Hier ein Bericht von meinem Bruder, der in einem Schulprojekt in Uganda war:

Ich bin gerade im Rahmen eines ‚weltwärts‘-Freiwilligendienstes in Kampala, der Hauptstadt Ugandas. Nach dem Abi bin ich Ende August 2009 in Uganda angekommen und bin somit jetzt schon gute 9 Monate hier. Für mein Projekt musste ich gerade letztens einen Bericht über die ugandische Kultur schreiben und habe mir dafür das ziemlich problematische Schulsystem in Uganda ausgesucht. Ich hoffe meine persönlichen Erfahrungen damit hier in Uganda sind für euch interessant ;)

Meine persönlichen Erfahrungen mit dem Schulsystem in Uganda

Schule_aussen

Deutsche Schüler müssen sich keine Sorgen um Schulgeld und in vielen Bundesländern auch um die Semestergebühren machen. Sogar Schulbücher werden für diejenigen bereitgestellt, die es sich nicht leisten können. Lehrer erhalten ein geregeltes Einkommen und sind somit zum Unterricht auch immer in der Schule anzutreffen. Klassen sind fast nie größer als 30 Kinder und dies ermöglicht noch eher persönlichen Unterricht.

Hier in Uganda sind die Dinge in der Schule sehr anders. Das Schulleben ist meist ein nackter Kampf ums überleben. Bevor ich nach Uganda gegangen bin dachte ich, dass die Schulgebühren ja nicht so teuer sein können. Umso größer war für mich dann die Überraschung, als ich erfahren habe wie viel es wirklich kostet. Abhängig davon wie gut der Ruf und die Lage der Schule ist können sich die Schulgebühren sehr stark unterscheiden. In der Stadt, insbesondere der Hauptstadt Kampala, sind die Schulgebühren meist sehr viel höher als auf dem Land. Schulgebühren sind zwar weitaus geringer auf dem Land aber die Landbevölkerung hat meist noch größere Schwierigkeiten das Geld aufzubringen, da die Einkommen sehr gering sind und viele einfach nur von Subsistenzwirtschaft leben und somit kein Geld in die Familienhaushalte kommt. Desweiteren haben Leute auf dem Land oft mehr Kinder als Leute in der Stadt und müssen somit auch mehr Kinder in die Schule schicken. Ungefähr 8 bis 10 Kinder würde ich auf dem Land als recht normal bezeichnen, wobei manche Mütter oder Väter auch bis zu 15 Kinder ‚produzieren‘. Ich denke mal bei dieser Anzahl kann man schon guten Gewissens von ‚produzieren‘ reden ;)

Schule_innen-1

Viele der Jugendlichen meines Projektes ‚Ashinaga‘, die hier im Vorort von Kampala leben, müssen in etwa 200.000 Ugandaschilling pro Trimester bezahlen, was ungefähr 75 Euro entspricht. Bei 3 Trimestern im Jahr macht das 600.000 Ugandaschilling / 225 Euro pro Kind.

Diese Schulgebühren sind aber leider noch lange nicht alles, das für die Schule bezahlt werden muss. Schüler müssen noch extra Geld aufbringen für eine lange Liste an anderen Dingen. Sie müssen bezahlen um sich an der Schule zu registrieren, um an Abschlussexamen teilzunehmen, um ihre Zeugnisse zu bekommen, um an pflichtmäßigen Ausflügen und Veranstaltungen teilzunehmen, um einen medizinischen Test im großen Krankenhaus zu machen, um Schulmaterialien wie Rucksack, Bücher, Hefte, Stifte und Schuluniformen zu kaufen und noch weitere Dinge. An manchen Schulen müssen die Schüler auch während der Ferien in die Schule gehen (was übrigens illegal ist aber trotzdem von fast jeder Schule eine gängige Praxis ist) und dafür natürlich wieder extra Geld bezahlen.

Immer wieder kommen Kinder und Jugendliche zu mir und erzählen mir von Gebühren, die sie an die Schule zu zahlen haben. Mir kommt es manchmal so vor als würden die Schulen sich immer wieder neue Wege aussuchen, um Geld von den Schülern zu fordern. Ich weiß nicht wie viel Geld die Schüler nun letztendlich am Ende des Schuljahres bezahlen müssen, aber es übersteigt bei Weitem die Grundgebühren.

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Manchmal werden die Schulgebühren auch mitten im laufenden Schuljahr erhöht und die Schüler, die es nicht gleich bezahlen können werden nachhause geschickt bis sie das restliche Geld irgendwie zusammenkratzen können. Wenn sie es nicht schaffen, dann müssen sie eben zuhause bleiben und können nicht am Unterricht oder an den Abschlussprüfungen teilnehmen. Mitten im Schuljahr könnten sie zwar die Schule wechseln, das wäre aber natürlich noch teurer, da sie dort nicht nur die kompletten Schulgebühren sondern auch extra Anschaffungen wie die Schuluniform zu bezahlen hätten. Die Schüler haben in diesem Fall also keine Wahl und müssen irgendwie das restliche Geld aufbringen, um das Schuljahr oder das Trimester beenden zu können.

Manche Schulleiter sind Kapitalisten und nutzen die Abhängigkeit der Schüler aus. Ein Freund von mir, zum Beispiel, hat seine Gebühren an einer Schule vollständig bezahlt, die Schulgebühren wurden dann erhöht, mein Freund zahlt die erhöhte Summe nach, aber nach der deadline. Der Schulleiter nimmt das Geld entgegen und sagt meinem Freund, dass es zu spät ist und er nicht mehr am Unterricht teilnehmen kann. Das gesamte Geld war also bezahlt aber er konnte trotzdem nicht zur Schule gehen.

Ein weiteres Problem ist, dass es wenig öffentliche Schulen gibt und man selbst an denen Schulgebühren bezahlen muss. Und selbst wenn man keine Schulgebühren oder wenig bezahlen muss, ist die Last der Nebenkosten immer noch recht groß.

Ich wundere mich wirklich, wie es noch so viele Eltern schaffen ihre vielen Kinder in die Schule zu schicken. Die Einkommen sind meistens im Vergleich zu den Schulgebühren wirklich gering. Sogar ein Lehrer in Kampala bekommt gerade mal etwa 70 bis 100 Euro im Monat. Die meisten Berufe bringen weitaus weniger Geld ein und viele Menschen sind arbeitslos und verkaufen am Straßenrand ein bisschen Gemüse oder Teigwaren um wenigstens etwas Geld in die Haushaltskasse zu bringen. Und davon müssen sie wie gesagt circa 75 Euro pro Kind pro Trimester aufbringen plus Nebenkosten. Nur um ein Kind in die Schule zu schicken. Und das bei durchschnittlichen 7 Kindern pro Paar in Uganda.

Die Kinder und Jugendlichen von meinem Projekt ‚Ashinaga‘ sind alles Halb- oder auch Vollwaisen und müssen irgendwie das Schulgeld alleine aufbringen. Da sie neben der Schule kaum Zeit haben um zu arbeiten und außerdem die Bezahlung für Aushilfsjobs sehr schlecht ist (für einen ganzen Tag auf dem Bau arbeiten gibt’s 4000 Ugandaschilling, etwa 1,50 Euro) sind sie meistens auf die Hilfe von Verwandten und Freunden angewiesen. Wenn diese Hilfe ausbleibt, können sie einfach nicht zur Schule gehen.

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1 Kommentar zu “”

  1. Tweets that mention weitblicker unterwegs» Blog Archive -- Topsy.com schreibt:

    Dez 07, 10 um 19:38

    [...] This post was mentioned on Twitter by weitblick, Guido Wünsche. Guido Wünsche said: RT @weitblick: aus dem weitblog: http://bit.ly/ejKi44 [...]


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