Der Monsun ist da!

Nach wochenlangem Schwitzen lange herbeigesehnt, ist die Regenzeit jetzt angebrochen. Noch mehr von Bedeutung als für mich persönlich, ist der Regen natürlich für die indische Volkswirtschaft, da die Agrarwirtschaft ganz fundamental vom Verlauf der 3-monatigen Regenzeit abhängt. So kann einfacher Regen das Preisniveau eines ganzen Landes beeinflussen. Ein Zentralbanker muss hier also in gewisser Weise auch meteorologische Kenntnisse mitbringen J

Kurz bevor der Monsun eingesetzt hat, habe ich mich noch schnell auf nach Goa gemacht um ein paar Tage am Strand zu verbringen. Wenn der Regen nämlich erstmal einsetzt, kommt das (touristische) Leben dort zum Erliegen. Die Strände werden gesperrt, die Restaurants und Geschäfte schließen. Goa ist ca. 10 Stunden mit dem Bus von Mhaswad entfernt. Für die lange Reise wird man dann mit tollen, einsamen Stränden und einer beschaulichen und ursprünglichen touristischen Infrastruktur belohnt. Sehr portugiesisch geprägt, gibt es auch in den Städtchen einige schöne Bauwerke zu bewundern. Man muss sich immer wieder selbst erinnern, dass man ja eigentlich in Indien ist.

Mittlerweile habe ich mich gut an den regelmäßigen Regen gewöhnt. In der Regel regnet es alle 1-2 Tage und dann für mehrere Stunden ziemlich heftig. Das ist schon etwas anderes als in Deutschland. Negative Randerscheinung ist, dass die Wahrscheinlichkeit auf giftige Tiere aus dem Unterholz zu treffen, steigt. So hat mich eines Abends ein unnatürlich großer Skorpion im Schlafzimmer besucht. Glücklicherweise habe ich ihn aus der Distanz bemerkt und gleich die Flucht ergreifen können. Seitdem trage ich brav meine Flip-Flops und wir halten die Zimmertüre immer schön geschlossen. Lektion gelernt! Wenn man ein paar Vorsichtsmaßnahmen beachtet, ist man eigentlich auf der sicheren Seite.

Auf dem Weg vom Haus zur Bank liegt ein Fluss, den man in der Trocken-Periode problemlos durchqueren kann, weil ausgetrocknet. Dann wird das Kiesbett zur überdimensionalen öffentlichen Toilette. In Dorf gibt existiert schließlich kein Abwassersystem, wie wir es kennen, sondern jede Straße wird von zwei Rinnen flankiert, die als Toilette genutzt werden. Jetzt ist das Flussbett natürlich mit Wasser gefüllt. Mit dem Vorwissen ist es mir aber leider unmöglich im Fluss ein Bad zu nehmen, auch wenn das Wasser noch so verlockend klar ist. Die Kinder im Ort stört das wenig. Dazu wird der Fluss jetzt auch als Waschmaschine und Autowaschanlage genutzt.

Apropos Auto: Gestern gab es ein skurriles Schauspiel zu beobachten, das neue Auto der Familie wurde geweiht. Der Wagen wurde feierlich geschmückt und dann mit Farbe verziert um damit vor dem Tempel vorzufahren. Angesichts des allgemeinen indischen Fahrstils ist auch mehr als nachvollziehbar, göttlichen Beistand zu erbitten. Zwar habe ich mich mittlerweile an das ständige Hupen und die rasante und sehr aggressive Fahrweise gewöhnt, aber zu Beginn ist mir das Herz doch das ein oder andere Mal in die Hose gerutscht. Ein paar Praktikanten aus Mumbai und ich hatten vor ein paar Wochen einen Ausflug in die Berge unternommen und dazu einen Fahrer angeheuert. Man konnte den Eindruck bekommen, er wird nach Durchschnittsgeschwindigkeit bezahlt. Uneinsichtige Kurven waren kein Grund die Bremse zu treten, wozu hat man schließlich eine Hupe. Und auch Prabhat, der älteste Sohn des Hauses, fährt gern schnell. Für die Reifenpanne am letzten Sonntag aber konnte er nichts. Auf dem Rückweg von einem Wochenend-Trip ist uns mitten in der Nacht die Luft ausgegangen. So hieß es im Nirgendwo für uns alle: Lernen, wie man einen Reifen wechselt. Unsere gruppendynamische Gesamtleistung war aber aller Ehren wert und so haben wir es sicher nach Hause geschafft.

Meine letzten Wochenenden sind schon mit den nächsten Ausflügen verplant. Und auch in der Bank wartet dann noch auch Arbeit.

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1 Kommentar zu “Der Monsun ist da!”

  1. antoine Guillaud schreibt:

    Jul 16, 10 um 11:00

    Schön, wieder von Dir zu lesen !

    Besonders, da die Nachrichten sehr positiv klingen!

    Kleine Randbemerkung, warum sprichst du von einem “wir”, wenn es drum geht, die Zimmertür zu schliessen. Da hast Du ein paar schlafende Hunde geweckt. ;-)

    Herzliche Grüße aus dem Vaterland!
    Antoine


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