Weitblicker in Benin 2012 – Audienz beim König

Wir sind jetzt wieder in Cotonou bei Klaus. Die Woche im Projektgelände von Pro Dogbo ist ziemlich schnell vergangen und war sehr ereignisreich:
Wir haben mehrmals in der Backerei und Patisserie geholfen, haben Croissants, Vanilleschnecken und Wurstcroissants gebacken und Baguette gerollt. Es ist schon etwas besonderes französisches Gebäck im afrikanischen Busch zu essen.

Am Montag hatten wir die Audienz beim König. Wir haben einen ganz lockeren Tag erwischt, er trug sein Alltagsgewand statt des feierlichen Königsumhangs und hat neben seinem Thron Platz genommen. Da der König ein hoher Vodoo-Priester ist, spricht streng genommen Gott durch ihn, sodass er sich niemals selber an die Menschen wendet. Auch zu uns hat er nur durch ein Sprachrohr gesprochen – dazu kommt, dass er kaum Französisch und wir keine afrikanische Sprache sprechen. Uns wurde außerdem eine besondere Ehre zuteil – wir wurden besonders gründlich gesegnet …. Bei passendem Anlass werden wir das ganze vielleicht in Münster mal nachstellen.

Dienstag sind wir mit Motos durch den Busch zur aller ersten Weitblick Schule in Midangbe gefahren. Der Direktor und einige Lehrer haben uns begrüßt und unsere Gastgeschenke entgegengenommen. Leider sind in Benin noch Sommerferien, sodass wir das Schulgelände nur ohne Kinder erlebt haben, man kann sich einen lebhaften Schulbetrieb aber gut vorstellen. Auch die aktuelle Schulbaustelle in Kpogodou haben wir besichtigt und freuen uns euch Fotos vom Baufortschritt zu zeigen. In Benin wird ziemlich schnell gebaut. Baubeginn war erst vor zwei Monaten und in einem weiteren soll die Schule schon fertig sein. Die Baugerüste aus Holz sahen für uns allerdings ziemlich abenteuerlich aus.
Die Abende liefen ganz unterschiedlich ab: Einmal zeigt pro dogbo einen Film auf einer Leinwand auf dem Dorfplatz, zur Einleitung liefen die besten Wetten aus 30 Jahren “Wetten, dass…?“ , auch das ist skurril, wenn man bedenkt, dass wir in tiefsten Afrika sitzen und alle ohne Deutschkenntnisse mit fiebern. Ein anderes Mal haben wir mit den Jungs von Pro – Dogbo ums Lagerfeuer getanzt und getrommelt. Auch Dogobo’s Dorfdisko haben wir kennengelernt.
An einem anderen Nachmittag sind wir bei brüllender Mittagshitze zu dem Projektgeländer eines ehemaligen Pro-Dogbo Schützlings gefahren. Alfons wurde zunächst von Pro- Dogbo gefördert und hat dann seine Ausbildung im Songhai – Projekt in Porto Novo gemacht.
Songhai haben wir letzte Woche schon besichtigt und waren sehr begeistert: Es ist ein landwirtschaftlicher Betrieb, der nachhaltig Arbeitet und einen Produktkreislauf entstehen lässt, in dem alle Stoffe wiederverwertet werden. Beispiele sind: Bestimmte Pflanzen, die das Abwasser der Duschen und Toiletten reinigen, es wird eigenes Biogas produziert und genutzt… Den Besuchern werden direkt Tipps mit an die Hand gegeben, um ähnliches Zuhause nachzumachen. Alfons hat sich jetzt mit Krediten ein Stück Land gekauft und steckt noch in der Anfangsphase. Der trockene und steinige Boden macht die Arbeit aber nicht leicht.

Die letzten zwei Tage haben mit am Strand in Grand-Popo verbracht, wo wir die Sonne an einem paradiesischen Strand genießen konnten. Gestern sind wir mit einem Abstecher nach Ouidah nach Cotonou zurückgefahren. In Ouidah waren wir in einem Vodoo-Schlangentempel. Unser Guide war mindestens so gruselig wie die Schlangen selber, wir haben sie uns trotzdem um den Hals legen lassen. Ein kleines Stück weiter am Strand ist die „Porte du non-retour“, das Denkmal steht an dem Ort, wo früher die Hauptablegegstelle für Sklavenschiffe nach Südamerika war. Auf dem Weg dorthin stehen immer wieder Höfe, in denen die Sklaven die letzten Wochen und Monate bis zum Abtransport verbringen mussten.
Etwa 8 km vor Cotonou geriet unsere Fahrt ins Stocken – tatsächlich standen wir im Stau. Anders als in Deutschland ist der aber nicht nur nervig und langweilig, wegen der offenen Fenster nimmt man ihn mit viel mehr Sinnen wahr: Die Abgase von LKWs, Autos und Motos stinken furchtbar, das stete Gehupe ist noch lauter als sonst (man glaubt es eigentlich nicht) und nach einer kleinen Kollision mit einem riesigen Lastwagen konnten wir den Stau sogar spüren. Schließlich sind wir aber doch noch angekommen und fahren heuten auf einen Künstlermarkt.
Der „offizielle“ Teil der Reise ist jetzt schon vorbei. Clara fliegt heute Abend schon zurück nach Hause und Marie und Johanna brechen morgen Richtung Norden auf.

Eintrag auf Facebook teilen
Eintrag auf Twitter teilen

Kommentieren