Weitblicker zu Gast in Benin I

Heute war unser erster Tag in Dogbo. Wir wohnen hier auf dem schönen Gelände unseres Partners Pro Dogbo e. V. und freuen uns einige der Gebäude, die wir nur von Bildern kannten, nun wirklich vor uns zu sehen.

Nach einem gemütlichen Frühstück im Freien machten wir uns zu unserem ersten Programmpunkt an diesem Tag auf. Wir hatten eine Audienz beim König von Dogbo. Das eher bescheidene Haus des Königs lang in einem kleinen Dorf in der Nähe der Stadt, das wir über einen stauben Landweg erreichten. Der König saß auf einem erhöhten Thron und ein Bediensteter hielt im ununterbrochen einen Regenschirm über den Kopf. Man sagte uns später, dass das einem König angemessen sei und ihm Würde verleihe, sodass auf diese Geste auch in geschlossenen Räumen nicht verzichtet werden dürfe. Nach der Begrüßung und einem kurzen Austausch über unseren Aufenthalt in seinem Königreich, gab es für uns auch noch etwas zu trinken. Aus einer großen Flasche, die neben einer bräunlichen Flüssigkeit auch allerlei andere seltsame Gegenstände enthielt, wurde jedem von uns in ein randvolles, doppeltes Pinnchen eingeschenkt. Unter dem halb amüsierten und halb anerkennenden Raunen der Anwesenden musste jeder dieses leeren. Der Schnaps schmeckte furchtbar, sodass eigentlich alle aus unserer Gruppe rot anliefen und einige ein leichtes Würgen nicht unterdrücken konnten. Der König betrachtete dieses Schauspiel vergnügt und sagte, dass wir jetzt nur noch auf die Wirkung dieses aus heiligen Kräutern hergestellten Getränks warten müssten…

Weitblicker beim König von Dogbo

Anschließend statteten wir – umringt von den Kindern des Dorfes – auch der Königin einen Kurzbesuch ab. Diese bewohnte eine Lehmhütte am Rande der Siedlung und reichte uns wiederum Schnaps, den wir vor dem niedrigen Eingang kniend entgegennahmen.

Am Nachmittag besuchten wir dann die erste Grundschule in Midangbé, die von Weitblick finanziert worden ist. Als wir auf Mopeds, die hier auf dem Land als Taxi dienen, das Gelände der Schule erreichten, stürmten von allen Seiten unzählige laut schreiende und hüpfende Kinder herbei. Sofort waren wir von einer Menschentraube umgeben und der Schuldirektor hatte Mühe, sich genügend Platz für seine Begrüßung zu verschaffen. Es war einfach ein großartiges Gefühl, hier so herzlich empfangen zu werden! Auf dem Weg zum Schulgebäude wichen uns die Kinder nicht von der Seite und jeder hielt an beiden Händen eine Kette von Schulkindern. In jedem der drei Klassenräume wartete schon eine Gruppe Kinder, um verschiedene Tänze und Gesänge vorzuführen. Von so viel Freude und Dankbarkeit über unseren Besuch waren wir alle überwältig. Abschließend schauten wir uns noch ein kleines Fußballspiel an, das mit einem von uns mitgebrachten Ball ausgetragen wurde. Auch einige Weitblicker nahmen daran teil und durch einen von Andi kläglich vergebenen Elfer wurde das Spiel dann auch entschieden.

Nach diesem begeisternden Besuch fuhren wir auf unseren Mopedtaxen noch zu einer Sodabi-Produktion (Palmschnaps). Zuerst probierten wir Palmwein aus einem alten, ziemlich siffigen Plastikkanister und danach den Schnaps. Weil die Palmfelder nicht weit entfernt waren, fuhren wir auf dem Rückweg auch dort vorbei. Irgendwo in einem dicht von Palmen bewachsenen Gebiet trafen wir dann auf eine Gruppe Arbeiter, die den Saft aus den abgehackten Palmstämmen gewannen. Durch ein Loch im auf dem Boden liegenden Stamm tropfte der Saft in ein in den Boden eingelassenes Gefäß. Sofort kramte einer der Arbeiter so eine Schüssel unter einem Stamm hervor und reichte sie uns. Schmeckte nicht schlecht, aber auf jeden Fall viel angenehmer als alles andere, was wir heute so getrunken haben.

Auf der Rückfahrt mit dem Auto ist es stiller als sonst. Alle sind überwältigt von der überschwänglichen Freude und der ehrlichen Gastfreundschaft, die wir heute und in den letzten Tagen erlebt haben.

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1 Kommentar zu “Weitblicker zu Gast in Benin I”

  1. Veronika schreibt:

    Mrz 20, 12 um 22:21

    Die Szenen kommen mir sehr bekannt vor! Bei unserer Audienz beim König von Dogbo gab es aber noch aus Deutschland mitgebrachten Jägermeister :-) Auf dem Regenschirm stand: “Welcome to our world” – wie passend!


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