug gekriegt – neben mir saß nämlich ein älterer und sehr munterer Franzose der nach eigener Aussage sowohl selten Alkohol trinkt, als auch immer sofort aufhört zu reden wenn er Gefahr läuft den andern vollzulabern. Elf Flugstunden später hat sich beides als dreiste Lüge entpuppt, ist mein Pulli mit formschönen Rotweinflecken verziert und ich unter anderem darüber unterrichtet, dass das Leben „dieser armen, armen Leute“ auf Madagaskar ziemlich „mora mora“ ist – ziemlich langsam. Am Gepäckband (DEM Gepäckband am internationalen Flughafen der Landeshauptstadt) trennen sich unsere Wege jedoch bedauerlicherweise und nachdem dann ziemlich mora mora auch noch mein Koffer erschienen ist, verbringe ich die Nacht in einem kleinen Hotel in der Nähe des Flughafens. Am nächsten Morgen an der Buschtaxistation bekomme ich einen ersten Eindruck davon wie man hier als „Vazaha“, als Weißer behandelt wird – bevorzugt. Das Buschtaxi, das in diesem Moment losfährt, kommt an meinem Zielort zwar eigentlich gar nicht vorbei, aber bitteschön, dafür, dass die Beförderung meines Koffers nochmal anderthalb so viel kostet wie die meiner selbst (1,40€) fährt man doch gerne einen Extra-Schlenker!
Die Landschaft, die sich auf den zwei Stunden Fahrt von der Landeshauptstadt Antananarivo (oder Tana) nach Antseranantsoa erstreckt, weiß das Auge des Betrachters mit sanften Hügeln, weiten Reisfeldern und – aufgrund der Regenzeit – saftigem Grün zu erfreuen. Dass Madagaskar den Status eines Entwicklungslandes zu Recht trägt, ist aber leider auch nicht zu übersehen – Dörfer bestehen zu weiten Teilen aus Lehmhütten, Felder werden noch mit Ochs‘ und Pflug bestellt und viele der zahlreichen umher tobenden Kinder sind offensichtlicher weise unterernährt.

Endlich im Projekt selbst angekommen, werde ich von Stephans Frau Vévé, den andern deutschen Freiwilligen Joel und Joana sowie Personal und Kids geradezu rührend aufgenommen. Ich bekomme eine Hütte mit Hängematte, eigenem Bad und irgendwie mehr Platz als ich als Student jemals hatte und fange nach zwei Tagen Eingewöhnungszeit auch an zu arbeiten:
Judo-, Erste-Hilfe- und Wirtschaftskurse sind mit der Projektleitung vereinbart und finden tatsächlich Interessierte zuhauf. Jetzt warte ich ein bisschen auf dem Lanz-Effekt (die ersten zwei Mal guckt man sich noch an weil’s neu ist und man mitreden will und dann stürzt die Quote) und lerne fleißig Vokabeln um mein holpriges Französisch aufzupolieren, denn wie eine Zaungast spielende amerikanische Freiwillige mal charmant anmerkte, „muss es ja ganz schön schwierig sein, in einer Sprache zu unterrichten, während man sie lernt.“ Ist schwierig.
Um mich rein lingual noch ein bisschen weiter in die Verzweiflung zu treiben bekomme ich hier außerdem wochentagstäglich halbstündig von einer Mitarbeiterin Malagasy-Unterricht. Aussprache und Grammatik der Sprache sind geradezu putzig leicht (zum Beispiel gibt es keine Konjugationen und nur drei Zeiten die man bildet indem man den Anfangsbuchstaben des Verbs ändert) aber irgendwie klingt alles so „hihinana“ (Futur von „essen“) und „manana“ (Präsens von „haben“) oder „nilalao“ (Präteritum von „spielen“) und damit ziemlich gleich.

Tja, und sonst so? Abgesehen davon, dass ich direkt nach Ankunft verschnupft war (was auch sonst bei 30 Grad) und vor zwei Tagen frech von einer Kakerlake aus meiner Schokokekspackung angegrinst wurde, geht’s mir hier wirklich „tsara“ (gut) – daher lass ich’s an dieser Stelle mal bewenden und sende sonnige Grüße aus dem Süden!

 

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1 Kommentar zu “Christian in Madagaskar – Ankunft & erste Eindrücke”

  1. Matthis schreibt:

    Mrz 02, 13 um 18:38

    das klingt doch wirklich alles sehr gut. Viel Spaß weiterhin!!


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