Cambodia I

So, endlich schaffe auch ich es, von diesem wunderschönen Land zu berichten!

Ich bin jetzt 1 1/2 Monate bei Sorya in Tropangsdock, also noch am alten Standpunkt. In die neue Schule werde ich aber wahrscheinlich noch diese Woche einziehen und im März, wenn Andi kommt, findet dann die große Einweihungsparty statt, die jetzt schon jeden Freitag beim Meeting durchgeplant wird, alle sind ganz aufgeregt und entscheiden jetzt schon, was wer zu tragen hat…

Ich fühle mich jetzt schon so wohl hier, dass ich fürchte, 6 Monate könnten viel zu kurz sein. Die Zeit verfliegt wirklich. Das Beste am Land sind die Menschen, ich habe noch nie ein Land gesehen, das bis zum Rand gefüllt ist mit zufriedenen, lachenden, freundlichen Menschen wie hier in Kambodscha. Überall begegnet man Gesichtern voller Vertrauen und Offenheit. In Phnom Penh sind alle zudem noch ein bisschen verrückt, vor allem wenn es um den Verkehr geht. Vom Rechtsverkehr scheint niemand etwas zu wissen, die überraschend modernen Ampeln waren wohl auch eine Fehlinvestition.  Und naürlich schreien von überall die TukTuk- und Motofahrer und wer nicht ganz schnell das “nein” auf Khmer beherrscht (“adee”), wird die Schreihälse nicht mehr los. Im Dorf ist es etwas ruhiger, aber wirklich still ist es nie. Die Hähne krähen die ganze Nacht durch, die Hunde heulen, irgendwo in der Ferne spielt unbegreiflicherweise immer Elektro-Musik, für die die Khmer eigentlich gar nichts übrig haben (der Hit sind hier Khmer-Songs, die von der Melodie her immer stark an irgendwelche alten Schnulzen von Madonna oder auch Britney Spears erinnern, ausschließlich von gebrochenen Herzen handeln und denen man auf keiner Busfahrt entkommen kann).  Wenn man durchs Dorf zum nächsten kleinen Stand läuft, schallt von überall ein “Hello” heran, dass, wenn man antwortet, noch ungefähr zwanzig mal wiederholt wird…

Im Moment sieht mein Tag so aus: Von 8 bis 9:30 gebe ich Teachertraining, unterrichte also die Lehrer, übe mit ihnen die englische Aussprache, lese Texte oder mache Grammatiktests mit ihnen. Von 10 bis 11:45 kommt dann die erste Beginner’s Class, denen muss das Alphabet und die Zahlen erstmal beigebracht werden. Da bin ich dann gleichzeitig auch Schüler und lerne ordentlich Khmer, um mich überhaupt mit den Kleinen verständigen zu können. Anschließend kommt eine zweite Beginner’s Class, die Gruppe musste aufgeteilt werden, weil der Ansturm an neuen Schülern täglich größer wird. Heute habe ich mit ihnen Kindergarten-Bilder gemalt, sie sollten alles malen, was sie sich für einen tollen Kindergarten vorstellen konnten. Das dient als Promotion für Sorya, für nächstes Jahr ist der Bau eines Kindergartens geplant. Nachmittags um 17 Uhr unterrichte ich mit Sal, einem der Lehrer, die Fortgeschrittenen. Heute hatten wir im Buch das Thema “Going Abroad” und es war wirklich schwierig, den Schülern zu erklären, warum Menschen auf die Idee kommen, in andere Länder zu reisen… In der freien Zwischenzeit gehe ich regelmäßig mit Michi, einem Weltwärts-Voluntär, der auch hier im Projekt ist, zum Sweets-Stand im nächsten Dorf. Da essen wir dann ohne Ende Jeg Di, eine graue Soße mit Glibber und Bananen drin, tschnian nah(=schmeckt sehr)! Am allerbesten schmecken mir Jeg Jien, platte Bananen, die in Reismehl und Kokosnussmilch getunkt und dann frittiert werden. Unsere Köchin Sorya kocht allerdings auch richtig gut, es gibt jeden Tag Reis mit Fleisch und abwechselnd dazu Ingwer, Pilze oder Gemüse. Ansonsten kann ich auch Frosch und Taranteln sehr empfehlen…

Vom Land habe ich bisher mehrmals Phnom Penh gesehen, außerdem Kampot und Kep ( Am Meer nahe der vietnamesischen Grenze) und Sihanoukville und Koh Kong ( am Meer an der thailändischen Grenze). Sihanoukville ist sehr touristisch und von Westlern überfüllt, während Kampot sehr gemütlich und sehr kambodschanisch ist und mir persönlich viel besser gefällt. Nach Angkor Wat werden wir im April mit ein paar Schülern fahren, damit sie zumindest erst einmal ihr eigenes Land besser kennen lernen.

Jetzt gerade sitzen wir auf der Veranda, neben dem riesigen Mangobaum und wir warten nur noch auf den April, wenn die Mangos endlich reif sind! Es ist schon “spät abends” für kambodschanische Verhältnisse, viertel vor 9, die meisten gehen jetzt gar nicht mehr auf die Straße, weil kein Vollmond ist (Elektrizität haben nur wir hier in der Schule dank Photovoltaikanlage, fließendes Wasser haben aber nicht einmal wir) und die Khmer an Geister glauben.

Also Lie San Hai, auf bald,

Carolina

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