Benin encore

Eine der wichtigsten Lektionen beim research in Benin: Nicht jeder Tag wird so laufen, wie man ihn geplant hat. Eigentlich bringt einfach jeder Tag seine eigenen kleinen Neuigkeiten, Rätsel und witzige Situationen mit sich. Die Herausforderung ist es für uns, uns trotz alledem auf den research zu konzentrieren.
Um einen besseren Überblick über die wirtschaftlichen Abläufe zu erhalten, wollten wir letzten Sonntag nach Azovey (der nächste größere Markt nach Tota) fahren. Also nahmen wir wie immer einen Zem. Nach ca 15 Minuten Fahrt, hielt der Fahrer an um bei einer Zeremonie im Hause seines Bruders vorbeizuschaue. „Klar“, sagten wir, „kein Problem“. Um nicht auf der Straße warten zu müssen, begleiteten wir ihn einfach auf das Grundstück. Dann kam es Schlag auf Schlag und aus diesem kleinen Besuch bei dem Bruder wurde ein äußerst interessanter Tag (es sei hier vorweggenommen: auf den Markt schafften wir es nicht mehr). Als wir genauer fragten welche Zeremonie es sei, sagte der Fahrer es hat was mit Vodoun zu tun, aber sein Französisch reichte nicht aus um ins Detail zu gehen. Wir wurden sehr herzlich von den Gastgebern begrüßt. Schwupps saßen wir auf der Couch und vor uns wurden zwei Bier und zwei Softdrinks aufgemacht. Auch der Sodabe und der sogar der beste Gin des Hauses ließen nicht lange auf sich warten. Unser anfängliches „Nein, Danke“ wurde rasch zu einem „ach was solls: ja gerne!“. Schon kam eine ca 10-Frau starke musikmachende Gruppe, die sich um uns herum aufbaute und eindringliche Musik spielte. Auf die Gruppe folgten die unzähligen Kinder, die uns neugierig anguckten. Und ehe wir uns versahen, wurde uns eine Riesenportion Pâte Rouge inklusive schwer zu definierbarem Fleisch serviert. Wir griffen zu. Als wir betonten wie lecker das Essen war – und das war es! – und wir eigentlich pappsatt waren, kam der nächste Pâte und ein Teller Bohnen. Dieses Mal konnten wir nicht anders als abzulehnen. Wir teilten also das Essen mit allen, die um uns herumsaßen. Und so verging die Zeit.
Nach ein paar Stunden (ca. 3-4) saßen wir immer noch bei dem Bruder unseres „Taxifahrers“ hatten gegessen, gut getrunken und zwei Beninern Schere, Stein, Papier beigebracht und im Gegenzug dazu viel von beninischer Gastfreundschaft gelernt. Der „Voodoo-Part“ des Tages war charakterisiert durch Tänze und „Tam-Tams“ was sehr beeindruckend war und in erster Linie nix mit dem Bild von Voodoo zu tun hat, welches man in Europa vermittelt bekommt. Das spannendste in diesem Teil waren die Tänze, die ganz klar als Vorgänger des Capoeira auszumachen waren. Am Ende des Tages war uns der Markt wirklich egal und unser Fahrer fuhr uns wieder nach Hause.

Ein anderes Beispiel für die Gastfreundschaft mit der wir hier empfangen werden, waren unsere Besuche in einem kleinen Dorf in der Nähe von Dévé. Wir sprechen gerade von einem wirklich kleinen Dorf mit etwa 20 Haushalten. Unser Plan war es dort Interviews für unseren Research zu machen. Unser Ansprechpartner in dem Dorf war ein lokaler Politiker und Student unseres Alters.
Neben seiner Tätigkeit in der Politik hat er unter anderem ein Mikrokreditprogramm ins Leben gerufen. Im Anbetracht unserer Studie hatten wir also direkt viel Gesprächsmaterial. Am Ende des Tages haben wir ihn gefragt, ob wir wieder kommen könnten um eventuell bei ihm zu übernachten und so das Leben auf dem Dorf besser kennen zu lernen. Es war überhaupt kein Problem für ihn und somit haben wir letztes Wochenende zwei Tage in diesem sehr kleinen Dorf verbracht. Wir sind immer wieder aufs Neue beeindruckt, wie offen uns die Menschen hier gegenübertreten.

Ein kleiner Nachtrag zum Schulbau: Wir sind vor ein paar Tagen in Kpogodu vorbei gefahren um zu schauen, wie der Fortschritt der nächsten Weitblick Schule in Dogbo ist. Die gute Nachricht ist, dass die „Fenster“ eingebaut wurden und somit der Großteil abgeschlossen ist, während die schlechte Nachricht ist, dass das ein Teil des Fundamentes zu hoch gegossen wurde und somit neu gemacht werden muss, weil man die Türen sonst nicht hätte öffnen können. Ob die Schule zum baldigen Schulbeginn fertig wird steht noch nicht fest. Wir werden euch was das angeht aber auf jeden Fall auf dem Laufendem halten, denn das wir nicht die eifrigsten Blogschreiber sind müssten den paar Leuten die dies lesen mittlerweile sicherlich aufgefallen sein. 

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1 Kommentar zu “Benin encore”

  1. Andi schreibt:

    Okt 02, 10 um 12:24

    ..ich glaub man kann Benin nicht schöner beschreiben, als in dieser Geschichte … top…


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