Schulmarathon – Teil II

Auch am Freitag sind Denis und ich wieder verabredet. Heute solls nach Tossohoué gehen, wo wir uns gerade mitten im Bau befinden – und weils ja auf dem Weg liegt, fragt Denis mich, ob ich nicht auch gerne noch beim Koenig von Dogbo vorbeischauen moechte. Ui, natuerlich moechte ich…auch wenn mir etwas mulmig dabei zu mute ist. Man besucht ja nicht alle Tage einen Koenig. Wie ihr euch sicherlich denken koennt, habe ich – diesmal allerdings schuldlos – auch fuer den Koenig nichts dabei. Najaaa. Wie stellt man sich also den Koenigspalast von Dogbo vor? Nun ja, der Koenig besitzt ein Steinhaus und sitzt dort in einem recht schlichten Zimmer auf seinem Thron (oder dem kleinen Thron direkt daneben), dabei hat er Gesellschaft einer Handvoll Leute, deren Funktion wahrscheinlich genau darin besteht – aber das nur eine Mutmassung meinerseits. Gottseidank habe ich Denis dabei, der mir auftraegt, ihm einfach alles nachzumachen. Das macht es allerdings nicht weniger strange, vor dem guten Mann auf die Knie zu gehen, sich mehrfach zu verbeugen und komische Laute von sich zu geben. Ich bin ungewohnt schuechtern – so ganz wohl fuehle ich mich nicht, auch wenn es doch eigentlich gar keinen Grund dazu gibt, wie ich mir einzureden versuche. Der Koenig stellt mir ein paar Fragen, laechelt mich unentwegt freundlich an, laedt mich natuerlich auf eine Runde Schnaps ein (ein ziemlich guter, wie ich finde) und segnet mich abschliessend. In seinem Zimmer fallen mir vor allem die Andenken aus Kleve auf, wo der Koenig vor gar nicht allzu langer Zeit zu Besuch war (irgendwie witzig, wenn man bedenkt, dass ich selbst im Kreis Kleve aufgewachsen bin) – und die zwei Gaddafi-Poster, die ebenfalls kaum zu uebersehen sind. Ich frage Denis, was das zu bedeuten hat – er lacht und verspricht mir eine Erklaerung zu spaeterem Zeitpunkt. Dummerweise verschwitze ich es, ihn noch einmal darauf anzusprechen. Argh.

Nach diesem kleinen Zwischenstopp geht es ueber die uebelsten und engsten Feldwege weiter nach Tossohoué. Wie man hier Baumaterialien transportieren soll, ist mir voellig schleierhaft. Denis meint nuechtern, darin bestuende ja schliesslich die Arbeit des Bauunternehmens, das sei solche Bedingungen gewoehnt. Insgesamt werden wir etwa 45 Minuten lang durchgeschuettelt, wir sind also tatsaechlich mitten im Nirgendwo. Auch wir bleiben nicht ganz verschont, einen Sturz kann Denis noch gerade so abwenden und es bleibt bei einer kleinen Verbrennung am Auspuff.
Die Schule selbst ist schon gut als solche zu erkennen, das Modell ist bekannt. Ganz im Gegensatz zu einer europaeischen Baustelle, auf der es ja nur so von Leuten wimmelt, sind hier 3 bis 4 Bauarbeiter seelenruhig damit zugange, den Gang am hinteren Klassenzimmer zu verputzen. Aber es scheint ja zu funktionieren. Bis zum Schuljahrsbeginn im Oktober soll der Bau abgeschlossen sein. Der dritte Besuch erscheint mir schon fast wie Routine, wir plaudern eine Weile, tauschen Danksagungen, Komplimente und Haendedruecke aus, knipsen unsere Bilder und machen uns wieder auf den Rueckweg. Zufaellig treffen wir einen Mitarbeiter von pro dogbo, der mit ein paar Freunden zusammensitzt. Den Rest koennt ihr euch wahrscheinlich denken – genau: Sodabi! Mal eben so von A nach B, das funktioniert hier einfach nicht. Aber das finde ich ehrlichgesagt auch gar nicht so verkehrt.
Nach diesen ganzen Eindruecken kommt ein Mittagsschlaf wie gerufen. Am Nachmittag habe ich noch die Moeglichkeit, Derick und Jules mit euren und meinen Fragen zu quizzen – alles natuerlich in exzellentem Franzoesisch, aber die Zwei sind sehr geduldig mit mir. Zu den Antworten dann aber an anderer Stelle mehr…

Seit gestern Abend bin ich wieder zurueck in Lovely Lomé…oder so aehnlich. Nachdem sich die Ghana Botschaft durch nichts, aber auch wirklich gar nichts hat beeindrucken lassen und mir weiterhin ein Visum verweigert, gehts nun am Montag zusammen mit Lena, einer weltwaerts-Freiwilligen (und ganz nebenbei zukuenftigen Muensteranerin…) nach Burkina Faso. Kleine Anekdote am Rande: Leider war es uns nicht moeglich, hier vorab ein Visum zu beantragen, da die Formulare alle waren! Wo gibts denn sowas? Mich wunder hier gar nichts mehr. Alternative: Beim Franzoesischen Konsulat muessten wir uns bis Montag gedulden, um ein “Rendezvous” zu ergattern (heute ist Donnerstag), anschliessend dauert es mindestens weitere 48 Stunden bis das Visum fertig ist. Fazit der ganzen Sache: Wir starten am Montag (denn frueher gabs natuerlich auch keine Bustickets mehr), versuchen unser Glueck an der Grenze, zahlen viel zu viel Geld und haben hoffentlich eine gute Zeit dort oben!!!

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