Go Kenya – es geht los!

Mombasa, Kenia. Der Anblick auf die Tafel des Düsseldorfer Flughafens wirkte am Abend des 10. August noch sehr unwirklich und weit weit weg von dem Leben von jedem einzelnen der zehn Teilnehmer des “Go Kenya”-Projekts, die sich an dem Abend in Düsseldorf zusammen fanden. Nach vereinzelten Problemen mit Übergepäck und ausgeklügelten Umpackstrategien machten wir uns mit dem achtstündigen Flug auf dem Weg ins Abenteuer. Nach einem problemlosen Flug und zweistündigem Warten für unsere Visa lernten wir am Ausgang des Flughafens Bernd kennen, der geduldig und sehnsüchtig unsere Ankunft erwartete und uns herzlich begrüßte. Bernd und sein Angestellter namens Ben brachten uns nun samt Gepäck mit dem Auto zu unserem zukünftigen Zuhause für die nächsten vier Wochen. Während der einstündigen Fahrt erhaschten wir schon einen ersten Eindruck von Kenia und seinen Bewohnern. Die Masse an Menschen auf den Straßen, das feuchttropische Klima, verschiedenste Gerüche von den buntesten Marktständen und die offensichtlichen Unterschiede des kenianischen Lebensstandards zu unserem bekannten westlichen Lebensstil ließen uns zugleich fasziniert und nachdenklich zurück.

Ziel der Fahrt war unsere Unterkunft, ein schönes Haus an der Hauptstraße Majengos mit großem Garten, drei Schlafzimmern, einer großen Küche und Terasse und unserem persönlichen Wachhund Simba. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase machten wir uns auf nach Majengo auf den Markt und somit in das erste Abenteuer: Das Einkaufen von Obst und Gemüse auf einem kleinen Markt in einem Dorf in Kenia. Nicht nur die breite Palette an VerkäuferInnen mit Ständen und die Mentalität des Feilschens stellte zunächst eine Herausforderung dar, sondern auch das Bewusstsein, angeschaut zu werden aufgrund unserer weißen Hautfarbe war ein ungewohntes Gefühl. Die ständigen mzungu – Rufe bleiben für unsere Zeit hier ein treuer Begleiter.
Auf den ersten Blick sehen die Ortschaften Majengo und Mtwapa sehr chaotisch und hektisch aus, gönnt man sich einen zweiten Blick, gewinnt man einen anderen Eindruck. Durch die direkte Nähe zur Küste und das Zusammenleben von Afrikanern und vielen Europäern, die sich hier niedergelassen haben, besitzen die beiden Orte eine sehr angenehme Atmosphäre. Schon von Beginn an fiel uns die Offenheit und Freundlichkeit der kenianischen Bevölkerung auf, das Interesse an unserem Aufenthalt und an unserem Projekt ist merklich hoch und erfreut sich größter Beliebtheit, sodass stets neue und interessante Gespräche entstehen. Schwer anfreunden können wir uns derzeit noch mit den schlechten Straßenverhältnissen in Kenia. Neben der geteerten Hauptstraße bahnen wir unseren Weg mehr schlecht als recht auf holprigen, mit Löchern übersäten Feldwegen. Der heimliche Held unserer Truppe, Bernds dreißig Jahre alter Jeep, ertrug bislang all unsere Fahrten und bleibt ein wichtiger und zuverlässiger Faktor für unsere Mobilität vor Ort. Dabei lernten wir auch schon intensiv die Verhaltensweisen kenianischer Auto-, Matatu- und Fahrradfahrer im Straßenverkehr kennen. Durch das Nichtvorhandensein von Regeln und einer lockeren laissez faire -Einstellung kamen wir schon desöfteren beim Autofahren ins Schwitzen. Ein beliebteres Fortbewegungsmittel war bislang das Fahren auf einem bodaboda, nicht nur aufgrund der kühleren Fahrtluft, sondern auch aufgrund des einzigartigen Gefühls, als junger Mensch hautnah durch ein unbekanntes Land zu düsen, den Meeresduft einzuatmen und für einen Moment das Gefühl zu erhaschen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Aufgrund der Größe unserer Gruppe (Clemens stieß als elftes Mitglied am Montagmorgen zu uns), nutzen wir die bodabodas täglich, auch als Transportmittel von und zu unserem wichtigsten Aufenthaltsort, der Baustelle.

Die Baustelle an der Furaha School war am ersten Arbeitstag ein weites Gelände mit sechs Klassenräumen und dem Platz, an dem wir an “unserem” Klassenraum arbeiten sollten. An der Baustelle begrüßten uns Chris, Nico, Kahindi, Jonathan und Abba herzlich und weisten uns schnell in die auf uns zukommenden Arbeiten ein. Das Glätten des Bodens von unserem Fundament und das große Zementanrühren an den ersten beiden Tagen hinterließen einen guten Eindruck von dem, was in den vier Wochen auf uns zukommen wird: viel Schweiß, viel Dreck und das Anpassen an die für uns unbekannten heißen Wetterbedingungen. Die nächsten Tage sahen wir zunehmend unsere Fortschritte. Stein für Stein mauerten wir immer neue Ebenen für die Mauer, mischten neuen Zement an und so langsam nahm der Klassenraum seine Form an. Dieser Anblick und die vielen Kinder, die noch in den Ferien unterrichtet wurden und sich in den bereits gebauten Klassenräumen befanden, waren die größte Belohnung für die harte Arbeit der gesamten Gruppe. Als besonders hilfreich für diese Entwicklung gestaltete sich bislang das gute Verhältnis zu den Bauarbeitern. Trotz einiger Sprach- und Kommunikationsprobleme klappen die Arbeitsanweisungen und zwischendurch ist immer Zeit für ein Gespräch und für Streiche. Es ist weniger das Produkt zweier getrennter Arbeitsgruppen, sondern vielmehr das Gesamtwerk eines Teams.

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3 Kommentare zu “Go Kenya – es geht los!”

  1. Andi schreibt:

    Sep 06, 12 um 09:24

    ..toller Bereicht – danke, vor allem der letzte Satz ist super!!!

  2. Till schreibt:

    Sep 07, 12 um 19:04

    Da werden Erinnerungen wach, eine tolle Zeit euch noch, hört sich super an! :)

  3. Janin schreibt:

    Sep 07, 12 um 21:06

    Ohhh wie schön! Ich wurde beim Lesen kurz in die Vergangenheit versetzt und fühle mit euch! Warte geduldig auf die Fortsetzung…


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