Seminar in Lhoksumawe, Nord-Sumatra

Hallo liebe Weitblicker,

erstens kommt es anders und zweiten als man denkt. Letztes Mal hat euch Patrik ja schon über unseren Tagesablauf und unsere ersten Eindrücke in Indonesien informiert. Jetzt bin ich mal dran, euch etwas über die Erlebnisse an der Uni Medan zu erzählen.

Wenn man am Wochenende nicht weiß, was man mit seiner freien Zeit anfangen soll, wird man von den Studenten kurzerhand auf eine Hochzeit eines entfernten Verwandten eingeladen, oder man geht zusammen zu einem wunderschönen Wasserfall (s. Bilder unten). Manchmal kommt es aber auch ganz anders: Am Montag wurden Patrik und ich von dem Vorsitzenden der Studierendenschaft des Englischinstituts gefragt, ob wir am Wochenende nicht einen Vortrag auf einem Seminar in Lhoksumawe, 400 km nördlich von Medan, dass von einer Partneruniversität veranstaltet wurde, halten wollten. Wir haben nicht lange gezögert und zugesagt. Ein schlagendes Argument war natürlich auch, dass wir nach dem Seminar weiter nach Pulau Weh fahren würden, eine kleine Urlaubsinsel am nördlichen Zipfel von Sumatra.

Also haben wir die nächsten zwei Tage damit verbracht, fieberhaft einen Vortrag nebst Präsentation für das Seminar zum Thema „Soft Skills“ vorzubereiten. Am Donnerstag morgen ging es los, wir wollten um zehn Uhr an der Uni starten, ca. 30 Studenten in sechs Autos. Leider wurde es dann doch zwölf Uhr, da wir erst auf den Dekan warten mussten, der uns noch unbedingt eine gute Reise wünschen musste. Überhaupt, lange (und verspätete) Autofahrten sollten ein Merkmal dieses Wochenendes werden :P

Nach einer anstrengenden Fahrt über teilweise unwegsame Straßen kamen wir um 21 Uhr in Lhoksumawe an und bezogen unser Zimmer in einem Hostel. Nach einem ausgiebigen Abendessen mit Spezialitäten aus der Region Aceh haben Patrik und ich noch bis ein Uhr an unseren Vorträgen gearbeitet. Am nächsten Morgen ging es auch schon um acht Uhr los. Zuerst gab es ein Begrüßungszeremonie mit vielen (zum Glück kurzen) Reden und einer Tanzeinlage. Als Vortragende hatten wir sogar Ehrenplätze in der ersten Reihe. Um zehn Uhr waren dann die unsere Vorträge dran. Zusammen mit zwei Dozenten unserer und der Partneruniversität haben wir auf dem Podium Platz genommen und in ca. 80 wissbegierige Studenten- und Dozentengesichter geblickt. Der Vortrag lief sehr gut, leider war im Anschluss nur wenig Zeit für die Fragen der Studenten. Am Nachmittag waren wir dann noch Preisrichter in einem englischen Debattierwettbewerb. Die Indonesier debattieren sehr leidenschaftlich, die Mikrofone hätten sie sich ruhig sparen können ;)

Nach dem Abendessen ging es auch direkt weiter nach Banda Aceh, die Hauptstadt der Region Aceh am nördlichen Ende Sumatras. Von dort sollten wir am nächsten Morgen die Fähre nach Pulau Weh nehmen. Um vier Uhr morgens kamen wir am Fährterminal an. Leider legte die Fähre nach Pulau Weh erst um elf Uhr ab und so mussten wir uns die Zeit bis dahin mit Schlafen und Frühstück vertreiben.

Auf der Insel Weh angekommen (Pulau heißt Insel), haben wir zuerst unsere Unterkunft begutachtet. Eigentlich war geplant schon Abends nach Medan zurückzufahren, damit wir Sonntag Mittag wieder da sind. Leider war das mit den Fährfahrplänen nicht vereinbar und so wurde kurzerhand entschlossen, die Nacht auf der Insel zu verbringen. Wir sind in einem islamischen Internat untergekommen, das leider auch extrem spärlich war. Als Dozenten hatten wir das Glück Matratzen für die Nacht zu bekommen, die Studenten mussten auf dem Boden schlafen.

Wir sind zuerst zum „Kilometer Null“ gefahren, ein Punkt an der Nordwestlichen Spitze der Insel an dem die Vermessung von Indonesien beginnt. Nach den obligatorischen Gruppenfotos ging es dann noch zu einem Strand, wo wir ein bisschen schwimmen und schnorcheln konnten. Die Unterwasserwelt ist beeindruckend, keine fünf Meter vom Strand entfernt sieht man Papageien-, Chirurgen- und sogar Drachenfische. Leider auch ein paar Quallen, die unangenehm brennen, wenn man sie berührt…. Aber wir hatten noch mehr Glück als die Studenten, die in Seeigel oder einen Drachenfisch getreten sind, dass ist auf jeden Fall schmerzhafter.

Am nächsten Tag hieß es dann um sechs Uhr aufstehen, damit wir die Fähre um acht erwischen. Diesmal hat alles reibungslos geklappt und die Fähre hat pünktlich abgelegt. Zurück in Banda Aceh haben wir noch die große Moschee besucht. Patrik und ich haben von den Studenten „Sarung“ (ein Rock für Männer) bekommen, da wir mit unseren kurzen Hosen nicht ganz angemessen gekleidet waren. Vor der Heimfahrt haben wir noch Spuren der Tsunami von 2005 gesehen. Mitten in einer Wohnsiedlung steht ein riesiges Schiff, dass aus dem Hafen dort hingespült wurde. Da es zu groß ist, um es dort weg zu transportieren, wurde es kurzerhand in ein Mahnmal umgewandelt.

Die Rückfahrt nach Medan war relativ ereignislos und anstrengend und um halb vier Uhr morgens sind Patrik und ich dankbar in unsere Betten gefallen. Es war ein interessantes aber auch sehr anstrengendes Wochendende.

LG,
Sebastian

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