Pädagogik und Abenteuer in Guatemala Teil 3: Regen und Wohnen

Regen

Bereits in den ersten beiden Wochen kam es zu sehr heftigen Regenfällen, die in kürzester Zeit für halb überschwemmt Straßen sorgten. Kein Wunder, wir hatten uns ja auch die Regenzeit für unseren Aufenthalt “ausgesucht”.

Von einem oder zwei Jahren davor wurde uns berichtet, dass Teile der tiefer liegenden Stadt ziemlich unter Wasser standen. Als ich noch in meiner ersten Unterkunft wohnte, wäre ich in solch einem Fall möglicherweise davon betroffen gewesen. Ich sah mich bereits morgens im Bett liegend von schwimmenden Schuhen umzingelt. Auch dies war ein Grund, eine sicherere Bleibe zu suchen. Glücklicherweise wurde die Stadt 2010 soweit verschont.

Da bleibt kein Schuh trocken: Regenzeit in Quetzaltenango

 

Dennoch war die Situation grenzwertig. Als wir eines Abends aus der Klinik von den Renovierungsarbeiten kamen, waren wir sozusagen abgeschnitten. Die Klinik liegt direkt an einem Bach und einer darüber verlaufenden Brücke. Zwischen Bach und dem Umland ist ein Wall aufgeschüttet. Nach heftigsten, pausenlos andauernden Regenfällen war der “Bach” zu einem reissenden Fluss angeschwollen. Wohl nicht zuletzt darum, weil vermutlich verschiedene Kanalisationssysteme der Stadt dahingehend geöffnet wurden. Außerdem war der Wasserpegel nicht mehr weit von der Spitze des Dammes entfernt. Es war dringend zu befürchten, dass das Klinikgelände überflutet würde. Als wir mit dem Auto nach Hause fahren wollten, konnten wir den normalen Weg durch das Viertel auf der anderen Seite der Brücke nicht einschlagen, da dort die Straßen vollkommen überflutet waren. Deshalb fuhren wir in die entgegengesetzte Richtung, um über einen Umweg nach Hause zu kommen. Plötzlich staute sich der Verkehr auch in dieser Variante, da auch dort ein Straßenstück unter Wasser stand. Somit fuhr Evelyn doch zurück über die Brücke und schlug einen Weg durch ein Viertel ein, welches noch weniger zu empfehlen war als jenes, welches man normalerweise passieren muss. Also die absolute Slum- und in diesem Fall auch Schlammgegend! Hier ging es über unbefestigte, mit Schaglöchern übersähte, schlammige Pisten, die glücklicherweise noch befahrbar waren,  vorbei an trostlosen Fassaden und noch trostloseren Menschen zu den rettenden, geteerten und höherliegenden Hauptstraßen. Das soll allerdings nicht heißen, dass dann Strandstimmung herrschte. Da die Stadt auf Hügeln gebaut ist und die betonierten Straßen minder oder mehr Gefälle unterliegen, schießt das Wasser die Wege hinunter und soll eigentlich in einen der Kanalisationslöcher (siehe Bild oben) verschwinden. Da diese die Mengen aber selten so schnell aufnehmen können, bilden sich Überschwemmungen auf den Straßen. Also war der Restweg zu Fuß meist auch ein Fußbad, wenn´s um´s Überqueren von Straßen ging, da das Wasser auf mindestens einer Seite in Strömen herunterfloss.

Ähnlich erging es uns beim abendlichen Ausgehen und auf dem morgendlichen Weg zur Schule. Die Schule hatte – wie alle Gebäude dort (!)  – keine Heizung und dafür alte, undichte Holzfenster. Bei herbstlichen Temperaturen war es nicht gerade eine Wohltat sein Spanisch zu pauken.

Kunst oder Katastrophe: Stadt, Land, Fluss

 

Diese Regenzeit hielt mehrere Wochen an. Für die Stadt Quetzaltenango bedeutete das mögliche Rationierung von Treibstoff und der Lebensmittelversorgung. Wie im ersten Bericht erwähnt, kam und kommt es dort zu heftigen Erdrutschen, die die Versorgungsstraßen blockieren und teils Fahrzeuge unter sich begraben. Zum Teil brechen auch die Straßen weg. Unter diesen Umständen ist es Transportunternehmern zu gefährlich oder nicht erlaubt, mit ihren tonnenschweren US-amerikanischen Trucks oder ähnlich schwerem Gefährt die Straßen zu benutzen. Außerdem war der Busverkehr von und nach Quetzaltenango stark eingeschränkt. D.h., man kam weder rein noch raus! Die ersten Tankstellen waren schon geschlossen und Benzin rationiert.

 

Zwangspause: Solche Monstertrucks durften erst mal nicht auf die Autobahn.

 

Wie ich bereits oben erwähnte, passierten auch gravierende Unfälle mit Personenschäden aufgrund der regenbedingten Erdrutsche. Mindestens ein vollbesetzter “Chickenbus” (alter US-amerikanischer Schulbus) wurde auf einer Autobahn von Felsbrocken getroffen, komplett zerstört und für viele der Passagiere war das die letzte Fahrt.

 

Meine neue Unterkunft

Bewacht seine Schäfchen und dieses Haus: Jesus

In meiner neuen Familie fühlte ich mich viel wohler. Klar, war da auch nicht alles perfekt, aber für die kommenden 4 Wochen sollte ich dort gut aufgehoben sein. In dem weiteren Gästezimmer des Hauses zog eine Norwegerin ein, die ebenfalls für eine soziale Organisation ins Land gekommen war. Die Familie war auch recht “intellektuell”: Gastmutter Direktorin einer Schule, Gastvater Radiosprecher (ihn hörte man dann allmorgendlich aus dem Küchenradio posaunen), die eine Tochter studiert Medizin und die andere Jura. Außerdem betrieb die Familie sozusagen als Nebenjob eine recht alte Maismühle, um Teig für Tortillas herzustellen – für den Eigenverbrauch und um diesen in der Nachbarschaft zu verkaufen. So etwas nennt man Lokale Ökonomie. Allerdings ging mir dieses ohrenbeteäubende Geräusch auch bald ziemlich auf die Nerven. Zumal das Gerät jeden Morgen angeschmissen wurde – und zwar um 6 Uhr! Während der Woche war das ein guter “Wecker” aber samstags und sonntags (da manchmal etwas später), gerade wenn man gefeiert hat …

Ein wenig ungewöhnlich für mich war, dass das Auto im Esszimmer stand oder die Garage auch als Esszimmer fungierte. Tatsache war, dass der Wagen im Wohnhaus neben dem Esstisch geparkt war und es hinter dem Auto dann eine marmorähnliche Treppe in die Wohnstube hochging. Meist wurde das Auto “schön” rückwärts eingeparkt, dass die Abgase die obere Wohnstube “erfrischten” …

Ausgelassene Stimmung: Geburtstagsfeier in der "Garage"

 

Süßer Brauch: Das Geburtstagskind wird mit der Nase in die Sahnetorte getaucht :-)

 

Bis zum nächsten Bericht,

 

Frank :-)

 

 

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