“Adieu Madame” oder “Wie man auch in Togo die Laufschuhe schnueren kann”

Donnerstag, 19. Mai

Ich mache gerade Blau, weil ich keine Lust auf Madame SoundSo habe und nutze die Zeit, um euch ein paar Zeilen zu schreiben. Da waeren wir auch schon direkt beim Thema. Hatte euch glaube ich schon beim letzten Mal berichtet, dass es da eine Lehrerin gibt, die eine absolute Katastrophe ist. Nach dem letzten Donnerstag, an dem wir vier Stunden das Vergnuegen zusammen hatten, war klar, dass das der erste und letzte Donnerstag fuer mich gewesen war. Veraergert ueber diese Zeitverschwendung bin ich mit Sylvia, einer anderen Schuelerin aus Ghana, aus dem Klassenraum und einem Lehrer mehr oder weniger in die Arme, der sofort gemerkt hat, dass irgendetwas nicht stimmt. Das Lehrer-Schueler-Verhaeltnis hier ist uebrigens wirklich angenehm, sehr herzlich und persoenlich. Wir haben diesem Lehrer also von Madame berichtet, woraufhin dieser darauf bestanden hat, dass wir das beim Direktor vorbringen, sofern uns denn wirklich etwas daran liegt, die Situation zu aendern. Den Direktor haben wir dann voellig abgehetzt vor seinem Buero angetroffen. Auf die Bitte des Lehrers hin, uns zwei Minuten anzuhoeren, sagte dieser uns, wir sollten am naechsten Tag wiederkommen. Der Lehrer liess nicht locker, sodass der Direktor uns schliesslich doch noch hereinbat und wir Bericht erstatten koennen. Unglaublich, aber auf einmal wurde dieser richtig freundlich. Er kenne das Problem und ja, er wuerde dafuer sorgen, dass sich was aendere…ob wir ihm bis zur naechsten Woche Zeit geben wuerden?

 

Montagmorgen, 10.10 Uhr, Zeit fuer Madame. Sie betritt den Raum (na super, denke ich mir, nicht schon wieder!), erklaert aber dann, man habe den Stundenplan geaendert. Man habe ihr nicht gesagt warum und sie koenne sich das Ganze auch nicht erklaeren, aber sie wuerde uns nun nur noch 2 von den insgesamt 6 Stunden unterrichten. Innerlich jubelnd setzen wir ahnungslose Gesichter auf. Nein, wir waeren genau so ratlos wie sie, antworten wir. Dommage!

 

Das also die erste Erfolgsnachricht der Woche. Eine zweite ist das seit Montag laufende Sportprogramm! Nach zwei Wochen in den Seilen hatte ich beschlossen, dass meine Traegheit auf Bewegungsmangel zurueckzufuehren ist und dies bei Eli ein bisschen durchblicken lassen. Aufgrund der Temperaturen ist Sport hier tagsueber nicht moeglich, morgens vor dem Kurs ist es zu frueh und abends schon dunkel und zu gefaehrlich. Doof. Denkste. Keine zwei Stunden spaeter erklaert Eli mir, er habe sich da etwas ueberlegt. In der Naehe des Hauses gebe es ein kleines Terrain, um das wir nun jeden Abend herumjoggen wuerden, wenn ich Lust haette. Ab sofort werden also jeden Abend um 18.30 Uhr die Sportschuhe geschnuert! Bis zum Terrein sind des etwa drei bis vier Minuten. Dort angekommen (das ganze gleicht eher einem Mini-Spargelfeld als einem Sportplatz, vielleicht ein bisschen groesser als unser Garten zuhause) rennen wir also wie die Irren im Kreis und haben uns inzwischen auf stolze 50 Minuten gesteigert. Die Togolesen halten uns garantiert fuer bekloppt, ein Glueck, dass es dunkel ist…auch wenn man dadurch das ein oder andere Schlagloch uebersieht und ich froh bin, wenn ich die Lauferei ohne Baenderriss ueberstehe :). Aber das spielt alles im Prinzip keine Rolle, es tut einfach unendlich gut, sich ein bisschen bewegen zu koennen. Dabei riecht es herrlich nach einer Mischung aus Abendessen und Autoabgasen, man ist eben doch noch in Lomé und nicht am Aasee. Hier und da muss man einem Moto ausweichen, das den Platz ueberquert, aber ansonsten ist alles verhaeltnismaessig friedlich und man kann halbwegs entspannt seine Runden drehen. Das Highlight ereignete sich dann gestern Abend: Kaum hatten wir das Feld erreicht, wurden in der Mitte drei Lichtsaeulen aufgebaut und es versammelten sich zwei Maenner im Anzug und eine Frau, um eine Messe (oder etwas derartiges) zu halten und anschliessend die vorbeigehenden Personen von ihrer Glaubensgemeinschaft (um es mal nett auszudruecken) zu ueberzeugen. Und umkreist wurde das Trio ununterbrochen von der irren Weissen und dem Togolesen im Deutschlandtrikot! Herrlich!

Ergaenzt wird das Sportprogramm dann noch durch einige Minuten Seilchenspringen vor dem Fruehstueck, sodass jegliche Traegheit nun auf ehrliche Muedigkeit zurueckzufuehren ist. Uebrigens wusste ich gar nicht, dass ich so schwitzen kann. Dachte ja schon, ich haette in Kambodscha geschwitzt wie ein Weltmeister, aber im Vergleich zu dem, was da nach dem Joggen fliesst, waren das wohl nur Troepfchen. Am Montag sass ich noch drei Stunden nach unserem Lauf klatschnass auf der Terasse, wo bitteschoen kommt das her?

Mit etwas koerperlichem Ausgleich macht auch das Vokalben lernen und Lesen wieder mehr Spass und das Nickerchen nach dem Mittagessen ist die reinste Wohltat! Ihr seht, mir geht es bestens!

Eintrag auf Facebook teilen
Eintrag auf Twitter teilen

Kommentieren