Wiedergeborene Dorfbewohner

Während die Kinder in den zwei Wochen Osterferien bei ihren Familien waren, habe ich die Zeit genutzt, um Land und Leute besser kennen zu lernen und bin mit dem Buschtaxi in den Norden gereist. Da die Straßen mal mehr und mal weniger gut sind, braucht man für ca. 700km um die 18 Stunden. Landschaftlich ist der Norden im Gegensatz zum Hochland durch das feuchte Klima sehr reich an großen Plantagen und Anbaugebiete für Zucker, Kakao, Gewürze und Tabak.

 

Zuerst habe ich den Ankarana Nationalpark besucht, der besonders für seine acht Lemurenarten und ein geschütztes Kalksteingebiet (Tsingy) bekannt ist. Dass mir jedoch unterwegs auch Skorpione und Schlangen begegnen, war mir vorher nicht so bewusst…

 

 

 

 

Anschließend ging es weiter zu der nördlichsten Stadt Diego-Suarez, in der die Straßen erst abends belebt sind. Dort konnte ich am Strand den täglichen Fischfang miterleben.

 

 

 

Noch interessanter wurde es jedoch auf dem Weg in Richtung Süden in dem Dorf Anivorano. Von dort aus gelangt man nach einem 4 km Fußweg zu einem See, in dem Krokodile leben, die nach einer Legende zufolge Nachfahren eines überschwemmten Dorfes sind. Die Legende besagt, dass ein durstiger und erschöpfter Fremder vor langer Zeit in das Dorf kam und an vielen Häusern nach Wasser bat. Da der Fremde jedoch nicht ihre Sprache sprach und unheimlich wirkte, wiesen ihn die Dorfbewohner zurück. Als er erschöpft das Dorf verließ, verfluchte der Fremde das Dorf und bald kam ein heftiger Regen, der das Dorf überschwemmte und dessen Bewohner wurden als Krokodile wiedergeboren. Im Andenken an ihre gemeinsamen Vorfahren teilen die Bewohner von Anivorano seitdem geschlachtete Zebus mit ihnen.

Als ich endlich am See ankam, konnte ich anhand der Zebuskelette, die an einem Baumstamm hingen, erkennen, dass diese Tradition immer noch gelebt wird. Noch unheimlicher wurde es, als unser madagassischer Begleiter durchs Händeklatschen 4 Krokodile anlockte. Mit einem Zaun zwischen mir und den 2 1/2 meter entfernten Krokodilen, die gerade ein Stück Zebufleisch verschlangen, hätte ich mich wohl sicherer gefühlt!

Nach der 30 stündigen Rückfahrt habe ich mich sehr aufs Projekt und die Kinder gefreut, die gestern zurück gekommen sind. Heute hat dann nicht nur die Schule, sondern auch meine tägliche Arbeit zum Thema „Hygiene“ wieder angefangen:)

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