Beninreise 8 – En classe, nous suivons

Nachdem wir ja nun schon seit ein paar Tagen direkt neben „unserer“ Schule in Midangbé gewohnt haben, wollten wir jetzt endlich auch mal die Schulbänke drücken. Pünktlich um neun standen wir also mit unseren Weitblick T-shirts auf dem Schulhof.

In welcher Klasse die Kinder in Benin sind, erkennt man nicht unbedingt am Alter, da gibt es kleine Jungs von acht oder neun Jahren und Mädels, die locker zwei Köpfe größer und fünf Jahre älter sind, denn in Benin wissen die Kinder oft nicht so genau, wie alt sie eigentlich sind – und da kann es schonmal passieren, dass die einen mit fünf und die anderen mit neun eingeschult werden.

P1000323Beninische Könige statt Napoleon

Der Unterricht hat uns alle beeindruckt: Erst vor kurzem hat die beninische Regierung neue Schulbücher konzipiert – jetzt lernen die Kinder nicht mehr aus alten franzöischen Schulbüchern, sondern mit Materialien, die an das Leben in Benin angepasst sind: Da wird in Mathe berechnet, wieviel Saatgut gestreut werden muss; Diktate beschäftigen sich nicht mit Napoleon, sondern mit beninischen Königen.

Gibt ein Schüler eine richtige Antwort, ertönt Applaus von der ganzen Klasse, und wird es zu laut, ruft der Lehrer „en classe“ und Sekunden später ertönt ein einstimmiges „nous suivons“ (wir passen auf) und es ist wieder ruhig.

Offensichtlich sind aber auch die Probleme: Die Klassen sind zu voll, es gibt zu wenig Lehrer, die Ausstattung ist katastrophal: Jedes Kind hat eine kleine Schiefertafel und ein winziges Stück Kreide, die Schulhefte werden von allen Kindern einer Familie genutzt; da kann es schonmal passieren, dass auf der ersten Seite Biologiehausaufgaben von 1993 stehen und Seiten später ein Dikat von 2010. Material zum Basteln und Musikinstrumente fehlen gänzlich, ein Fußball ist  eine kleine Kostbarkeit. Es gibt kein Schulessen, und viele Kinder bekommen so von morgens bis abends keinen Bissen…

Bei euch da…

Nachdem wir nun alle die Schulbank bedrückt hatten, durften wir doch nochmal zur Tafel kommen – und die Schüler haben uns Löcher in den Bauch gefragt. „Bei euch da…ist die Erde da rot? Gibt es arme Menschen? Kann man auch ohne Geld zum Arzt gehen? Habt ihr wirklich in jedem Haus Strom und Wasser?“ – Wie soll man diesen Schülern erklären, dass es arme Menschen in Deutschland gibt, ja, aber das diese trotzdem mehr Geld im Monat haben als manche beninische Familie im Jahr? Schwierig…

Mikrokredite…

Nachmittags ging es dann nochmal nach Dogbo und Derrick, ein Mitarbeiter von pro dogbo, hat uns noch ein wenig über die Arbeit der NGO erzählt.  Ein großes Thema waren Mikrokredite, denn wenn auch in der Bildung deutliche Fortschritte sichtbar sind,  auf dem Arbeitsmarkt sieht es düster aus. Selbst die Lehrlinge aus der Metallwerkstatt von pro dogbo sitzen nach der Ausbildung auf der Straße, weil es einfach keine Stellen gibt. Ob Mikrokredite auch für Benin eine Lösung sind? Der Frage gehen wir nach!

Die letzten Stunden in Dogbo vergingen wie im Flug. Nach einem abenteuerlichen Ritt durch den Dschungel auf dem Zemidjan zurück zu unserer Unterkunft wartete in Bassanhoue Papa Matteo, der Dorfälteste, schon mit einem Festmahl auf uns, zu dem sich selbst der König von Dogbo noch einmal die Ehre gab. Bei so viel Freundlichkeit fehlen einfach die Worte…

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1 Kommentar zu “Beninreise 8 – En classe, nous suivons”

  1. Tweets that mention weitblicker unterwegs» Blog Archive » Beninreise 8 – En classe, nous suivons -- Topsy.com schreibt:

    Mai 04, 10 um 20:45

    […] This post was mentioned on Twitter by weitblick. weitblick said: aus dem weitblog: Beninreise 8 – En classe, nous suivons http://bit.ly/aivHxV […]


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