Pädagogik und Abenteuer in Guatemala – Teil 1: Ankunft und erste Schritte

Wie es zu allem kam

Meine ehemalige Kommilitonin Evelyn Velarde meines Studienganges BA Soziale Arbeit (FH Köln) stammt aus Guatemala und ihre Lebensgefährtin betreibt von Köln aus seit ca. 15 Jahren eine Hilfsorganisation, die bedürftige Menschen in Quetzaltenango medizinisch und Kinder zudem noch bezüglich Schulbildung versorgt und unterstützt. Ihre Idee war, in den oberen Räumen einer kleinen Klinik, die die Organisation betreibt, eine Nachmittagsbetreuung für ca. 20 Patenkinder einzurichten. Darüber schrieb sie ihre Bachelor-Thesis. Eine Bekannte von ihr und ich – wir beide suchten nach einer Möglichkeit des sozialen Engagements in Mittel- oder Südamerika – beschlossen Evelyn in der Sache zu unterstützen. In dem Land waren wir noch nie zuvor.

 

Gesagt getan

Evelyn, die schon vorrausgeflogen war, holte meine Kollegin Katrin und mich am 25. August 2010 am Flughafen von Guatemala-Stadt ab und wir fuhren mit dem Auto zu einer Verwandten, die etwas außerhalb der Metropole in einer gesicherten Wohnanlage lebt.

Am nächsten Morgen ging es zum Frühstücken nach Antigua und nach einem Stadtbummel dort, Richtung Quetzaltenango.

Der Torbogen von Santa Catalina, das Wahrzeichen von Antigua

Der Torbogen von Santa Catalina, das Wahrzeichen von Antigua

 

Schon ein wenig an unsere neue Umgebung gewöhnt, kam ein kurzer (weiterer) Kulturschock: Wir hielten an einem rustikalen Holzgebäude im Schweizer Stil neben der Autobahn und nahmen guatemaltekische Spezialitäten als Mittagessen zu uns. Ein Schweizer Restaurant in Mittelamerika. Das passt auch ganz gut, denn aller Anfang der Hilfsorganisation war in der Schweiz.

 

Kulturschock 1

 

Kulturschock 2: Die Schweiz in Guatemala neben der Autobahn

 

Das Wetter war z.T. recht regnerisch von Anfang an und je näher wir an das mehr als 2000 m hoch gelegene Quetzaltenango kamen, desto mehr war die Autobahn von Erde und Geröll aufgrund von Erdrutschen bedeckt. Hier hieß es aufpassen und oft auf der Gegenspur fahren. Baustellen- und Gefahrabsperrungen bestehen dort auch nicht selten aus auf die Straße gelegte Baumäste (!). Uns war z.T. ziemlich mulmig zu Mute und wir waren dankbar, heil in Xela angekommen zu sein.  Auch bei unserer Ankunft in unserer neuen Heimat war es regnerisch. Hier sollten wir also die nächsten Wochen und Monate wohnen. Die in graue Regenwolken gehüllte Stadt und die Ungewissheit, was denn auf uns zukommen mag, versetzte mich nicht gerade in höchste Glückstimmung.

 

Aufräumarbeiten nach heftigen Erdrutschen

Aufräumarbeiten nach heftigen Erdrutschen

 

Angekommen

Die ersten Tage und Nächte lebten wir bei Verwandten Evelyns, um später in Gastfamilien unterzukommen. Nach kurzer Suche entschieden sich Katrin und ich für eine Spanisch-Schule in einem schönen alten Kolonialgebäude direkt im Zentrum Xelas. Sie hatte Spanisch im Abi gehabt und wollte es dort etwas verfeinern, während ich bei fast Null beginnen sollte. Und die ersten Tage waren dann doch wie Urlaub: Wir fuhren ins Spaßbad Xocomil bei Tropentemparaturen, hier in ein Restaurant, dort in ein Café.

 

Xela: Unsere neue Heimat bei schönerem Wetter

 

Außerdem wurden uns die beiden von der Organisation betriebenen medizinischen Einrichtungen und unser zukünftiger Arbeitsplatz gezeigt.

 

Erstes Kennenlernen mit der Leiterin der Klinik Silvia Garcia (r.)

 

Sonntag Nachmittag den 29.08.10 ging es zu unseren Gastfamilien, die über die Spanisch-Schule organisiert waren. Zunächst wurde Katrin abgeholt und Evelyn schaute sich die Familie an, ob diese in Ordnung ist, was der Fall war. Mich holte der vielleicht 16-jährige Sohn meiner Gastfamilie mit einer Geländemaschine ab. Ich durfte mich auf den Sozius schnallen, während der Halbstarke mit Vollgas durch die Gassen rauschte, dass mir höllenangst wurde. Evelyn fuhr mit meinem Gepäck hinterher. Zu guter Letzt blieb die Maschine 100 m vor meiner Unterkunft stehen, weil wohl der Tank leer war – ich allerdings war dankbar darüber.

Normal(?): Huhn spaziert durch das Esszimmer.

Von der Familie wurde ich freundlich aufgenommen und mein Zimmer gefiel mir zunächst auch ganz gut. Der Vater der Familie hatte eine Metalldreherei im Haus und zeigte mir gern die Drehmaschinen aus deutscher Produktion. Mein Zimmer war nicht im eigentlichen Haus, sondern in einem gesonderten Trakt, direkt neben dem Eingangstor! Problematisch ist die Feuchtigkeit bei den allermeisten Häusern in dem Land. Doch in meiner Bude war es ganz besonders schlimm. Nach wenigen Tagen hielt ich es vor Schimmelgeruch kaum noch aus. Dazu kam noch die Dusche, wie sie in einigen mittelamerikanischen Ländern verbreitet ist und eine elektrische Meisterleistung der besonderen Art darstellt. Das Wasser wird im Duschkopf mit elektrischem Strom erhitzt und die Leitungen sind unter Mißachtung vieler Vorschriften – zumindest nach der deutschen VDE-Norm – verlegt und angeschlossen. Zumindest war mein Exemplar ein Paradebeispiel. Zweimal flog der daneben an der Wand angebrachte, offene (!) Sicherheitsschalter heraus bzw. die Kabel schmorten durch. Mit dem Leben davongekommen und halb verschreckt, durfte ich mir dann von meinen Gastvater anhören, dass ich zu lang geduscht hätte. Lang ist relativ, zuerst 10 Minuten, dann – aus Angst vor dem nächsten großen Knall – nur noch drei Minuten, da es bereits wieder nach verbrannter Isolierung gerochen hatte. Zudem war die Gegend, in der die Unterkunft lag und der Weg dorhin bei Dunkelheit nicht wirklich empfehlenswert. Das Ende vom Lied: Nach einer Woche zog ich zu einer neuen Familie, die für die dortigen Verhältnisse ziemlich luxuriös lebte.

Schau´n wir im nächsten Bericht, wie es uns weiter erging.

Frank

 

 

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