Rovieng

Ein weiteres, diesmal sehr lustiges Erlebnis in Phnom Penh, das mir mal wieder vor Augen führt, in was für einer anderen Welt als Deutschland ich doch hier lebe. Man fühlt sich nach kurzer Zeit hier schon so heimisch, dass man erst durch komische Zufälle daran erinnert wird, dass man eben doch nicht zu Hause ist.

Arbeit an den Webstühlen

Mein Mitvolontär und ich laufen also durch die Straßen von Phnom Penh. Wir sind hungrig – sehr hungrig und normalerweise stellt es hier kein Problem dar eine kleines Restaurant oder eine Garküche zum Essen zu finden. Heute aber schon. Leider haben wir nämlich die Restaurantstraße verfehlt. Wir laufen also erst durch die Frisörstraße, die Autoreparaturstraße und schließlich landen wir in der Nähmaschinenstraße. In der Nähmaschinenstraße reiht sich Geschäft an Geschäft und in jedem gibt es nur eines zu kaufen: Nähmaschinen. Und so ist es hier in Kambodscha häufig. Es wird nicht – gemäß der Theorie von Nachfrage und Angebot – in einem Stadtteil ein Nähmaschinengeschäft eröffnet, in dem es noch keine Nähmaschinen zu kaufen gibt – die Konkurrenz also möglichst klein und die Absatzchancen maximal sind. Nein, besser in die selbe Straße wie die lieben Kollegen. Ich nehme an, dass den Nähmaschinenverkäufern in kommunistischer Manier diese Straße vor langer Zeit einfach zugewiesen wurde. Jedenfalls gibt es hier kein Restaurant weit und breit.

Färben der Seide

Auch bei uns auf dem Land sieht es so aus.  An einer Straße reihen sich 200 Meter lang nur Stände aneinander, die alle gegrillte Frösche verkaufen. Man kann sich also einen aussuchen. Scheinbar kommt keiner der Froschverkäufer auf die Idee, zwei Dörfer weiter einfach mal sein Glück zu versuchen. Auch in Tropeang Trea hat nahezu jeder Marktstand das gleiche Angebot. Und wenn der einen Marktfrau mal die Tomaten ausgehen, geht sie halt rüber zur anderen und leiht sich welche. Konkurrenzdenken kennen wohl nur die TukTuk-Fahrer in Phnom Penh.

Die Seidenmanufraktur, die auch zur Organisation Sorya gehört und hier bei uns auf dem Schulgelande angesiedelt ist, hat sich jedoch – ganz im westlichen Stil – ein Alleinstellungsmerkmal gesucht. Nicht nur, dass die Seidenschals, alle per Hand gewebt werden, die Seide wird außerdem ausschließlich mit Naturfarben gefärbt. Eine Heidenarbeit sage ich euch. Ich gucke manchmal in meiner Mitttagspause beim Vorbereiten des Webstuhls oder beim Weben selbst zu und ich verstehe meist nicht, was dort eigentlich gemacht wird. Aber es fasziniert mich immer wieder zu sehen, was für eine Arbeit in einem einzigen Schal steckt. Die Schals werden in Deutschland (z.B. beim Holy Shit Shopping in Berlin, Köln und Hamburg) oder über Dawanda und Etsy unter dem Label Rovieng vertrieben. Rovieng bedeutet so etwas wie „alternativer Weg“ und ist auch der Name der Kommune, in der wir leben.

Gefärbte Seide

Diese Woche durfte ich zum ersten Mal beim Färben der Seide mithelfen. Um z.B. ein Schwarz zu erzeugen, kocht man Blätter und Äste des Umbrellabaums für ca. vier Stunden auf. Dann wird der daraus entstandene Sud gefiltert. Die Farbe wird durch eine Art Kristall verstärkt, den man dem Wasser zugibt. Danach kommt die Seide rein und man kocht das Ganze noch mal 45 Minuten. So erhält man gelb-grüne Seide. Diese muss wieder gewaschen und (im Schatten!) getrocknet werden. Schwarze Seide wird erst daraus, wenn man sie in eine andere Brühe (stinkt leider nach Kotze) aus Metall, Palmzucker und Limettensaft legt. Es ist wirklich ganz schöne Arbeit diese Seide herzustellen und sie danach zu Schals zu weben. Die Ergebnisse gibt“s hier zu sehen:

http://www.facebook.com/#!/rovieng

http://www.rovieng.com/

Fertige Schals

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2 Kommentare zu “Rovieng”

  1. Lili Salfeld schreibt:

    Feb 13, 12 um 09:49

    Liebe Sina, hallo!

    Danke für deine tolle Erlebnis-Geschichte!
    Du wirst bestimmt noch lange daran erinnern ….

    Liebe Grüße aus Einbeck

    Lili

  2. Andi schreibt:

    Feb 13, 12 um 09:52

    … danke für Deine tollen Berichte… weiter so.. lg


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