Über Geburtstage, Beerdigungen und andere Feierlichkeiten

Hallo Zusammen!

Mittlerweile durfte ich an einigen Khmer-Festen teilnehmen und möchte euch nun etwas mehr darüber berichten:

Zunächst einmal habe ich vor circa 2 Wochen den Geburtstag von Mr. Sal zusammen mit einigen Lehrern und Freunden gefeiert. Ich muss dazu sagen, dass ich tatsächlich Mr. Sal an seinen Geburtstag erinnern musste, da er ihn vor dem Hintergrund seines bevorstehenden Bachelorabschlusses beinahe vergessen hätte. Es ist allerdings in Kambodscha auch nicht sonderlich üblich seinen Geburtstag zu zelebrieren.

Wie dem auch sei, aus gegebenem Anlass wurden 2 schwarze Hühner, diverse Fische und andere Köstlichkeiten zu einem umfangreichen und äußerst schmackhaftem Festessen angerichtet. Da wir uns jedoch zur Zeit in der Regenzeit befinden und somit die Sonne nicht so ausgiebig Strom produziert, wie wir uns es gewünscht hätten (generell auch etwas schwierig mit nur einem Solarpanel), mussten wir das Festmahl bei Kerzenschein einnehmen. Jedoch scheute Sal weder Kosten noch Mühen, um aus seinem Geburtstag eine Feier ansatt eines gemütlichen Beisammenseins zu machen. Somit wurde kurzerhand ein diesel-betriebener Generator gemietet, der uns für den weiteren Abend mit Strom versorgen sollte. Anscheind war im Preis für den Generator auch eine Karaoke-Set mitinbegriffen, welches auch sofort angeschlossen und ausprobiert wurde. Nach einigen klassischen Khmer-Songs wurden Mr. Michael und ich aufgefordert auch zu singen-was uns zunächst etwas schwierig erschien, da der Untertitel der Lieder in Khmer war. Nachdem eine Weile versucht hatten,  die Khmerlaute schlicht wiederzugeben, was natürlich spontane Lachanfälle bei den Einheimischen hervorgerufen hat, wurde schließlich eine uralte Country-CD ausgegraben, an der wir uns versuchen mussten. Nachdem wir dies überstanden hatten kam uns die spontane Idee mit den Leuten doch ein wenig Limbo(!!) zu tanzen. Da niemand vorher etwas davon gehört hatte, mussten wir erst einmal eine kleine Einführung geben. Daraufhin war die Zurückhaltung gebrochen und es wurde ausgiebig gefeiert – für mich aufjedenfall ein sehr schönes Erlebnis!

Nun zu einem weniger erfreulichem Ereignis: In der Nacht zum darauffolgenden Montag ist die Großmutter einer Lehrerin verstorben. Dies
machte sich für mich durch ein lautes Feuerwerk zum Todeszeitpunkt (gegen 2 Uhr morgens!) bemerkbar. Am nächsten Morgen wurde ich dann direkt zur Beerdigungszeremonie eingeladen, wobei ich natürlich keine Ahnung hatte wie diese eigentlich ablaufen würde. Als ich
dann mit den Lehrern und Lehrerinnen am Haus der Familie angekommen war, ergab sich für mich ein ungewohnt anmutender Anblick – das gesamte Haus, inklusive der zahlreichen Sitzgarnituren, Tischen und Pavillons für die Gäste, war mit neonfarbenden Stoffen geschmückt. Als wir uns dann an einen Tisch gesetzt hatten, wurden wir auch schon mit Wassermelone und Getränken begrüßt. Im Mittelpunkt der Zeremonie standen etwa 5 Mönche, die auf einem Tisch saßen und in ein Mikrofon beteten. Ihre Gebete wurden durch unfassbar laute Lautsprecher in unser Dorf und wahrscheinlich auch in die Nachbardörfer geschallt. Vor dem Tisch der Mönche saßen einige Verwandte und haben die Gebete nachgesprochen, was eine einzigartige Klangkulisse erzeugte.

Danach kam es zu dem Teil der Zeremonie, der mir noch am bekanntesten vorkam – das Essen. Zunächst bekamen die Mönche
verschiedene Speisen gereicht, die Gäste durften erst versorgt werden, nachdem jeder Mönch einen Löffel jeder Speise verköstigt hatte. Nur eine beiläufige Bemerkung von mir: das Essen war wieder einmal sehr lecker! In der Zwischenzeit hatte ich mich bei einigen Leuten erkundigt, wie die Zeremonie weiter ablaufen würde, da ich ja auch noch zum Unterricht zurück in die Schule musste. Hier nur einige der skurrilsten Rahmenbedingungen: Eine solche Zeremonie kann bis zu 2 Wochen andauern; der Leichnam wird im Laufe der Zeremonie mit viel Holz und Stroh verbrannt; Dienstags werden keine Leichen verbrannt, da das offenbar Unglück bringe und last but not least: die Zeremonie wird kontinuierlich (von 6 Uhr morgens bis 9 Uhr abends) über die Lautsprecher in die Umgebung übertragen!

Ich habe mich auf jeden Fall sehr geehrt gefühlt, dass mich die Menschen so selbstverständlich an einer für meine Begriffe doch eher intimen Begebenheit teilhaben ließen, aber auf diese herzliche und offene Art der Menschen stößt man überall in Kambodscha. Ich wurde schon diverse Male im Vorbeigehen von Kambodschanern zu einem Essen und/oder Bier mit der Familie und Freunden eingeladen, was
in Deutschland (bzw. Europa) ja doch eher sehr selten vorkommt. Das Verrückte dabei ist, dass die Menschen meistens nur sehr
wenig Englisch sprechen und verstehen, man aber doch immer einen Weg findet sich zu verständigen – sei es durch die wenigen Khmer-Worte die man selbst oder andere Volontäre sprechen können, oder durch reine Zeichensprache. Es wird auch immer versucht einen englischsprachigen Kambodschaner per Telefon zu erreichen, der einer solchen „Kennenlernparty“ beiwohnen und als Übersetzer fungieren kann…

Ich kann es einfach nicht oft genug hervorheben, dass die Kambodschaner wirklich unglaublich freundliche und liebenswerte Menschen sind.

Diese Erlebnisse sind aufjedenfall Erfahrungen, die mein Leben bereichert haben und auch weiterhin bereichern werden. Ich werde schon etwas wehmütig, wenn ich daran denke, dass ich in einem Monat schon wieder in Deutschland sein werde.

Vielleicht schaffe ich es ja in der Zwischenzeit noch einmal etwas über meine Erlebnisse zu berichten, wobei ich mir dabei gar nicht so sicher
bin, da die Zeit hier doch wie im Flug vergeht…

Wie dem auch sei, Danke für die Aufmerksamkeit, viele Grüße und vorallem viel Glück (so pflegen sich die Kambodschaner zu verabschieden),

Martin

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