Beninreise 7 – Von Priestern und Königen

Der König von Dogbo ist ein wichtiger Mann. Das erkennt man an dem Regenschirm und an dem Äffchen. Der König von Dogbo kann Probleme lösen, wenn Jemand nicht mehr weiter weiß oder wenn ein Pärchen keine Kinder bekommen kann. Er herrscht auch über die niemals-versiegende Quelle in seinem Dorf (in seiner Weisheit hat er entschieden, sie mit dem Nachbardorf zu teilen, durch das die Stromleitung aus Ghana verläuft und das gedroht hat eben jene Leitung zu kappen, sollten sie nicht auch etwas von dem Reichtum abbekommen). Außerdem verfügt der König von Dogbo über einen Übersetzer und einen eigens für ihn zubereiteten Soudabee (Palmenschnaps) Vorrat, aber das Alles, bleibt den meisten Durchreisenden verborgen.

Nur wenigen wird die Ehre zu Teil, den König zu besuchen. Das ist auch gut so. Schon für eingeweihte wirkt er erstaunlich, dieser Mann in dem lilanen Morgenmantel, mit den Plastikketten um den Hals, der nirgendwohin geht ohne seinen Regenschirm, der von einem seiner Diener über seinen Kopf gespannt werden muss, wie eine Krone. Ob drinnen oder draußen. Dieser Mann bietet uns nun seinen Rat an und seinen Soudabee (wir haben ihm Jägermeister mitgebracht , der sofort geöffnet  wird und so kommen wenigstens einige von uns um den obligatorischen Palmenschnaps herum). Wir wechseln einige höfliche Worte, die von Deutsch nach Französisch nach Aja und wieder zurück übersetzt werden. Hier, in seinem Reich, nimmt er sich viel Zeit für uns und unsere Fragen, erklärt uns seine Welt und fragt nach unserer, bis wir plötzlich von lautem HipHop unterbrochen werden- auch der König von Dogbo hat ein Handy.

Danach geht es weiter zum Voodoopriester. Wir sind pünktlich, was in Benin eher unüblich ist. So hat niemand mit uns gerechnet und es müssen erst einmal Stühle für alle aufgetan werden. Dann aber, werden wir fürstlich bewirtet mit kalten Getränken, einer großen Fleischplatte und Klößen. Ein Essen, dass wir in Benin noch einige Male serviert bekommen werden. Allerdings mit immer anderen Geschmacksrichtungen und Zutaten.

Einige nicken gleich ein. Doch es lohnt sich gegen die Müdigkeit an zu kämpfen, denn die Frau des Voodoopriesters setzt sich schon mal zu uns. Sie ist Deutsche und arbeitet für den Entwicklungshilfedienst. Sie kann uns viel über das Land erzählen. Auf die Frage wie es ist mit einem Voodoopriester verheiratet zu sein, lächelt sie: „Ich sehe das so: mein Mann hat halt ein interessantes Hobby.“ Als sie sich kennen lernten, wird er uns später erzählen, war er noch Methodist und wollte Priester werden. Erst, nachdem man ihn immer wieder aufforderte, das Erbe seines Vaters des Voodoopriesters an zu treten, habe er sich schließlich dazu überreden lassen. Und es habe ihm gut getan. Nicht der Mensch sucht die Geister, die Geister wählen den Menschen. Auch seine Frau hat großen Respekt, vor dem was er tut. Viele seiner Wunder und Kräfte bezeugt sie selbst, wie die Fähigkeit Böses voraus zu ahnen oder zu fühlen, wenn Jemand übles mit seinen Fetischen im Sinn hat.

Die zeigt er uns dann. Eine große schwarze Keule, die er geerbt hat und manchmal an Priester verleiht. Er zeigt uns eine Art Beschwörung, für die er die Keule mit Palmenschnaps bespuckt und dann auf sie einredet. Dann sehen wir den wahren Fetisch. Er ist mannshoch und wohl anderthalb Meter breit. Eine große Runde Säule, aus der scharfkantiges Metall ebenso hervor guckt wie Innereien und Totenschädel. Die Farbe ist schwer zu identifizieren. Blut ist dabei und vielleicht etwas von dem Maismehl, das hier für viele Prozeduren verwendet wird. Man kann damit Gutes tun- gute Noten, eine Arbeitsstelle- aber auch töten. Der Priester erklärt uns, er habe sich von diesen düsteren Mächten abgewandt und verwende nur positiven Voodoo. So fremd – und suspekt – wie uns diese Dinge sind, so verständlich klingen die Erläuterungen über den Voodooismus an sich, die er uns gibt. Er habe Teile seines christlichen Glaubens beibehalten. Nur sehe er jetzt keinen strafenden Gott, der Krankheiten über die Menschen bringt, sondern ein liebenden, der ihnen mit der Natur alle Mittel gegeben hat, um diese Krankheiten zu besiegen. Es geht um Heilkräuter und ihre Wirkung. Darum, den Menschen zu helfen, die sich keine Medizin leisten können. Zum Teil können die Kräuter auch mehr bewirken als herkömmliche Medizin. Das müssen sie auch, denn der Besuch beim Voodoopriester ist zum Teil sehr teuer und nicht alle gehen mit ihrem Wissen und Unwissen so gewissenhaft um wie unser Gastgeber. Nicht alle erkennen, wann sie helfen können und wann es Zeit wäre, einen Arztbesuch zu empfehlen. So schaden sie den Menschen durch wirkungslose oder sogar schädliche Behandlung. Doch auch die Medizin kann nicht alles, gibt er zu bedenken: Wirst du durch Voodoo verflucht, kann dir kein Arzt mehr helfen.

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