Ab in den Norden!

09. Juni 2011

…und ja, Kara ist eine Reise wert! Was gibt es Herrlicheres als – den Kopf im Fahrtwind, gute Musik auf den Ohren (und einen Sitzplatz fuer sich alleine) – stundenlang in die vorbeiziehende Landschaft schauen und ueber Gott und die Welt nachsinnen zu koennen? Und in knapp acht Stunden, die es von Lomé nach Kara braucht, kann man eine ganze Menge nachdenken und mindestens ebenso viel entdecken. Die Weitblicker unter euch kennen sicher die Vorher-Nachher Bilder unserer Schulen in Benin. Ihr glaubt gar nicht, wie viele solcher Stroh-Holz-Schulen ich auf der Strecke gesehen habe…ich haette wirklich mal eine Strichliste fuehren sollen. Tauchte zwischendurch mal ein ordentliches Gebaeude auf, so konnte man meist auch das Logo einer Hilfsorganisation entdecken. Ziemlich erschreckend, wenn man sich ueberlegt – und das einmal fernab von Zahlen und Fakten – wie riesig der Bedarf an Schulgebaeuden demnach sein muss! In Kara selbst wollten wir eigentlich bei einer weiteren Frau von Elis Papa wohnen (Polygamie laesst gruessen), die hatte aber netterweise ein Zimmer in einer Jugendherberge nebenan fuer uns reserviert. Nicht die schlechteste Idee, haette die Zimmertemperatur nicht gefuehlte 50°C gehabt und waere in der ersten Nacht nicht staendig der Strom und damit der Ventilator ausgefallen…Mit grossen Lueftungsaktionen haben wir die Zimmertemperatur in den beiden weiteren Naechten so runterkuehlen koennen, dass man sich zumindest von links nach rechts drehen konnte, ohne gleich in einer Pfuetze zu liegen! Am naechsten Morgen gings dann mit dem Taxi noch einmal 1,5 Std weiter noerdlich, Richtung Kanté. Hatte es am Vortag schon viel zu gucken gewesen, so zeigte sich die Landschaft auf dieser Strecke wirklich atemberaubend schoen. Von Kanté aus wollten wir uns das Tamberma Valley – laut Lonely Planet so etwas wie der Touristen-Hotspot des nicht existierenden Tourismus – anschauen. Nach knallharten Preisverhandlungen gings schliesslich auf die Motos und mit Highspeed ueber Schotterpisten durch das Tal. Gluecklicherweise sass unser Guide, eine Frau, die eben hier aufgewachsen ist, hinter mir, sodass ich so einequetscht war, dass beim besten Willen keine Gefahr bestand, herunterzufallen. Auch der Fahrer kannte die Pisten in und auswendig, sodass ich weitestgehend den Gedanken verdraengen konnte, was wohl passieren wuerde, wenn das Moto in einer der Kurven den Halt verlieren wuerde…und Wahnsinn hin oder her – Moto fahren ist einfach das Groesste! Die Tour fuehrte uns schliesslich in die kleinen Siedlungen, die Haueser der Bewohner (die mich immer an kleine Ritterburgen erinnerten), zu den Dorfaeltesten, einem “Medizinmann” und anderen Highlights, eine Kalabasse Tchoukoutchou (DIE Spezialitaet im Norden Togos, ein alkoholisches Gebraeu, das mir kurz vor Abreise noch eine weniger witzige Nacht auf der Toilette beschert hat) inklusive. Anschaulich wurde uns die Bauweise (und die hat es in sich!), der Alltag und die Traditionen dieses Stammes erklaert, ohne dass ich mir dabei wie in einem Menschenzoo vorkam. Vollkommen eingestaubt und schwitzig-verklebt, aber rundum zufrieden wurden wir gegen fruehen Nachmittag wieder in Kanté abgesetzt. Diese Tour hatte sich absolute gelohnt, auch der vergleichsweise enorme Preis von umgerechnet 15Euro pro Person fuer einen Ausflug von etwa 5Std geht dafuer in Ordnung. Und Touristen-Hotspot? Naja, ich habe drei andere Jovos gesehen…da hatte ich Schlimmeres erwartet! Nach diesem actionreichen Tag gab es am Abend das ein oder andere wohlverdiente und vor allem eisgekuehlte Bier…und da mal wieder der Strom ausgefallen war, dies unter dem Sternenhimmel von Kara. Gar nicht so verkehrt! Abgesehen davon, dass ich nach vier Tagen mit Eli mal wieder ein bisschen Zeit fuer mich brauchte, hatte ich es gar nicht so sehr eilig, wieder nach Lomé zurueckzukommen. Kara ist kleiner, netter, idyllisch von Bergen umgeben und hat ganz nebenbei eine fantastische “Kreuzstrasse togolais” (Gruesse nach Muenster!)…

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