Eine Nacht als beninischer Bäckerlehrling

Die letzten zwei Tage hatten wir am Strand von Ouidah verbracht. Als wir abends von diesem wunderschönen Kurztrip zurückkehrten, lösten wir –trotz starker Müdigkeit – unser Versprechen ein, eine Nacht in der Pro Dogbo Bäckerei zu verbringen. Um 22 Uhr ging es los, wobei wir zunächst von den Jungs zurückgeschickt wurden, um unsere Fotoapparate zu holen. Bei jedem Handgriff schauten sie uns auffordernd an, ob wir diesen auch in Form eines Fotos festhalten würden.

Jede Nacht werden in dieser Bäckerei von circa zehn Lehrlingen und einem Bäckermeister 2,5 Säcke Mehl zu Baguette verarbeitet, die tagsüber dann auf dem Markt verkauft werden.

Jeder Handgriff beim Formen der Brote sitzt perfekt und schneller als man gucken kann, wächst der Stapel an fertigen Baguettes, die nur darauf warten, in den überdimensionalen Backofen geschoben zu werden.

In besagter Nacht versuchten auch wir uns in der Baguette-Produktion, wobei unsere krummen Teigwürste meist mit einem nachsichtigen Lächeln wieder auf den Teighaufen geworfen wurden. Zwischen zwei und fünf Uhr werden die inzwischen aufgegangenen Brote dann gebacken und anschließend verteilt. Uns wurde die große Ehre zuteil, dass der Bäckermeister persönlich ein riesiges Krokodil, eine Schildkröte und einen Hefezopf für uns herstellte. Im Gespräch mit ihm erfuhren wir auch, dass eine Bäckerausbildung ein Jahr dauert und die einzige Voraussetzung dafür ist, dass man Französische spricht. Dieses Ausbildungsjahr beinhaltet auch ein einmonatiges Praktikum in einer anderen Bäckerei.

Im Gegensatz dazu dauerte eine Patisserie-Ausbildung drei Jahre und setzt einen höheren Schulabschluss voraus.

Am Ende der Nacht verließen wir erschöpft die Bäckerei, mit zwei Tüten voller Brot und Hochachtung vor den Jungs, die jede Nacht diese schwere Arbeit verrichten.

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